Vom Glück, keine Bank gekauft zu haben

von Lukas Sustala / 02.06.2015

Karl Wlaschek, Billa-Gründer und Immobilieninvestor, ist verstorben. Tabubruch bei der Bank Austria. Und Frauen sind in der Fondsbranche, zumindest in den USA, sehr, sehr selten. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Sie können sich hier für den täglichen Walkthrough als E-Mail-Newsletter anmelden.

Großes Geld mit Billigladen. Karl Wlaschek ist am Sonntag 97-jährig verstorben. Der Billa-Gründer hat sein Vermögen im Handel gemacht, doch in den vergangenen zwei Jahrzehnten, nach dem Verkauf der Handelskette im Jahr 1996 um 1,1 Milliarden Euro, prägte er die österreichische Wirtschaftswelt vor allem als Immobilieninvestor. Sein Vermögen wurde zuletzt auf 4,2 Milliarden Dollar geschätzt (Forbes). Nachdem er sich 1996 als möglicher Käufer der Creditanstalt vom damaligen Finanzminister eine Abfuhr holte, investierte er erfolgreich in Immobilien. Wlaschek, der seine Karriere im Schlosshotel Velden als Barpianist begonnen hatte, kaufte etwa 2010 ebendieses Hotel von der Kärntner Hypo. Die Immobiliensammlung macht mittlerweile mehr als 250 Objekte aus.

Wlascheks goldene Regeln. „Sparsamkeit, Handschlagqualität, keine Aktien, keine Partner und nur Immobilien in Österreich kaufen.“ So hat Wlaschek in einem seiner letzten Interviews seine wichtigsten Grundsätze zusammengefasst (News). Seine Strategie war stets klar: Er hat in Immobilien in prominenter Lage investiert, prime property würden das angelsächsische Investoren oder Ratingagenturen nennen. In der Wiener Innenstadt gehören ihm alleine acht Palais. Sein Anlagestil hat viele Nachahmer gefunden, etwa René Benko. Doch was kann man als Sparer von ihm lernen? Viele Österreicher befolgen nur einen seiner Grundsätze: „Keine Aktien“. Dabei zeigt sich in einer einfachen Rückschau, dass man mit 1,1 Milliarden Euro nach dem Billa-Verkauf 1996 auch mit einem breit gestreuten, geradezu langweiligen Aktienportfolio viel Geld verdient hätte. Alleine in die Leitindizes Eurostoxx oder S&P 500 in Europa oder den USA zu investieren, hätte das Vermögen bei gleichzeitiger Reinvestition der Dividenden auf bis zu sieben Milliarden Euro ansteigen lassen, wären die Dividenden hingegen konsumiert worden, wären immerhin fünf Milliarden Euro mit einem Indexinvestment zu holen gewesen. Wer eine ähnlich ausgereifte Aktienstrategie analog zu Wlascheks Immobilienstrategie verfolgt hätte, hätte sicherlich auch mehr verdienen können – natürlich nur, wenn man die goldene Regel Sparsamkeit befolgt hätte.

Athen in Berlin. Griechenland hat zumindest eines erreicht: In einer ohnedies gipfelreichen Zeit macht die akute Athener Notlage auch noch einen Krisengipfel auf höchster Ebene notwendig. Mario Draghi (EZB), Christine Lagarde (IWF), Jean-Claude Juncker (EU-Kommission), Angela Merkel und François Hollande haben sich in Berlin getroffen, um einen Ausweg aus der Finanzmisere zu erarbeiten (NZZ.at).

Zinsloses Konto. Die Bank Austria hat einen Tabubruch begangen: Die Habenzinsen auf neuen Konten werden „aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds in Zukunft null Prozent“ ausmachen (Bank Austria). Das ist zwar nur marginal weniger als die 0,125 Prozent, die so manche Konkurrenzbank bei den Konten anbietet, aber der symbolische Schritt zeigt, wie sehr die aktuelle monetäre Großwetterlage in Europa und der Wettbewerb in Österreichs Bankenlandschaft den Druck auf die Geldhäuser erhöht hat (NZZ.at).

Mehr Kapital nötig. Österreichs Großbanken müssen künftig wohl deutlich stärker mit Eigenkapital finanziert sein. Das ist die Empfehlung von Regulatoren, Finanzministerium und Schuldenwächtern, die den großen Geldhäusern drei Prozentpunkte mehr Eigenkapital vorschreiben (Reuters). Damit sollen die Banken krisenfester werden, insbesondere für das riskantere Osteuropageschäft.

Schulden sind ein Schlüsselrisiko in den Schwellenländern (Bruegel).

Frauen sind in der US-Fondsbranche höchst selten, bloß zwei Prozent des Vermögens werden von Frauen verwaltet (Morningstar).

Die staatlichen Kräfte hinter dem chinesischen Aktienboom (qz).

Wenn Keynesianer keynesianischer als Keynes sind (Niall Ferguson, Project Syndicate).

Der Optimismus der Investoren gegenüber Europa ist angebracht, argumentiert die Anlagestrategin Stephanie Flanders von JP Morgan Asset Management (FT.com, Paywall).