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Fast Food Boom

Warum Russen trotz Sanktionen McDonald’s lieben

von Benjamin Triebe / 27.01.2016

Entgegen politischen Widrigkeiten setzt McDonald’s in Russland auf Expansion. Der US-Burgerbrater ist hier ohnehin erfolgreich – und ausgerechnet die Wirtschaftskrise könnte noch mehr helfen.

Zwischen Russland und den Vereinigten Staaten mag politische Eiszeit herrschen, aber einem Ursymbol des American Way of Life geht es im ehemals sowjetischen Reich prächtig. Die Fast-Food-Kette McDonald’s hat in dieser Woche ihr Expansionsprogramm vorgestellt und verspricht, in diesem Jahr über 60 neue Filialen in Russland aufzumachen. 2015 waren es 59 Neueröffnungen, mehr als ursprünglich geplant.

Ob alle Kunden die markante Werbemelodie mit dem Slogan „I’m lovin’ it“ kennen und verstehen, ist nebensächlich – ihre zahlreichen Besuche sprechen für sich. Die Russen lieben McDonald’s. Die mittlerweile berühmte erste Filiale am Moskauer Puschkinplatz empfing am Eröffnungstag, dem 31. Januar 1990, rund 30.000 Gäste, so viele wie bis dahin keine Dépendance des Burgerbraters. Auch den Rekord für die meisten Kunden innerhalb eines Jahres hat diese Filiale einmal gebrochen (2,8 Millionen).

Sparen beim Essen

Die Hingabe der Behörden ist weniger stark ausgeprägt. Auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise im Jahr 2014 und der Spannungen mit Washington ließ das oberste Gesundheitsamt zeitweise 10 der inzwischen 543 Niederlassungen schließen, vermutlich aus politischen Motiven. Doch das hat McDonald’s nicht verschreckt; 2016 will man mit 9 Milliarden Rubel (105 Million Euro) sogar über ein Zehntel mehr für die Expansion ausgeben als vergangenes Jahr.

Dabei herrscht in Russland Rezession, die Währung ist schwach und die Teuerung hoch. Doch eben weil die Reallöhne schnell sinken, müssen viele Russen beim Essen sparen – das macht Fast Food attraktiv. Der Marktanteil von McDonald’s ist gewachsen, denn die gestiegenen Preise für Zutaten wurden nicht komplett überwälzt. Umgerechnet kostet ein Big Mac in Russland nur ein Viertel des Schweizer Preises. Die Profitabilität ist laut McDonald’s zwar geschrumpft, aber noch ausreichend. Um sich von steigenden Importpreisen abzukoppeln, sollen mehr Zutaten aus russischer Produktion bezogen werden; derzeit sind es erst 85 Prozent. Vorbildlich, könnte man im Kreml sagen. Einen Verdienstorden wird McDonald’s wohl aber dennoch nicht erhalten.