Bitmovin

Bitmovin

Von der Uni Klagenfurt zur New Yorker Börse

von Elisabeth Oberndorfer / 08.09.2016

Bitmovin ist ein heimlicher Star der österreichischen Start-up-Szene – vor allem deswegen, weil der Technologieanbieter nicht in Wien sitzt. Mit einer internationalen Finanzierungsrunde in Höhe von 10,3 Millionen US-Dollar strebt das Unternehmen den Börsengang an. 

Als wir Bitmovin-Gründer Stefan Lederer im Juni 2015 trafen, saß er in einem Coffeeshop in New York und bereitete sich auf eine Fachmesse vor. Heute scherzt er, wenn er nach seinem Arbeitsplatz gefragt wird: „Im Flieger?“ Tatsächlich verbringt der Kärntner dieser Tage wenig Zeit am Firmensitz in Klagenfurt. Das Start-up, das eine Infrastruktur für Video-Streaming ohne Unterbrechungen entwickelt hat, ist internationaler geworden. Kurz nach dem Treffen in New York nahm Bitmovin am beliebten Inkubatorenprogramm Y Combinator im Silicon Valley teil.

Kärntner Videotechnologie in Palo Alto

Seither ist CEO Lederer damit beschäftigt, einen Standort in Palo Alto aufzubauen. Zehn Mitarbeiter will er in den nächsten sechs Monaten im Herzen des Silicon Valley haben, insgesamt sind es jetzt 30. „Ich versuche den Großteil meiner Zeit in Palo Alto zu sein, und eine Woche pro Monat in Klagenfurt beim Team – wenn es sich ausgeht.“ Dazwischen versucht er so ziemlich jedes Portal, das Video-Streaming im Einsatz hat, auf Konferenzen von seinem Produkt zu überzeugen, „in Amsterdam, Köln, London, Spanien, Los Angeles, und in den nächsten zwei Monaten in New York“.

Das nötige Kapital für die Reisekosten hat das Unternehmen mittlerweile. Vergangene Woche gab Bitmovin bekannt, eine Series-A-Finanzierung in Höhe von 10,3 Millionen US-Dollar abgeschlossen zu haben. Hauptinvestor ist der Londoner Wagniskapitalgeber Atomico. Die österreichische VC-Firma Speedinvest gab dem Video-Start-up vor zwei Jahren eine Seed-Finanzierung und ist auch bei dieser Runde wieder dabei. Dazu kommen zahlreiche Angel-Investoren, die auch fachliche Unterstützung leisten sollen. Lederer listet Namen wie Chris Kaiser, früherer Entwicklungschef bei Netflix und YouTube, und den langjährigen Cisco-Manager Edward Kozel auf. Mit welcher Unternehmensbewertung die Investoren gesucht wurden, lässt der CEO offen: „Diese kommunizieren wir eigentlich nicht, aber wir sind hier genau im Mittel von typischen Series-A-Runden unserer Größe im Silicon Valley.“ Der VC Aaron Holiday rechnete vergangenes Jahr für Start-up-Finanzierungen in dieser Höhe eine Bewertung zwischen 30 und 75 Millionen US-Dollar vor.

Bitmovin-Player

Mit einer Infrastruktur für 360-Grad-Livestreaming will Bitmovin vom Virtual-Reality-Hype profitieren. (Bild: Bitmovin)

Übernahmeangebote lehnt Bitmovin ab

Die cloud-basierte Transkodierung von Videos hat der CEO 2013 gemeinsam mit den Kollegen Christopher Müller und Christian Timmerer an der Universität Klagenfurt entwickelt. Bitmovin bietet mittlerweile auch einen HTML5-Video-Player an, der für die rasche Wiedergabe beim Streaming sorgen soll. Mit Apple, Google und Netflix soll das österreichische Start-up schon im Gespräch gewesen sein. Zu den Gerüchten äußert sich Lederer nicht, er sagt nur so viel: „Es sind die größten Unternehmen der Branche in den USA, aber wir haben weltweit hunderte Kunden und sind auf allen Kontinenten vertreten.“ In Österreich haben unter anderem die ORF-Plattform Flimmit und Kronehit die Technologie im Einsatz.

Von einem internationalen Unternehmen soll es schon ein großes Übernahmeangebot gegeben haben, das Bitmovin allerdings ablehnte, hört man in der heimischen Start-up-Szene. CEO Lederer bestätigt: „Ja, wir hatten sogar schon mehrere Angebote in verschiedenen Phasen von Bitmovin. Es passiert immer wieder, dass sich jemand interessiert. Das ist sehr spannend und eine nette Anerkennung für das Produkt und das Team.“ Damit beweisen die Kärntner Video-Experten einen deutlich längeren Atem als das Gros der österreichischen Start-ups, die eher auf einen Exit abzielen. „Anfang des Jahres hatte sich der Umsatz so entwickelt, dass es Sinn machte, über eine Series A nachzudenken“, erklärt Lederer. Innerhalb eines halben Jahres war die Finanzierungsrunde abgeschlossen. Konkrete Umsatzzahlen verschweigt er, 2015 habe man monatliche Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich gemacht.

In sieben Jahren an der NASDAQ

In den vergangenen Monaten haben sich die Entwickler auf das Thema Virtual Reality gestürzt, in Kürze will Bitmovin eine 4K-Livestreaming-Infrastruktur für 360-Grad-Videos vorstellen. „Da sind wir Vorreiter und waren von Anfang an bei diesem Thema dabei“, betont Lederer. Sowohl YouTube als auch Facebook unterstützen mittlerweile 360-Grad-Videos, was auf einen lukrativen Markt für Bitmovin hindeutet.

Auf unternehmerischer Ebene hat der Geschäftsführer ein klares Ziel – einen Börsengang. „Das ist eine wichtige strategische Entscheidung, mit der wir uns auf unser Produkt, unsere Kunden und den Markt konzentrieren können, ohne uns von Exit-Gedanken ablenken zu lassen“, erläutert Lederer den Plan. In fünf bis sieben Jahren will er sein Unternehmen an der New Yorker Börse NASDAQ gelistet sehen, ist sich aber bewusst: „Dafür müssen wir uns natürlich noch anständig anstrengen und noch unsere Hausaufgaben machen.“