Wachstumssorgen flackern auf

von Lukas Sustala / 30.04.2015

An Europas Finanzmärkten ging es am Mittwoch bergab. Das Wachstum enttäuscht, in den USA im ersten Quartal, in Österreich schon länger. Und die EZB-Geldflut freut, gerade auch außerhalb der Eurozone. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Sie können sich hier für den täglichen Walkthrough als E-Mail-Newsletter anmelden.

Aktien und Anleihen auf Achterbahnfahrt. Am Mittwoch sind die Kapitalmärkte ordentlich durchgeschüttelt worden (WSJ). Die meisten Aktienmärkte haben mit kräftigen Verlusten geschlossen. Der deutsche Leitindex Dax etwa ging mit –3,2 Prozent aus dem Handel. Der heimische Leitindex ATX mit –2,7 Prozent. Gleichzeitig sind auch die Anleihenzinsen wieder nach oben geschnalzt, wenn auch von einem sehr niedrigen Niveau aus. Bei zehnjährigen deutschen Bundesanleihen etwa ist die Rendite gestern von 0,16 auf 0,29 Prozent gestiegen.

Schwache US-Wirtschaft. Wesentlich zu der negativen Stimmung haben auch US-Konjunkturdaten beigetragen, die noch ein wenig schlechter ausgefallen sind als ohnedies erwartet. Die US-Wirtschaft ist im ersten Quartal nahezu zum Stillstand gekommen und hat nur noch ein Miniwachstum verzeichnet (NZZ.at).

Griechenland, abgezogen und herabgestuft. In Athen verschärft sich die Lage zunehmend. Die Ratingagentur Moody’s zieht ihre Schlüsse und hat ihre Bonitätseinschätzung Griechenlands weiter gesenkt. Auch die griechischen Sparer warten lieber nicht auf die Einigung mit den Geldgebern. Aktuelle Zahlen der griechischen Notenbank zeigen, dass sie auch im März Sparguthaben von den griechischen Banken abgezogen haben:

In Athen wird abgezogen
In Athen wird abgezogen

Kaum Wachstum in Österreich. Das Problem der USA scheint im österreichischen Vergleich ein denkbar kleines. Hierzulande stagnierte die Wirtschaft bereits im Vorjahr nahezu, und auch im ersten Quartal „setzte sich die Schwächephase des Jahres 2014 fort“, schreiben die Ökonomen des Wirtschaftsforschungsinstituts. In einer Grafik ausgedrückt sieht die konjunkturelle Nahezu-Nullnummer so aus:

A Sign of Life? Die heimische Wirtschaft wächst wieder, aber nur langsam
A Sign of Life? Die heimische Wirtschaft wächst wieder, aber nur langsam

Der EZB-Effekt I. Die Europäische Zentralbank freut sich über erste Auswirkungen ihrer verschiedenen Ankaufprogramme, die seit Monaten die Kapitalmärkte in Euphorie versetzt haben. Die Geldmenge M3 ist im März um 4,6 Prozent gewachsen, auch weil die Banken netto wieder Kredit an den privaten Sektor vergeben haben (EZB).

Geldmenge M3 wächst in der Eurozone
Geldmenge M3 wächst in der Eurozone

Der EZB-Effekt II. Norwegen darf danke sagen. Der größte Staatsfonds der Welt hat sein bestes Quartalsergebnis aller Zeiten eingefahren und 400 Milliarden Kronen in den ersten drei Monaten des Jahres verdient (Reuters). Das ist gerade auf die hohen Erträge bei europäischen Aktien zurückzuführen, die dank der EZB-Geldflut im ersten Quartal erzielt wurden.

Apple warnt vor Steuernachzahlung. Die EU-Kommission will in den Apfel beißen. Mehr als 2,5 Milliarden Euro könnte Apple nachzahlen für seine Steuerdeals mit Irland (FT, Paywall). Allerdings wird das für ein Unternehmen verkraftbar sein, das auf rund 200 Milliarden Dollar an Cash-Reserven sitzt.

Brasilien, auf einem anderen geldpolitischen Planeten. Für europäische Verhältnisse nahezu unvorstellbar hohe Zinsen gibt es aktuell in Brasilien. Die Zentralbank hat dort im Kampf gegen die Inflation die Leitzinsen noch einmal angehoben, auf nunmehr 13,25 Prozent (Reuters).

Venezuela macht sein Gold zu Geld. In einem komplexen Derivatedeal mit der US-Großbank Citigroup hat das ölexportierende Land einen Teil seiner Goldreserven versilbert. Gut eine Milliarde Dollar lukriert die Regierung mit dem Deal (FT, Paywall). Das Land leidet volkswirtschaftlich dramatisch unter dem Ölpreisverfall.

Noch ein Job für Ben. Der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke bloggt nicht nur und berät einen der größten Hedgefonds, Citadel. Er hat nun einen weiteren Job und arbeitet für einen der größten Anleiheninvestoren, die Fondsgesellschaft Pimco (FAZ).