REUTERS/Patty Chen/Files

Walkthrough

Was Investoren verschreckt: Chinas Wachstum und Österreichs Steuern

von Lukas Sustala / 13.11.2015

Schlechte Konjunktur, schwache Rohstoffmärkte. Die Mitschuld des Staates an der Bank-Austria-Misere. Die Wachstumshoffnung in Osteuropa. Enttäuschung in der Eurozone. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

Sie können sich hier für den täglichen Walkthrough als E-Mail-Newsletter anmelden. 

Rohstoff-Rutsch, redux. Weniger Wachstum in China und allgemeine Sorgen um die Konjunktur haben die Rohstoffmärkte diese Woche erneut unter Druck gebracht. Der Ölmarkt, der aktuell mit einem massiven Überangebot und hohen Lagerbeständen zu kämpfen hat, war hier bereits öfters Thema. Doch die neue Schwäche geht über den Markt weit hinaus, wie die Korrektur bei Kupfer und dem Rohstoffindex von Bloomberg zeigt. Wer kann die Rohstoffmärkte retten? China (Bloomberg).

Banken, zu viel gemolken. Heute sorgen sich viele Politiker um das Wohl von Kunden und Mitarbeitern der Bank Austria, die vor einschneidenden Sparmaßnahmen steht (Ö1). Dass die Bank Austria derart dezimiert wird, passiert nicht ohne politisches Zutun. Thomas Fuster entlarvt die Politik der vergangenen Jahre treffend als schädlich für den Standort (NZZ.at). „In der Tat gibt sich Österreichs Regierung seit Jahren allergrößte Mühe, das Leben der Banken zu erschweren. Namentlich für die Sozialdemokraten, die ihre Wirtschaftsfeindlichkeit nur schlecht zu kaschieren vermögen, sind Finanzhäuser primär Melkkühe, und ein beherztes Banken-Bashing gehört in diesen Kreisen zum guten Ton. Resultat ist eine Bankenabgabe, die in Europa einen Spitzenplatz einnimmt und völlig ertragsunabhängig anfällt, da sie sich an der Bilanzsumme bemisst.“

Die Post bringt nicht allen was. Dass Österreich auch ein Problem bei der Beschäftigung Älterer hat, ist nicht neu. Heute wurde nun bekannt, dass die teilstaatliche Österreichische Post AG Mitarbeitern, für die sie keine Verwendung mehr hat, ein großzügiges Abfertigungsmodell anbietet. Während der Staat eigentlich versucht, ältere Arbeitnehmer länger in Beschäftigung zu halten, lebt das ausgerechnet ein teilstaatlicher Konzern ganz anders vor.

Warum Osteuropa wachsen soll. Das Wirtschaftsforschungsinstitut wiiw hat gestern neue Zahlen für Zentral- und Osteuropa präsentiert, die sehr gut ausgefallen sind. Leopold Stefan hat sich angesehen, warum die Ökonomen trotz eines schwächeren Weltwirtschaftswachstums und Problemen in Ländern wie Russland (Stichworte: Ölpreis, Ukraine, Sanktionen) so optimistisch sind. Der Grund: Der private Konsum in Ländern wie Polen oder Tschechien entwickelt sich sehr positiv (NZZ.at). Solange sich die Fehler der Vergangenheit in Form von allgegenwärtigen Konsumkrediten nicht wiederholen, könnte sich die Region damit zumindest ein wenig von der allgemeinen Wirtschaftsschwäche abkoppeln.

Eurozone enttäuscht. Das muss Osteuropa auch, wenn man sich die Situation bei den westlichen Nachbarn ansieht. In der Eurozone ist das Wachstum im dritten Quartal des Jahres wieder unter Druck gekommen, und die Wirtschaft entwickelte sich langsamer als von Ökonomen erwartet. Die Wirtschaftsleistung ist gemessen am BIP um 0,3 Prozent gestiegen, Ökonomen hatten mit 0,4 Prozent gerechnet.

Die Ökonomen von Capital Economics, wie auch einige Bankökonomen, haben die schwachen Wachstumsdaten zum Anlass genommen, um ihre gebetsmühlenartige Forderung nach einer Ausweitung der geldpolitischen Lockerung zu wiederholen. Ökonom Jonathan Loynes in einer aktuellen Studie: „If there were any remaining doubts that the ECB will bow to the growing pressure to provide additional monetary policy stimulus to the euro-zone’s fragile economic recovery, Q3’s disappointing GDP figures should have put them to bed once and for all.“ Alleine, ob der Druck auf die EZB und eine damit verbundene QE-Ausweitung so viel bringen wird, steht auf einem anderen Blatt. Genauso kann man skeptisch sein, wie nachhaltig die relative französische Wirtschaftserholung ist.

Diese schlimmen Schiedsgerichte. Die Schiedsgerichtsverfahren im Investitionsschutz sind als Teil von Freihandelsabkommen besonders umstritten. Als Beispiel für die negativen Auswüchse dieser Verfahren führen die Kritiker der geplanten Verfahren in TTIP und Co. gerne die Klage des schwedischen Energieriesen Vattenfall gegen die Bundesrepublik Deutschland ins Feld. Warum das eine Geschichte voller Missverständnisse ist, zeigt der Wiener Jurist Lukas Stifter in einem Gastbeitrag (NZZ.at).

Volkswagen voll getroffen. Der Abgasskandal hat im Oktober Bremsspuren im Absatz von Volkswagen hinterlassen (NZZ). Die weltweiten Auslieferungen der Hauptmarke VW schrumpften um 5,3 Prozent auf 490.000 Fahrzeuge. Die Aktien von Volkswagen sind heute zwar im Plus, das hat aber wohl auch mit dem turbulenten Handel der vergangenen Tage zu tun (Yahoo).

Verantwortung statt Verstaatlichung. Eine Leseempfehlung an alle, die sich mit Banken kritisch beschäftigen und/oder für sie arbeiten: NZZ-Redakteur Jürg Müller kritisiert in einem starken analytischen Text die kopflose Form der Regulierung, die in den vergangenen Jahren um sich gegriffen hat (NZZ). „Statt Risiken staatlich kontrollieren zu wollen, sollte man daran arbeiten, öffentliche Garantien konsequent und restlos durch private Verantwortung abzulösen. Damit würde der Regulierung des Finanzsektors endlich ein griffiges Konzept gegeben – und erst noch eines, das sich in der Realwirtschaft seit Jahren bewährt.

Food for Thought

Dieses Puppenhaus kostet 8,5 Millionen Dollar (Bloomberg).

Flüchtlinge, ein ökonomischer Sturm im Wasserglas? (Zeit)

Alternative Messungen von Staatsverschuldung (VoxEU).

Für alle, denen der heutige Tag irgendwie eigenartig vorkam.

Melden Sie sich hier für den täglichen Walkthrough an.