Warum Roboter nicht Geldpolitik machen sollen

von Lukas Sustala / 29.04.2015

Polen ist das erste Schwellenland, das fürs Schuldenmachen bezahlt wird. Österreich hinkt im Standortwettbewerb stärker hinterher. Und Ben Bernanke warnt vor Robotern als Zentralbankchefs. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Polen tritt dem Negativzins-Klub bei. Mit Polen hat das erste Schwellenland Staatsanleihen mit einem negativen Zins begeben (FT, Paywall). Die Anleihe wurde in Schweizer Franken begeben, läuft drei Jahre und hat eine Rendite von minus 0,213 Prozent pro Jahr.

Tu infelix Austria. Zum heimischen Wirtschaftsstandort gibt es zwei düstere Stücke, die angesichts bereits lautstarker Kritik am neuen Mittelmaß auch zuviel des Schlechten sein könnten (NZZ.at). So wird angesichts der jüngsten Ankündigungen von Entlassungen in Österreich davon ausgegangen, dass auch die Firmeninsolvenzen steigen (Ö1). In einer aktuellen Accenture-Studie zeigt sich, warum das sein könnte. Auch die Top-Unternehmen in Österreich haben 2013 heftige Umsatzeinbußen verzeichnen müssen: Die Standortschwäche schlägt sich so auf die Realwirtschaft durch (Die Presse). Es ist zu fürchten, dass angesichts des grassierenden Pessimismus auch die Zahlen zum ersten Quartal, die das Wirtschaftsforschungsinstitut morgen bekannt geben wird, wenig Linderung geben.

Reich, aber wie lange? Das Geldvermögen der Österreicher ist im Vorjahr gewachsen. Angesichts extrem niedriger Zinsen und extrem risikoscheuer Sparer scheinen die heimischen Haushalte aber eher schlecht vorbereitet zu sein, um die noch jahrelange Nullzinsphase bestmöglich zu überstehen (NZZ.at). Darauf deutet zumindest die Statistik zum Geldvermögen:

Twitter macht einen auf Ikarus. Der Nachrichtendienst Twitter hat Investoren mit seinen Zahlen zum ersten Quartal ziemlich enttäuscht (Bloomberg). Nicht nur, dass die Zahlen zum Geschäftsverlauf vorab geleakt wurden – was bei einem Kurznachrichtendienst nicht einer gewissen Ironie entbehrt –, sie waren auch noch ziemlich schlecht. Weniger Umsatz als erwartet und zusätzlich auch noch die Aussicht, dass das Unternehmen weniger schnell wachsen wird, als zunächst erwartet. Die Aktie ist nach einem Höhenflug wie Ikarus abgestürzt:

Keine Roboter in der Fed. Ben Bernanke hat über die Taylor-Regel gebloggt (Brookings). Der Ökonom John Taylor fordert seit Jahr und Tag, dass sich die US-Notenbank stärker an Regeln binden soll, um den Zinssatz zu setzen. Bernanke hält davon wenig: „I don’t think we’ll be replacing the FOMC (zinspolitisches Gremium der Fed, Anm.) with robots anytime soon. I certainly hope not.“ Der Komplexität der Geldpolitik sei mit einer einfachen Regel eben nicht beizukommen, argumentiert Bernanke.

Der doppelte Draghi. Im Fall Griechenlands werden die Probleme augenscheinlich, die sich aus der Doppelrolle der EZB als Zentralbank und oberste Bankaufsicht ergeben (Handelsblatt).

Ein Lobbying-Boom in Brüssel? Goldman Sachs hat 2014 das 14-Fache für Lobbying in Brüssel ausgegeben als noch im Jahr 2013, zwischen 700.000 und 799.999 Euro (FT, Paywall). Ähnlich starke Anstiege hat es bei anderen Banken gegeben. Strengere Regeln zwingen auch die Banken dazu, ihre Lobby-Tätigkeiten genauer offenzulegen.

QE, auf chinesisch. China will sich gegen die Wachstumsflaute stemmen und plant eine Intervention für die strauchelnden Gemeinden und Provinzen (WSJ, Paywall). Die Maßnahme wird bereits mit Quantitative Easing verglichen, also der quantitativen Lockerung, die von den angelsächsischen Notenbanken popularisiert und zuletzt auch von der EZB aufgenommen wurde. Allein, der Vergleich hinkt, argumentiert Chen Long, Analyst des Hong Konger Researchhauses Gavekal. „Contrary to what recent reports may have implied, direct asset purchases by China’s central bank are nowhere on the horizon.“ Die Zentralbank kann noch Zinsen senken, die Reservevorschriften für Banken senken oder den Anleihenmarkt technisch unterstützen.

Free Navinder. Die Financial Times bringt in ihrem Kapitalmarktblog einen starken Text gegen den Vorwurf der US-Behörden, der Händler Navinder S. sei für den Flash Crash verantwortlich. Manipulierte Märkte oder manipulierende Aufsicht?

If American regulators get their way, Navinder S. will spend the rest of his life in prison for having done what generations of traders did before him: post bids and offers that he hoped wouldn’t get filled. Meanwhile, sell-siders who deliberately misled investors about the sorts of loans getting packaged into private-label MBS face little threat of jail, nor do the traders who manipulated Libor. This is not the way to restore investor confidence in the markets.

Privatjet von Gottes Gnaden. Jesus wants me to have this Jet (Daily Beast).