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Randnotiz

Warum freuen Sie sich über einen „Exportrekord“, Herr Leitl?

von Lukas Sustala / 10.03.2016

Die Statistik Austria hat heute die vorläufigen Daten für den Außenhandel 2015 präsentiert. Die Exporte sind demnach um 2,7 Prozent auf 131,55 Milliarden Euro gestiegen. Das ist ohne Frage ein gutes Ergebnis. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl rückte per OTS-Aussendung aus, um zu frohlocken:

„Exporte und exportierende Unternehmen brechen wieder Rekorde.“ Und weiter: „Die hervorragende Außenhandelsbilanz in derzeit global sehr schwierigen Zeiten kam auch durch die erfolgreichen Unterstützungsmaßnahmen für Österreichs Unternehmen im Rahmen der Internationalisierungsoffensive „go-international“ des Wirtschaftsministeriums und der WKÖ zustande.“

Wie kann es aber sein, dass am selben Tag die Europäische Kommission beklagt, dass die österreichischen Exporte aktuell eine „strukturelle Schwäche“ darstellen? Irrt sich Leitl? Oder weiß die EU-Kommission nicht, wovon sie da spricht?

Absoluter Unsinn

Die 131,55 Milliarden Euro Exporte 2015 sind nur für sich genommen eine denkbar irrelevante Kennzahl. Es verhält sich dabei so ähnlich wie mit den Einnahmen des jüngsten Star-Wars-Films. Sie mögen beeindruckend gewesen sein, aber wenn man die Inflation berücksichtigt und was früher der „durchschnittliche“ Film eingenommen hat, dann sehen sie etwas weniger gigantomanisch aus.

Ähnlich ist es mit den Exporten: Das Exportvolumen – ohne Berücksichtigung von Inflation oder Wirtschaftsentwicklung – sagt so gut wie nichts aus. Leitl und auch Wirtschaftsminister Mitterlehner sitzen der „Geldillusion“ auf, wenn sie Rekorde loben oder schreiben: „‚Made in Austria‘ ist begehrter denn je.

Zumal man beim Export ja auf einem globalen Markt agiert. Und die globalen Exporte sind 2015 – nach Zahlen der WTO – immerhin um 2,6 Prozent gewachsen. So gemessen ist Österreich ein klein bisschen überdurchschnittlich gewachsen. Gut, aber ein Rekord? Der Vergleich mit Deutschland zeigt langfristig, dass Exportnationen bei fortschreitender Globalisierung ihre Volumina natürlich massiv steigern. Österreichs Exporte sind in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt um sechs Prozent pro Jahr gewachsen.

Das relativiert die 2,7 Prozent aus 2015 natürlich schon einmal gewaltig. Dazu kommt noch, dass die deutschen Exporte aktuell deutlich stärker wachsen als die österreichischen. Und bei volkswirtschaftlichen Betrachtungen geht es am Ende immer auch um Wachstum, nicht um die absoluten Größen.

Auch Deutschland feiert die „Exportrekorde“, aber dort sind die Exportzahlen nicht nur absolut gesehen beachtlich, sondern zuletzt auch relativ beeindruckend.

Marktanteile alles andere als rekordverdächtig

Und so haben alle Beteiligten Recht. Ja, die Exporte sind nominal gesehen so hoch wie noch nie. Aber das sagt nichts über die Rekord-Performance der Exportindustrie. Denn die Marktanteile am globalen Exportmarkt schrumpften in Österreich in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker als in der Eurozone oder Deutschland.

Keine Frage: Die Exportindustrie ist eine tragende Säule der österreichischen Wirtschaft. Aber es hilt nicht, mit Jubelmeldungen die tatsächliche Lage zu verschleiern. Leitl selbst, der einerseits vom „abgesandelten Wirtschaftsstandort“ spricht und andererseits vom „Exportrekord“, hilft niemandem, wenn er etwas einen Rekord nennt, was bei genauem Hinsehen keiner ist. Österreich hat eine starke Position auf dem Weltmarkt, verfügt über Nischenweltmeister und großartige Unternehmen, die trotz des schwieriger gewordenen Umfeldes eine wesentliche Stütze der Wirtschaft sind. Sie verdienen es sich aber nicht, dass man Daten über sie verzerrt darstellt, wenn die Lage gerade nicht so positiv ist.