Wachstum verzweifelt gesucht

von Lukas Sustala / 07.05.2015

Das Wachstum reicht bei weitem nicht aus, um Österreichs Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Die Angst vor der Inflation hat zum aktuellen Absturz der Anleihenmärkte beigetragen. Und in Nevada startet der Roboter-Road-Trip. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Wachstum verzweifelt gesucht. Es ist eine scheinbar einfache Frage. Wie viel Wachstum braucht Österreichs Wirtschaft, damit die Arbeitslosigkeit wieder fällt? Die Antwort lautete lange Jahre 2 bis 2,5 Prozent. Doch sie greift zu kurz (NZZ.at). Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice, rechnet angesichts des kräftig steigenden Arbeitskräftepotenzials eher mit 3,5 bis 4 Prozent Wachstum, die nötig sind, um die Lage auf Österreichs Arbeitsmarkt nachhaltig zu entspannen. Wenn Österreichs Politik daher aktuell zu einem Arbeitsmarktgipfel ruft, sollte sie eigentlich einen Wachstumsgipfel meinen.

Zunahme der unselbstständig Beschäftigten in Tausend (Quelle: Mikrozensus, Statistik Austria), BIP-Wachstum in Prozent. Jahresdaten.

Kommt die Inflation zurück? Die jüngsten Turbulenzen an den Staatsanleihenmärkten kommen nach einem geldpolitischen Experiment ohne Gleichen. Nicht nur das Anleihen-Investmenthaus Pimco warnt davor, dass die Zentralbanken die Geldmärkte längst dominieren (NZZ.at). Der jüngste Anleihencrash aber lässt sich auch mit dem Ende der Deflationsangst erklären. Denn in den vergangenen drei Monaten hat der Ölpreis ein kräftiges Plus verzeichnet und in demselben Zeitraum sind auch einige Marktschätzungen zu Inflationserwartungen gestiegen (FT, Paywall). In Deutschland etwa zeigen inflationsgeschützte Anleihen, dass sich die Inflationserwartung des Marktes auf Sicht der nächsten zehn Jahre mehr als verdoppelt hat (von 0,6 Prozent im Jänner auf über 1,2 Prozent Anfang Mai).

Bärenmarkt bei Bonds. Der Staatsanleihenmarkt hat jedenfalls mit hohen Kursverlusten in den vergangenen Tagen geantwortet. Zwar klingt ein Anstieg der Zinsen von 0,1 auf 0,5 für zehnjährige Staatsanleihen nicht nach viel. Doch das Zinsrisiko gerade einiger lang laufender Papiere war enorm, wie ein Blick auf die 30-jährige deutsche Bundesanleihe zeigt. Der Bärenmarkt ist da, und er wird gerade die treffen, die stark in lang laufende Staatsanleihen investiert hatten:

Roboter-Road-Trip. Der deutsche Daimler-Konzern schickt erstmals einen selbstfahrenden Lkw auf die Straße (FAZ). Der amerikanische Bundesstaat Nevada hat zwei Lastwagen von Daimler für den Betrieb im Straßenverkehr zugelassen. Das zeigt den zunehmenden Grad der Automatisierung an, den neue Technologien erreichen und der gerade auch in der Autobranche Einzug hält. Es mag ein kleiner Schritt für Daimler sein, den Lkw von Teststrecken auf die echte Straße zu bringen, aber gerade für Arbeitsmarkt und Produktivität der Wirtschaft könnte es ein großer Schritt sein.

Heta, Hypo, nachgefragt. Die EU-Kommission will sich den Fall Heta genauer ansehen und möchte auch mehr Informationen von Österreich zum Schuldenschnitt für die nachrangigen Gläubiger 2014 (Reuters). Was die Kommission zu sagen hat, klingt noch nicht nach der gemeinhin in Österreich vermuteten „gmahden Wiesn“ in Sachen Heta-Abwicklung.

Ein Essay über Europas „radikale Bankenunion“ (Bruegel).

Kreditgeschäft kurbelt. Die Erste Group hat im ersten Quartal den Gewinn gesteigert, obwohl der Zinsüberschuss weiter gesunken ist. In den ersten drei Monaten ist der Nettogewinn auf 225,8 Mio. € gestiegen (Q1 2014: 103,3 Mio. €). Die Bilanzsumme der Bank ist angesichts einer höheren Kreditvergabe gewachsen, dafür ist die Kernkapitalquote um 0,1 Prozentpunkt auf 10,5 Prozent gefallen.

Großbritannien wählt. Angesichts der heutigen Wahl noch zwei Empfehlungen: Dieser Podcast beschäftigt sich mit dem Risiko eines Brexit, eines Austritts Großbritanniens aus der EU (NZZ.at). Und wir haben auch eine wirkliche Wahlempfehlung (NZZ.at).

Libor Boy. Die erste Person, die im Falle von manipulierten Zinssätzen wie Libor oder Euribor vor Gericht steht (Bloomberg).

Fed warnt. Am 5-jährigen Jubiläumstag des Flash Crashes sagte US-Notenbankchefin Janet Yellen, dass die Aktienkurse „quite high“ wären (FT, Paywall).

Der griechische Staat stellt ein. Ein wenig Kontext für die Wiedereinstellung von 15.000 Beamten in Griechenland (The Money Illusion). Was wäre, wenn die US-Regierung plötzlich 450.000 Menschen anstellt?

Yanis rides again. Yanis Varoufakis baut an seiner „Blaupause für Griechenlands Aufschwung“ (Project Syndicate). Mit einer eigenen Entwicklungsbank und einer Bad Bank für die griechischen Banken soll es aufwärts gehen.