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Der schöne Schein

Warum die Abschaffung des 500-Euro-Scheines die Geldwäsche beflügeln könnte

von Moritz Moser / 16.02.2016

Der 500-Euro-Schein dürfte bald Geschichte sein. Sein Scheiden wird aber kaum helfen, die Geldwäsche zu reduzieren – im Gegenteil.

In Teilen Europas nennt man die Banknote zu 500 Euro auch „Osama bin Laden“, da ihn jeder kennt, er aber nur schwer zu finden ist. Dass der namensgebende Terrorpate angeblich selbst einige der violetten Scheine in seiner Kleidung eingenäht hatte, als ihn ein Einsatzkommando der Navy Seals füsilierte, dürfte aber ebensowenig schuld am wahrscheinlich baldigen Ende des Fünfhunderters sein, wie die Tatsache, dass er kaum in ein Standardportemonnaie passt.

Der größte aller Euroscheine soll verschwinden, weil er angeblich der Geldwäsche dient.

Kein König der Banknoten

Zahl der 50- und 500-Euro-Scheine, die sich im Umlauf befinden.
Credits: EZB

Der vom Österreicher Robert Kalina entworfene Geldschein schließt eigentlich das systematisch aufgebaute 1-2-5-System des Euro ab, das mit der 1-Cent-Münze beginnt. Die 500-Euro-Banknote ist 16 Zentimeter breit und, wie die Scheine zu 100 und 200 Euro 8,2 Zentimeter hoch. Das Baumwollpapier, aus dem er besteht, wiegt 1,1 Gramm.

Der Druck eines Geldscheines kostet etwa 16 Cent. Im Dezember 2015 waren 613.559.542 Stück weltweit im Umlauf, ein Bruchteil der insgesamt zirkulierenden knapp 19 Milliarden Banknoten im Gesamtwert von über einer Billionen Euro.

Wert der im Umlauf befindlichen 50-, 100-, 200-, und 500-Euroscheine
Credits: EZB

Auch als Wertträger wurde der 500-Euro-Schein vom 50er überholt, dessen Umlaufzahl sich seit der Euroeinführung fast versechsfacht hat. Im Dezember 2015 waren Fünfziger im Gesamtwert von fast 420 Milliarden Euro im Umlauf, die Fünfhunderter kamen auf einen Wert von knapp 307 Milliarden.

Vor der Währungsunion waren die Banknoten über 1.000 Deutsche Mark und 500 lettische Lats mehr wert und selbst international ist der 500-Euro-Schein kein Rekordhalter. Singapur gab erst 2014 bekannt, seinen 10.000-Dollar-Schein nicht weiter auszugeben. Die Banknote mit einem Wert von etwa 6.400 Euro wurde auf Druck des Nachbarlandes Indonesien eingezogen. Sie hatte dort als bevorzugtes Bestechungsmittel gedient.

Der Geldschein mit dem weltweit höchsten Wert ist nun die 1.000-Franken-Note. Der Schweizer Geldschein ist beinahe doppelt so viel wert, wie sein violetter Kollege aus dem Euroraum.

Der Schein, dem die Gauner vertrauen

Dennoch deutet einiges darauf hin, dass 500-Euro-Scheine bevorzugt von Kriminellen genutzt werden. Schon 2006 stellte die New York Times fest, dass etwa ein Viertel der Fünfhunderter in Spanien im Umlauf waren, was auf die dort grassierende Schattenwirtschaft zurückgeführt wurde. Bestrebungen, den Schein abzuschaffen, traten die Behörden damals entgegen: Die Banknote diene der Rückverfolgung von Geldwäschedelikten.

We estimate that more than 90% of the 500 euro notes that are provided in the UK have actually gone into the hands of serious organised criminals.

Großbritannien stellte den Wechsel mit 500-Euro-Scheinen jedoch mit der Begründung ein, dass 90 Prozent davon in die organisierte Kriminalität flössen. Ähnlich argumentieren Befürworter der Abschaffung, die nun in greifbare Nähe gerückt scheint. Allerdings könnte das Einziehen der 500er-Note die Geldwäsche zumindest kurzfristig anheizen.

Schwarzgeld, das derzeit in 500-Euro-Scheinen gehortet wird, müsste in den legalen Markt zurückfließen, bevor die Noten entwertet werden oder gewisse Summen nur noch gegen Ausweisvorlage bei den Notenbanken umgetauscht werden können. Der Legalisierungsdruck würde vermehrt die Geldwäsche über fingierte Umsätze von Tarnfirmen notwendig machen, wenn nicht rechtzeitig ein Umtausch der Banknoten organisiert werden kann. Das dürfte vor allem aufgrund der Geldwäschevorschriften der europäischen Banken schwierig werden. Die kolportierte Liquidierung des hochwertigsten Euroscheines hat vor allem zwei Positivfolgen:

  • Der Einmaleffekt der Schwarzgeldlegalisierung macht das Aufspüren von Tarnfirmen wahrscheinlicher. Ansonsten profitieren die Eurostaaten vom Rückfluss illegall ausgeführten Bargeldes in den Euroraum und zumindest über die Steuer von der zunehmenden Geldwäsche durch fingierte Umsätze.
  • Der Transport großer BargeldmengenEinreisende, die mehr als 10.000 Euro in das Bundesgebiet einführen, müssen dieses anmelden. wird schwieriger, was vor allem die Arbeit der Finanzpolizei bei Grenzkontrollen erleichtert. Eine Millionen Euro wiegt in 200-Euro-Scheinen immerhin fünfeinhalb Kilogramm, während man sie in Fünfhundertern für weniger als die Hälfte des Gewichts transportieren kann.
Die neue Franken-Serie der Schweizerischen Nationalbank
Credits: Keystone

Dass das Ende des 500-Euro-Scheins ein Auftakt für die Abschaffung des Bargeldes überhaupt ist, darf allerdings bezweifelt werden. Eine solche Maßnahme hätte wenig Sinn, wenn sie nicht gleichzeitig in den größten Währungszonen vollzogen würde. Ansonsten könnte die europäische Kriminalität auf den Dollar, das Pfund oder den Franken als Schwarzgeldwährung ausweichen.

Der Tod des Bargelds zeichnet sich international nicht ab. Selbst Schweden, eine Hochburg der Bargeldkritiker, hat 2015 neue Geldscheine und Münzen herausgebracht. Die Schweizerische Nationalbank startet heuer mit der Ausgabe einer neuen Banknotenserie. Der 1.000-Franken-Schein ist wieder mit dabei.