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Walkthrough

Voodoo-Ökonomie mit der Inflation und China

von Lukas Sustala / 19.01.2016

Ist die Inflation in Österreich besorgniserregend niedrig? Oder etwa relativ gesehen besorgniserregend hoch? Chinas Wachstumsschwäche sorgt aktuell für Furore, und der IWF passt seine Weltwirtschaftsprognose an. Und zweimal Vorstandsrochade in österreichischen Unternehmen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Inflation, Deflation, was denn nun? Die Inflation ist aktuell ja bekanntermaßen relativ niedrig. Die Ölpreise sind schließlich auch regelrecht zerfallen, was stark preisdämpfend wirkt. Aber ist die Teuerung wirklich „besorgniserregend niedrig“, wie Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer sagt? (NZZ.at) Nur bedingt: Denn erstens ist in Österreich die Inflation nach wie vor höher als in anderen, oft konjunkturell „heißeren“ Volkswirtschaften, was allmählich zu einem Wettbewerbsproblem wird. Und zweitens sind niedrigere Ölpreise für die Eurozone eher Segen als Fluch. Ganz abgesehen davon, dass man den österreichischen Konsumenten nach Jahren überdurchschnittlicher Preissteigerungen schwer vermitteln kann, dass die Teuerung jetzt zu niedrig ist. Mit der „optimalen Inflationsrate“ hat sich zuletzt NZZ-Kollege Fuster eingehend beschäftigt (NZZ.at).

Chinas Schwäche, inklusive Kontext. Chinas Wachstum ist deutlich niedriger als noch vor wenigen Jahren. Mit 6,9 Prozent sind die offiziellen Statistik-Daten aber nur geringfügig unter dem „Zielwert“ der Behörden von sieben Prozent (NZZ.at). Nach den jüngsten Abwertungen der chinesischen Währung haben die Zahlen aber immerhin an den Finanzmärkten zur Beruhigung beigetragen, zumal man bedenken muss, dass sieben Prozent Wachstum 2015 aufgrund der Größe der chinesischen Volkswirtschaft viel mehr wert sind als zehn Prozent 2004 (NZZ.at). Wächst China also wirklich „so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr“? It’s more complicated.

Weltwirtschaft bremst sich ein. Apropos Wachstum. Der internationale Währungsfonds hat am Dienstag sein Update für den Weltwirtschaftsausblick veröffentlicht. Chinas wirtschaftlicher Umbau und die stark gesunkenen Erdölpreise dominieren die knappe Analyse des Fonds (NZZ.at).

Doch die gekappte Wachstumsprognose ist alles andere als dramatisch. 0,2 Prozentpunkte weniger Wachstum für 2016 und 2017 ist vor allem die Konsequenz von einer schwächeren Entwicklung bei Erdöl-Förderländern und den USA – wobei sich in den vergangenen Jahren die Eurozone nur selten halten konnte, wenn sich das Wachstum in den USA abschwächte.

OMV mit neuem Finanzvorstand. Der österreichische Öl- und Gas-Konzern bekommt einen neuen Chef über die Finanzen. Reinhard Florey, ein gebürtiger Grazer, ist derzeit Finanzvorstand des finnischen Stahlkonzerns Outokumpu und wird spätestens ab 1. August 2016 Finanzvorstand der OMV sein und David Davies beerben. Florey wird zu einem Konzern kommen, der aktuell nach dem Programm „Fit for Fifty“ angesichts weiter gefallener Ölpreise an einem neuen Sparpaket schnürt (Der Standard).

Bank Austria Vorstandsrochade. Damit ist es der zweite Vorstandsumbau in nur zwei Tagen in den österreichischen Großunternehmen. Die Bank Austria bekommt bereits am 1. März mit Robert Zadrazil einen neuen CEO. Willibald Cernko (59) tritt als Vorstandschef ab. Sein Vertrag war erst letztes Jahr wieder verlängert worden. Gerade erst schien sich die größte Aufregung um den harten Sparkurs bei der Bank Austria zu legen.

Inspirationen – Food for Thought

Sorgen Sie sich nicht, dass angeblich 62 Menschen so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung (NZZ.at). In Wirklichkeit steht es um die Welt deutlich besser, als solche Schlagzeilen suggerieren (NZZ.at):

Die Börsen an die Leine nehmen (NZZ).

Kryptowährung Bitcoin gescheitert? (Blicklog)

Wir wählen, aber der ÖGB regiert? Die Regierungsumbildung, analysiert von Franz Schellhorn (Agenda Austria).

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