AP Photo/Keith Srakocic

Walkthrough

Was der billige Euro-Big-Mac verrät – und warum Apple bald nur noch Zweiter ist

von Lukas Sustala / 08.01.2016

Was ein Burger über die Aussichten für Europas Wirtschaft verrät. Vorbild Österreich? Chinas Märkte stabilisieren sich. Apple könnte bald nicht mehr das größte börsenotierte Unternehmen der Welt sein. Und die Frage, was Flüchtlinge der österreichischen Wirtschaft bringen, lässt sich so schnell gar nicht beantworten. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Eine schwache Währung macht noch kein reiches Europa. 2015 ist der Euro auf Talfahrt gegangen und hat gegen viele Währungen abgewertet. Das lässt sich auch am Big-Mac-Index der britischen Wochenzeitschrift The Economist ablesen (NZZ.at). War der Euro 2014 noch „fair“ gegen den Dollar bewertet, ein weitgehend standardisierter Big-Mac-Burger der Kette McDonalds kostete hüben wie drüben ungefähr dasselbe, ist die europäische Gemeinschaftswährung nun knapp zwanzig Prozent unterbewertet. Europas Zentralbanker hoffen durch den schwachen Euro auf einen Konjunkturturbo: Exporte aus dem Euro-Raum werden gegenüber den USA attraktiver, gleichzeitig erhöht die schwache Währung die Importinflation. Doch Abwertungen sind längst kein Garant mehr für Exportbooms, warnt der Economist mit Verweis auf Untersuchungen des Internationalen Währungsfonds (The Economist, Paywall). Nicht zuletzt immer komplexere Handelsverflechtungen sorgen dafür, dass eine schwache Währung nicht ausreicht, um wettbewerbsfähiger zu werden (NZZ.at). Vielmehr zählen Know-how und Technologie.

Die Euro-Zone nimmt langsam Abschied vom Vorbild Österreich. Die Arbeitsmarktdaten zeigen es: Österreich ist längst nicht mehr die „Insel der Seligen“. Zwar ist die Arbeitslosigkeit absolut gesehen niedriger als in anderen EU-Ländern, aber Österreich befindet sich – nur begleitet von Finnland – auf der Gegenfahrbahn des europäischen Konjunkturaufschwungs (NZZ.at). Nur in zwei Ländern ist die Arbeitslosigkeit zuletzt gestiegen.

Das Chaos in China hat sich am Freitag zumindest vorläufig gelegt. Der Leitindex konnte einen Tag lang ununterbrochen handeln, nachdem die automatischen Handelsunterbrechungen nach nur drei Tagen wieder abgeschafft wurden (NZZ.at). Das Chaos hat personelle Konsequenzen, der Chef der Börsenaufsicht CSRC, Xiao Gang, soll seinen Rücktritt eingereicht haben (NZZ). Am Freitag ging es immerhin ein bisschen bergauf.

Chinas Leitaktienindex CSI 300
Chinas Leitaktienindex CSI 300
Indexstand in Punkten.
Credits: Factset

Milliardär in China. Als gäbe es in der Wirtschaftsberichterstattung zu Chinas Börsencrash nicht genug Unruhe, sorgt erneut das Verschwinden eines Milliardärs für Schlagzeilen. Der Chef der Modefirma Metersbonwe, Zhou Chengjian, Nummer 62 auf der Liste der reichsten Chinesen, sei nicht erreichbar, teilte seine Firma am Freitag der Börsenaufsicht mit. Der Handel mit Aktien von Metersbonwe sei „im Interesse der Anleger“ ausgesetzt. Zusammenfassend lässt sich nach einer turbulenten Woche wohl feststellen, dass die Glaubwürdigkeit in das „Management“ der Wirtschaft durch Chinas Behörden arg strapaziert wurde.

„Nur“ noch 23 Milliarden Franken Verlust. Es hätte für die Schweizerische Nationalbank (SNB) schlimmer kommen können (NZZ). Zum Ende des ersten Halbjahres 2015 hatte die SNB noch einen Verlust von 50,1 Milliarden Franken ausweisen müssen, der vor allem auf Wertverluste auf ihren hohen Fremdwährungsanlagen durch den erstarkten Franken zurückzuführen war. Wie die SNB nun in ersten Angaben zum Jahresergebnis mitteilt, hat sich der SNB-Verlust knapp ein Jahr nach Aufhebung des Mindestkurses des Frankens gegenüber dem Euro auf insgesamt noch rund 23 Milliarden Franken reduziert (SNB). Dafür war auch der starke US-Dollar verantwortlich.

Der Ölmarkt, völlig neu geordnet. Die Welt könnte bald einen neuen weltgrößten, börsenotierten Konzern bekommen. Saudi-Arabien überlegt die Notierung des Ölkonzerns Aramco (The Economist). Wie viel der Gigant allerdings wert sein könnte, darüber scheiden sich die Geister. Bewertet man Aramco wie andere Ölgiganten an den Reserven oder der Tagesproduktion, könnte das Unternehmen 2,5 Billionen Dollar an der Börse wert sein (Bloomberg). Derzeit ist Apple mit 600 Milliarden Dollar das weltweit teuerste Unternehmen. Doch bei staatlichen Ölkonzernen ist das mit der Bewertung so eine Sache. Die Minderheitsbeteiligungen, die internationale Investoren halten, bewerten die Unternehmen oft deutlich geringer als vergleichbare westliche Ölgiganten wie Chevron oder Exxon – vor allem wegen des politischen Risikos.

Inspirationen – Food for Thought

Die ökonomischen Theoretiker wie Adam Smith oder John Maynard Keynes dominieren die mediale Debatte nach wie vor, doch die ökonomische Forschung wird längst von empirischen Arbeiten überflutet (Bloomberg View).

Was Flüchtlinge der österreichischen Wirtschaft bringen (Der Standard). Diese Frage lässt sich für Ökonomen kurzfristig sehr einfach – mit „Milchmädchenrechnungen“ – beantworten. Doch wie es langfristig mit der Bilanz aussieht, ist eine ganz andere Frage (NZZ.at).

„Warum es Zeit für eine neue Partei ist, die nichts verspricht – außer, niemanden zu drangsalieren.“ (Wiener Zeitung, Christian Ortner)

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