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Warum Draghis Geldflut Österreich eher schadet als nützt

von Lukas Sustala / 11.03.2016

EZB-Präsident Mario Draghi hat tief in die geldpolitische Werkzeugkiste gegriffen, um die Wirtschaft in der Euro-Zone anzukurbeln. Doch was bringt das? Wie wirkt die europäische Geldpolitik für Österreichs Unternehmen? Und wie trifft sie die heimischen Sparer?

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag ein Bündel von Maßnahmen beschlossen: Tiefere Zinsen, mehr Anleihenkäufe, der Ankauf von Unternehmensanleihen und vier Jahre laufende Milliardenkredite der EZB an die Geschäftsbanken. Ein Ziel haben die Maßnahmen: Endlich, endlich soll die Kreditvergabe angekurbelt werden.

Das klingt nach einem löblichen Ziel. Das Geld soll nicht mehr bloß auf den Finanzmärkten zirkulieren und dabei die Preise von Wertpapieren nach oben treiben, sondern in der Realwirtschaft ankommen.

In Österreich aber bleibt das nach wie vor recht unwahrscheinlich: Die Banken müssen immer mehr, immer strengere Vorgaben bei der Kreditvergabe berücksichtigen, gleichzeitig fehlt in Österreich angesichts der Standortsorgen und des Reformstillstands auch das Vertrauen in die Zukunft: die Grundvoraussetzung für mehr Investitionen ist. Und so dürfte sich ein Trend in Österreich fortsetzen: Der Zinssatz für die Unternehmenskredite wird weiter zurückgehen – das Kreditvolumen aber stagnieren.

Hierzulande sind Unternehmensfinanzierungen über den Kapitalmarkt weiter deutlich weniger relevant als im angelsächsischen Raum – und so wird die EZB vielleicht dem Kapitalmarkt Flügel verleihen, aber die österreichischen Unternehmen werden wohl nicht abheben. Unternehmen hängen an den Banken – und das wird noch länger so bleiben.

Das einzige, was in Österreich merklich angekurbelt wird, ist die Vergabe von Immobilienkrediten. Es ist nicht gerade volkswirtschaftliche Raketenwissenschaft, wenn man hier skeptisch ist. Der Kauf von Immobilien und Wohnbau auf Pump mag vieles bewirken, aber erzeugt langfristig kaum ein Wachstumsszenario. Damit Kredit auch langfristig etwas bringt, muss er in neue Produkte, Innovation und Fortschritt gehen – nicht in Ziegel und Zement.

Sparer getroffen

Kommen wir von der Kredit- auf die Sparseite und dann ist noch augenscheinlicher, dass Österreich bei der Geldflut etwas durch die Finger schaut. Aktien und andere „reale“ Vermögenswerte, die von der EZB-induzierten Inflation profitieren, werden eher von Vermögenden gehalten (was die Ungleichheit beflügeln wird). Der Sparer bleibt hierzulande ein scheues Reh, dem Sicherheit über alles geht. Das Steuer- und Pensionsrecht wiederum bietet kaum Anreize zur privaten Vorsorge. So bleibt ausgerechnet das Sparbuch, das von der EZB auf Jahre hinaus entwertet wird, die wichtigste Anlage des österreichischen Sparvolkes.

Unternehmen werden wiederum regulatorisch dazu gebracht, auch sichere Anlagen zu halten. Sieht man sich an, wie viel Geld Private und Unternehmen 2015 auf der hohen Kante hatten, wie niedrig die Zinsen und wie hoch die Inflation 2015 war, kommt man alleine im Vorjahr auf eine Enteignung des Sparguthabens um 1,56 Milliarden Euro.

Die EZB mag ihre Gründe haben, die Geldpolitik so drastisch zu lockern. In Österreich profitiert vor allem einer: Der Staat. Finanzminister Hans Jörg Schelling kann sich bis 2020 über deutlich geringere Zinskosten freuen. Er sollte sie schnell unters Volk bringen – denn Unternehmen und Sparer haben denkbar wenig von Draghis Donnerschlag.


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