Was der Big Mac über Geldpolitik verrät

von Lukas Sustala / 21.01.2015

Ein Spaziergang durch die Zürcher Innenstadt offenbart dieser Tage für einen Europäer einen geldpolitisch verschärften Preisschub. Die Euro-Schwäche könnte dabei durch die EZB noch beschleunigt werden.

Starbucks ist ja immer teuer. Aber dieser Tage, kurz nach einem geldpolitischen Schock in der Schweiz, kann einem EU-Bürger in Zürich mit dem Außenwert des Euros schon mal die Kinnlade herunterfallen. 6,9 Franken kostet ein mittlerer Cappucino der US-Kaffeehauskette direkt am Bahnhofquai. Das sind nach der jüngsten Frankenaufwertung fast ebenso viele Euro.

Der Schock über das teure Heißgetränk war mir offenbar anzusehen. „Ja, der Euro-Kurs ist aktuell ein Wahnsinn“, gibt sich Monique, die rothaarige Starbucks-Barista, mitleidig. Aber ich könne wenigstens im ersten Stock die gute Aussicht genießen.

Wie sich der Preisschock messen lässt

Wer wissen will, welche Wirkung Geldpolitik entfalten kann, muss dieser Tage nach Zürich reisen. Dort wähnt sich der durchschnittliche Österreicher, domestiziert durch Preise und Mieten von rund 12 bis 15 Euro pro Quadratmeter in Wien, in einer von großer Inflation erfassten Welt.

Der Euro in der Schweiz: Wenig wert
Der Euro in der Schweiz: Wenig wert
Das aktuelle Special Offer auf Schweizerisch heißt: 16 Prozent teurer.

Wer Preise in verschiedenen Währungen und Ländern vergleichen will, muss Gleiches mit Gleichem vergleichen. Der Big Mac von McDonalds hat sich dabei als internationales Maß für die Kaufkraft durchgesetzt. Popularisiert durch den britischen Economist gibt der Big-Mac-Index an, wie viel man landein, landaus für den Burger zu zahlen hat. Der Big-Mac eignet sich dabei besonders gut für internationale Vergleiche, denn die Systemgastronomie erreicht bei Geschmack und Zutaten ein hohes Maß der Standardisierung.

Die beiden Rindfleischlaberl wiegen überall je 45 Gramm, die „Special Sauce“ ist auch überall die gleiche. Das ist eine spannende Eigenschaft für ökonomische Analysen. Weil die Zutaten in Zürich, Wien, Berlin, New York oder Hongkong in hohem Maße vergleichbar sind, sollten Preisunterschiede für derart homogene Güter zu einem Gros von der Über- oder Unterbewertung einer Währung zeugen.

In der Schweiz kostet der Big Mac aktuell 6,5 Franken, das entspricht nach den aktuellen Wechselkursen 6,5 Euro oder 7,5 Dollar. Tatsächlich kostet der Burger außerhalb der Schweiz deutlich weniger. In Österreich sind es 3,7 Euro, in den USA kostete ein Big Mac laut der jüngsten Erhebung des Economist 4,8 Dollar. Das entspricht einer Überbewertung von 50 bis 70 Prozent. Gemessen am Big-Mac-Index ist der Franken damit wohl zur teuersten Währung der Welt aufgestiegen, das Niveau der Überbewertung liegt ähnlich hoch wie im ölreichen Norwegen. Die Preise für einen Big Mac in Wien und Zürich lassen vermuten, dass die Schweizer „Special Sauce“ bei McDonalds mit Blattgold versetzt wird.

Auch in der Welt des Kaffees ist die Diskrepanz enorm: Ein mittlerer Cappucino bei der Kette Starbucks kostet in Zürich 6,9 Franken, in Wien hingegen 4,2 Euro.

Apples mit Apples vergleichen

Gegenüber dem Hauptbahnhof in Zürich, wenn man in Richtung Altstadt spaziert, kommt man auch an einem Geschäft mit dem berühmten Apfel vorbei, an einem der vielen Reseller, die die teuren Elektronikprodukte weltweit an den Endkunden bringen. Auch Apple bietet Produkte an, die eigentlich landein, landaus dasselbe kosten sollten, lediglich die Steuer sollte einen Unterschied machen. Und doch, das iPhone 6 in der Ausführung mit 128 Gigabyte kostet in der Schweiz 999 Franken. Das sind auch gut 100 Euro mehr, als dasselbe Produkt in Österreich kostet. Aber Apple ist bekannt dafür, mit seinen Preisen sehr rasch auf Währungsentwicklungen zu reagieren.

Angst um die Industrie?

Der hohe Frankenkurs ist aber nicht gleich ein Todesurteil für die Schweizer Industrie, wie man seit einigen Tagen hören kann. In reichen Ländern fließen auch die höheren Lohnkosten in die Preise für standardisierte Güter wie eben Big Macs ein. Daher ist die für ausländische Touristen und Pendler augenscheinliche Überbewertung des Franken zu einem Teil auch ökonomisch gerechtfertigt, durch das höhere Wohlstandsniveau in der Schweiz. Im Außenhandel muss dieses hohe Niveau aber auch mit einer besonders hohen Produktivität einhergehen, damit der teure Franken nicht zu Verlusten von Marktanteilen für Unternehmen führt, die ihre Kostenbasis in der Schweiz haben. Es liegt daher an der Schweizer Wirtschaft zu zeigen, dass sie wettbewerbsfähiger ist, als der Big Mac aktuell sagt.

Es geht noch weniger

Mehr noch, kurzfristig werden die Wettbewerbsfähigkeit und der Frankenkurs wenig miteinander zu tun haben. Denn die Zentralbanken treiben derzeit mehr als die Realwirtschaft die Wechselkurse. Die Europäische Zentralbank könnte morgen, wie mehrfach berichtet, mit einem Ankaufprogramm für Staatsanleihen beginnen. Das entspricht einem Programm zur Euro-Schwächung, weil die Geldmenge in Europa stärker ausgeweitet wird als anderswo.

Wer in die Schweiz reist, muss sich also auf weitere Preisschocks einstellen. Zumindest auf diese Art wirkt Geldpolitik für jeden sichtbar.