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Randnotiz

Was der Snapchat-Filter über den Zustand europäischer Banken verrät

von Lukas Sustala / 01.08.2016

Was hat Europas Bankenstresstest gezeigt? Glaubt man offiziellen Stellen, unbestreitbar Positives: Europas Geldhäuser stehen stabiler da, als das seit Ausbruch der Finanzkrise der Fall war. Die Eigenkapitalpolster sind prall gefüllt, und die meisten haben daher gar kein Problem, auch eine schwere Krise zu überstehen.

Benutzen wir jedoch einen „Filter“ für diese Informationen, wie man das aktuell doch ganz gerne tut, sieht die Sache gänzlich anders aus.

Aktuell eignet sich dafür besonders gut der „Snapchat-Filter“, den auch Luke Lametta auf Facebook über die Deutsche Bank gelegt hat. Es handelt sich dabei immerhin um Deutschlands wohl wichtigstes privates Geldhaus und einen zentralen Player im globalen Investmentbanking. Aber der jungen Foto-App und sozialen Netzwerk kann nichts das Wasser reichen.

Snapchat hat einen Unternehmenswert von 20 Milliarden Dollar, bei 600 Mitarbeitern und 50 Millionen Dollar Umsatz. Die Deutsche Bank, gegründet vor 146 Jahren, kommt auf nur noch 16 Milliarden Euro Börsenwert bei 101.104 Mitarbeitern und 33,5 Milliarden Euro Nettoerlöse.

Nun mag man natürlich einwenden, dass es sich bei Snapchat um nicht mehr und nicht weniger als eine Blase handelt. Die 20 Milliarden Dollar Unternehmenswert hätten also so gut wie nichts mit der Realität zu tun.

Doch die Sache ich nicht ganz so einfach. Denn die extrem niedrige Börsenkapitalisierung vieler europäischer Banken ist nicht einfach von der Hand zu weisen. Hier gibt es ein ganz eklatantes Misstrauen von Investoren gegenüber dem Geschäftsmodell und den langfristigen Risiken.

Denn der „Snapchat-Filter“ fördert auch abseits der Deutschen Bank Unschönes zutage. Nimmt man den gesamten italienischen Bankensektor her, wie ihn der Finanzdatendienst Factset etwa erfasst, kommt man bei den börsenotierten Instituten gerade mal auf eine Kapitalisierung von 99 Milliarden Euro. Für eine Branche mit immerhin 299.000 Mitarbeitern (alleine Intesa Sanpaolo und Unicredit beschäftigen 206.000 und setzen 80 Milliarden Euro jährlich um) ist das eine ganz schön dünne Bewertung. In Österreich ist die Raiffeisen Bank International mit ihren 50.000 Mitarbeitern weltweit gerade einmal 3,3 Milliarden Euro an der Börse wert – aus guten Gründen.

Wer Europas Banken also nach dem Stresstest für ihre Solidität lobt, sollte sich ganz genau überlegen, wie man die Stabilität denn bewerten mag. Denn die Investoren sehen die Sache aktuell ganz anders.