Vom durchlöcherten Bankgeheimnis und Crowdfunding zwischen Krieg und Sex

von Lukas Sustala / 12.06.2015

Wir diskutieren am kommenden Montag über das Bankgeheimnis. Piketty irrt sich. Und Crowdfunding dringt in neue Galaxien vor. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Die Aussicht auf Einsicht schreckt ab. Der Kampf gegen den Steuerbetrug soll die Steuerreform wesentlich finanzieren. Dafür wird das Bankgeheimnis geopfert. Doch wie weit geht das Recht des Staates auf totale Transparenz und das Recht des Bürgers auf Privatsphäre? Welche Mehreinnahmen lassen sich mit dem Kontenregister wirklich erzielen? Und ist das Ende des Bankgeheimnisses der Anfang des Schnüffelstaates? Kommen Sie zu unserem Clubabend und diskutieren Sie mit (NZZ.at). Hier finden Sie jedenfalls einen wichtigen Text zur Vorbereitung (NZZ.at).

Wieso Piketty irrt. Die These der stetig steigenden Ungleichheit hat so eingeschlagen, wie schon lange keine Idee eines Ökonomen mehr. Doch nicht nur die Daten des französischen Wirtschaftsprofessors Thomas Piketty haben zu heftigem Widerspruch geführt. Bei einer aktuellen Konferenz wurden auch seine postulierten Gesetzmäßigkeiten von Volkswirten kritisiert (NZZ.at). Denn angesichts von Niedrigzinsen und Demografie sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Zinsen künftig höher sind als das Wachstum – und die Ungleichheit, wie von Piketty, angenommen weitersteigt.

Athen regt auf. Der Internationale Währungsfonds hat mit lautem Widerspruch den Verhandlungstisch verlassen und die EU-Spitze zeigt sich zunehmend entnervt über die griechischen Verhandler (IWF). Will man angesichts der immer knapper werdenden Zeit die Haltung des Fonds zusammenfassen, müsste die Formel lauten: „No Progress“. Es mag müßig sein, neue Deadlines und letzte Fristen zu diskutieren. Aber an den Finanzmärkten zeigt sich, dass noch niemand wirklich einen Durchbruch erwartet:

Erschütterungen und Energie. Die Fördermethode Fracking hat den Ölmarkt erschüttert. Eine kleine Chartsammlung zu den wichtigsten Trends – und wie sie die Tankkosten für Österreichs Autofahrer bewegt haben (NZZ.at).

OMV setzt – wieder – auf Nabucco. Die heimische OMV hat offenbar eine relativ bekannte Antwort auf die Verwerfungen auf den Energiemärkten. Sie will das Pipeline-Projekt Nabucco in abgewandelter Form reaktivieren (Die Presse). Mit einem Riesenunterschied: Sollte Nabucco zunächst die Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren, soll jetzt ebendas über die neue Pipeline nach Österreich kommen. Langfristig soll aber auch der Iran Gas liefern.

Hans-Werner Sinn geht demnächst in Pension. Der streitbare deutsche Volkswirt wird am 31. März 2016 in Pension gehen. Er hat als Leiter des ifo-Instituts wie kaum ein anderer deutschsprachiger Ökonom mit seinen Thesen die öffentliche Debatte in der aktuellen Schuldenkrise geprägt. Sein Nachfolger ist Clemens Fuest, der seit März 2013 Präsident und Wissenschaftlicher Direktor des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim ist (ifo).

Wer nicht wächst, fliegt. Twitter-CEO Dick Costolo tritt zurück. Der Kurznachrichtendienst ist aktuell für Silicon-Valley-Verhältnisse wirtschaftlich im Schneckentempo unterwegs und Investoren hatten die Unternehmensführung dafür – und für den niedrigen Aktienkurs – immer wieder heftig kritisiert (qz).

Emerging Fears. Die Sorge um die Aussichten der Schwellenländer treibt die Investoren um – und aus Schwellenländer-Fonds (FT, Paywall). Aktuelle Daten zeigen, dass in der vergangenen Woche 9,3 Milliarden US-Dollar aus solchen Produkten abgezogen wurden, so viel wie seit 2008 nicht mehr.

Crowdfunding, mal anders. Dass immer mehr Projekte mit der Schwarmfinanzierung finanziell auf den Boden gebracht werden, ist ja bekannt. Doch zwei aktuelle Artikel zeigen, dass Crowdfunding in immer neue Bereiche vordringt: Russische Gruppen finanzieren so den Krieg in der Ostukraine (NYTimes). Und Pornhub sucht so Investoren für den ersten Weltraumporno (Vice).

Warum Island nun die Kapitalverkehrskontrollen beseitigen kann (VoxEU).