APA-FOTO: ROBERT JAEGER

Walkthrough

Warum Wien überholt wurde und negative Zinsen wenig helfen

von Lukas Sustala / 10.08.2016

Warum osteuropäische Hauptstädte Wien abhängen. Warum die OMV einen Verlust einfährt, aber ihre operativen Ziele erreicht. Und warum negative Zinsen nicht wirklich wirken. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Sie können sich hier für den Walkthrough als E-Mail-Newsletter anmelden. Er erscheint montags, mittwochs und freitags.

Im Osten viel Neues. Die Ökonomin Dalia Marin hat eine interessante These zur wirtschaftlichen Entwicklung aufgestellt (Bruegel). Die osteuropäischen Nachbarn Österreichs hätten deshalb so schnell wirtschaftlich aufholen können, weil die österreichischen Unternehmen bei ihrem Outsourcing nicht nur auf billige Arbeitskraft und niedrige Wertschöpfung gesetzt haben (NZZ.at). Stattdessen wurden Akademiker gesucht, hohe Wertschöpfung betrieben und auch viel Gewinn gemacht. Die Konsequenz: Beim kaufkraftbereinigten BIP pro Kopf ist Wien hinter die „Outsourcing“-Hauptstädte Warschau, Bratislava und Prag gefallen.

Der ORF und die Mehrheiten. Alexander Wrabetz muss jetzt beweisen, dass er auch andere Stärken besitzt. Nachdem er gestern zum dritten Mal als Generaldirektor des ORF gewählt worden war, sagte er: „Wenn ich etwas kann, dann ist es Mehrheiten finden.“ Das mag eine wichtige Eigenschaft sein, um in das Amt zu kommen. Aber es reicht noch nicht, um den ORF zum Besseren ändern zu können. Und tatsächlich sind die Herausforderungen enorm. Der Medienkonsum wird immer fragmentierter, und gerade der Fernsehkanal ORF 1 und der Radiosender Ö3 kämpfen mit neuen Konkurrenten wie Netflix, Amazon und Spotify um Hörer und Seher (NZZ.at). Klar ist: Der ORF bleibt im Griff der Parteipolitik (NZZ.at). Selbst wenn die beiden „Großparteien“ SPÖ und ÖVP unter Druck stehen (NZZ.at).

OMV: Abschreibung sorgt für Verlust. Nach einer am Dienstagabend bekannt gegebenen Wertberichtigung in Höhe von 530 Mio. Euro für den OMV-Anteil am Öl- und Gasprojekt Rosebank weist das österreichische Öl- und Gasunternehmen für das erste Halbjahr 2016 einen Periodenverlust von 73 Mio. Euro aus – nach einem Überschuss von 372 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Erfolge konnte CEO Rainer Seele bei einigen Kernfragen für das Management vermelden: Die Kosten wurden gesenkt, der Cashflow erhöht, wie er es auch beim NZZ.at-Clubabend betont hat.

Klar ist aber, dass der heimische Öl- und Gaskonzern auch darauf angewiesen bleibt, dass sich der Ölmarkt stabilisiert. Zuletzt sind die Preise für das „schwarze Gold“ wieder gefallen.

Wirken die negativen Zinsen? Ein Blick auf ganz zentrale wirtschaftliche Daten suggeriert: Nein. Die Menschen sparen sogar mehr, gerade auch in jenen Volkswirtschaften, in denen die Zentralbanken versuchen, mit Negativzinsen die Wirtschaft anzukurbeln. Ökonomen bezeichnen die jüngsten Maßnahmen daher als kontraproduktiv (NZZ.at).

In Großbritannien zeigen sich übrigens erste echte Grenzen der extrem lockeren Geldpolitik. Der Bank of England gehen die Anleihen aus, die sie ankaufen will, um die Wirtschaft anzukurbeln (FT). Auch bei der EZB wird angesichts der extrem hohen Anleihenkurse befürchtet, dass die Zentralbank ihr Versprechen der geldpolitischen Expansion nicht mehr wahr machen kann, da sie sich selbst gewisse Grenzen gesetzt hat, welche Anleihen sie kauft.

Geldanlage: Was ist schon sicher? Das Geld unter dem Kopfpolster, Sparbücher, Immobilien. Die Österreicher halten Sparformen für sicher, die allerlei Gefahren mit sich bringen. Die „Sicherheit“ von Sparbüchern etwa ist zweifelhaft, wenn man sich ansieht, welche extrem niedrigen, oft negativen Realzinsen diese Anlageform geliefert hat (NZZ.at).

Wie gefährlich werden die Roboter? Arbeitsmarkt, Mindestsicherung, Maschinensteuer. Die sozialpolitisch heißen Eisen haben viel miteinander zu tun, und am Ende geht es auch oft um die sich rasant verändernde Arbeitswelt. Leopold Stefan hat sich angesehen, warum manche Studien zu extrem pessimistischen, andere zu optimistischeren Ergebnissen führen, wenn es darum geht, ob Roboter uns die Jobs wegnehmen (NZZ.at). Auch die Frage, wieso denn Österreich stärker als andere Wirtschaftsstandorte getroffen werden könnte, wird beantwortet.

Inspirationen – Food for thought

Im Zweifel für die Steuersenkung: Warum die Gründe gegen eine Abschaffung der kalten Progression fadenscheinig sind (NZZ.at).

Aus Nokias Niedergang lernen (Zeit.de).

Risikofreie Rendite? Renditefreies Risiko!

Der Streit um die österreichische Post in der Türkei ist verbal eskaliert (OTS).