EPA/PETER STEFFEN

Volkswagen braucht ein Pannendreieck

von Lukas Sustala / 04.11.2015

Der Abgasskandal von Volkswagen weitet sich in mehrere Richtungen aus. Bitcoin ist wieder im Fokus. Was der Candy-Crush-Deal über den Videospielmarkt verrät – und über das Fusionsfieber. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Volkswagen bleibt neben der Spur. Der Autobauer steht wieder massiv unter Druck. Der Abgasskandal droht sich an mehreren Stellen auszuweiten. Gestern wurde bekannt, dass auch Porsche von den manipulierten Abgaswerten betroffen ist. Nun ist auch die Art der Manipulation neu (NZZ). Hunderttausende VW-Autos könnten mehr Sprit verbraucht und damit mehr CO2 ausgestoßen haben, als vom Hersteller angegeben (Reuters). VW musste damit am Dienstagabend nach Manipulationen bei Stickoxid-Werten (NOX) auch Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten einräumen. Es gehe hauptsächlich um Dieselfahrzeuge, aber auch eine geringe Anzahl von Benzinern sei betroffen. Der Aktienkurs von Volkswagen ist am Mittwoch jedenfalls drastisch gefallen.

VW-Aktie reagiert mit Kurssturz
VW-Aktie reagiert mit Kurssturz

Credits: Factset

Diese Woche ging es für VW bereits um sieben Prozent nach unten. Auch eine „reine Vorsichtsmaßnahme“ von Porsche dürfte bei Anlegern nicht gut ankommen. Der VW-Konzern stoppt den Verkauf des Geländewagens Porsche Cayenne mit Dieselmotor in den USA. Der Verkaufsstopp sei eine „Vorsichtsmaßnahme“, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Stuttgart. Die Ausweitung auf weitere Marken und Motorentypen zeigt aber, dass der Skandal für VW mit dem Milliardenverlust vom dritten Quartal wohl noch nicht ausgestanden ist (NZZ.at).

Bitcoin-Bonanza? Die Kryptowährung ist plötzlich wieder in aller Munde. Der britische Economist und die Finanztageszeitung Financial Times haben sich in den vergangenen Tagen intensiv dem Thema gewidmet, der Economist nahm mit Blockchain die Technologie hinter der Währung auf sein Cover (The Economist). Das Timing für die Geschichten war gut, denn Bitcoin legt gerade wieder eine parabolische Aufwärtsbewegung hin und ist heute um knapp zehn Prozent im Wert gestiegen.

Candy Crush Cash. 5,9 Milliarden Dollar für den Entwickler von „Candy Crush“ und anderen Mobile Games. Der Spielekonzern Activision Blizzard müsse verrückt sein, war die Bauchgefühlreaktion einiger Kommentatoren. Dabei ist King Digital durch seinen Fokus auf das Mobile Gaming ein gutes, vielleicht sogar günstiges Einstiegsticket in die Welt der mobilen Spiele (NZZ.at). Das „Freemium“-Modell von Candy Crush und Konsorten funktioniert so, dass das Spiel zwar gratis ist, zusätzliche Elemente und Leben aber gekauft werden müssen. Das verleitet zusammen mit dem Suchtfaktor dieser Spiele viele Gamer dazu, auch wirklich Geld hinzulegen (NZZ.at). Mit Videospielen lässt sich damit richtig viel Geld umsetzen und Activision Blizzard als Nummer fünf der Branche – populär durch „Call of Duty“ oder die Welt von „Warcraft“ – übernimmt mit King Digital die Nummer zehn.

Aber am King-Digital-Deal lässt sich noch etwas anderes ablesen. Das Fusionsfieber grassiert, wie Zahlen von Dealogic für NZZ.at zeigen. 2015 wird demnach ein absolutes Rekordjahr für Fusionen und Übernahmen. Unternehmen finden aktuell offenbar wenig anderen Nutzen für ihr Geld als ihre Konkurrenten aufzukaufen.

Chinas Experimente mit der Marktwirtschaft. Chinas Zentralbank geht den langsamen, aber bestimmten Weg in Richtung Liberalisierung. Die Einlagenzinsen sollen bis Ende des Jahres liberalisiert werden, doch das Bankensystem bleibt vom Staat und der kommunistischen Partei dominiert. Und so liefert Chinas Wirtschaftspolitik die Marktwirtschaft wohl weiter nur scheibchenweise, wie NZZ-Korrespondent Matthias Müller analysiert.

Verbund verdient mehr. Der Verbund hat in den ersten drei Quartalen weniger Strom produziert und mehr Gewinn geschrieben. Der Nettogewinn stieg um mehr als das Dreifache, von 63,8 auf 228,7 Millionen Euro in den ersten neun Monaten des Jahres. Die Prognose für das operative Ergebnis vor Abschreibungen wurde angehoben. Den Börsianern gefielen die Zahlen, die Aktie legte um mehr als 9 Prozent zu. Um Einmaleffekte bereinigt ist der Gewinn mit 245,2 Millionen Euro immerhin noch um 40,7 Prozent über den Vergleichsquartalen des Vorjahres gelegen, so der Verbund.

Börsengang, oldschool. Japans Privatisierung der Post ist ein Geschenk an die Privatanleger (NZZ). Die Regierung von Shinzo Abe will, dass der japanische Durchschnittsbürger – die legendäre Frau Watanabe – die Ersparnisse vermehrt in Aktien anlegt − daher wurde der Ausgabepreis vor dem Börsengang der Post bewusst niedrig gewählt. So waren am Mittwoch kräftige Kursgewinne garantiert. Mit der japanischen Post ist übrigens das wichtigste Finanzinstitut des Landes an die Börse gebracht worden, die Einlagen bei der Bank der Post summieren sich auf 1,4 Billionen Dollar.

Free Lunch – Food for Thought

Zentralbanken, schwer vorherzusagen.

Banken-Ungemach im Wahlkampf: Wie in Kroatien um Fremdwährungskreditnehmer gebuhlt wird (Der Standard).

Die Infrastrukturlücke muss finanziert werden (Project Syndicate).

Wo sich aktives Management lohnt und wo nicht (Morningstar).