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Was iPhone 7, iPhone 7 Plus, Apple Watch Series 2 und AirPods bieten

von Henning Steier / 07.09.2016

Die Kalifornier haben vier neue Produkte im Programm. Nicht alle der umgesetzten Ideen sind neu.

Erstmals seit dem iPhone 3G von 2008 fällt Apple wie erwartet aus dem Rhythmus, alle zwei Jahre das Aussehen des Geräts stark zu erneuern. Das iPhone 7 (4,7-Zoll) und das iPhone 7 Plus (5,5 Zoll) erinnern optisch sehr an die 6er-Reihe. Neu sind zwei schwarze Versionen, in Farbtönen, die der Hersteller Jet Black und Black nennt. Für iPhones in Jet Black rät Apple übrigens zu Hüllen, da die Oberfläche relativ leicht verkratzen kann. Der neue Home-Button bewegt sich nicht mehr physisch, stattdessen erhält man ein Vibrationsfeedback. Die neuen iPhones sind erstmals nach dem Standard iP67 vor Wasser und Staub geschützt, überstehen also etwa einen Sturz in den Swimming-Pool. Android-Geräte wie Samsungs Galaxy-S-Serie bieten diesen Schutz seit längerem.

Äusserlich hat sich am iPhone 7 (Plus) nicht viel geändert. (Bild: Keystone)

Dankenswerterweise haben nun beide iPhones einen optischen Bildstabilisator. 50 Prozent mehr Licht kann auf den Sensor gelangen. Überdies gibt es einen neuen Quad-LED-Truetone-Blitz. Die Frontkamera löst nun mit sieben statt fünf Megapixeln auf, die Rückkamera bleibt bei zwölf. Für Live Photos gibt es neu übrigens auch eine optische Bildstabilisierung.

Apples CMO Phil Schiller vor der Doppelkamera des iPhone 7 Plus (Bild: Keystone)

Man kennt Vergleichbares etwa vom Huawei P9: Im iPhone 7 Plus werkeln an der Rückseite zwei 12-Megapixel-Kameras, eine für Weitwinkel, die andere als Teleobjektiv. Zudem gibt es nun eine echte optische Doppel-Zoomfunktion. Nicht zuletzt kann das iPhone 7 Plus Schärfentiefe simulieren, also ein Objekt im Vordergrund sehr scharf präsentieren und den Hintergrund verschwommen. Letztgenannte Funktion wird noch dieses Jahr als Softwareupdate für iPhone-7-Plus nachgereicht. Offenbar ist sie noch nicht ausgereift. Ohnehin können natürlich erst ausführliche Tests zeigen, wie sehr die neuen Funktionen Bilder aufwerten. Das gilt auch für das Versprechen, beim 3G- oder LTE-Browsing lägen über zwölf Stunden mit dem iPhone 7, und 13 Stunden mit dem iPhone 7 Plus mit einer Akkuladung drin. Das sind bis zu zwei Stunden länger als bei den Vorgängern. Die Speicher wurden auf 32, 132 und 256 GByte verdoppelt. Die neuen iPhones kommen am 16. September in die Schweiz. Die Preise bleiben auf dem bekannten Niveau, beginnen also bei 760 Franken.

Adapter für 3,5-Millimeter-Kopfhöer (Bild: Keystone)

Die neuen iPhones haben Stereolautsprecher. Man kennt diese von Android-Flaggschiffen seit Jahren. Auch schon vorab durchgesickert war, dass Apple die 3,5-Millimeter-Buchse weglässt. Kopfhörer werden nun auch in die Lightning-Buchse gesteckt. Beiden neuen iPhones liegt ein Adapter für Klinkenkabel ebenso bei wie EarPods mit Lightning-Kabel.

Beim Weglassen der 3,5-Millimeter-Buchse ist Apple kein Pionier: Das chinesische Unternehmen LeEco hat im April Smartphones wie das Le Max 2 präsentiert, das den Ton über USB Typ C ausgibt. Apple ist bekannt dafür, eine Vorreiter-Rolle bei der Abschaffung populärer Schnittstellen zu übernehmen: Beim ersten iMac-Computer verzichtete Steve Jobs vor 18 Jahren auf die Floppy-Disc zugunsten von USB-Anschlüssen. Frühzeitig verbannte Apple auch das CD-Laufwerk aus seinem MacBook Air, um es dünner zu machen.

Apples AirPods im Einsatz (Bild: PD)

Apple bringt überdies AirPods auf den Markt, Kopfhörer deren Stöpsel nicht mehr durch Kabel verbunden sind. Ihr Akku soll für fünf Stunden Musikhören reichen. Über ihre Box lassen sich die Kopfhörer laden, damit sie 24 Stunden durchhalten. Auf den ersten Blick erinnern die neuen Kopfhörer an Samsungs Gear IconX und The Headphone von Bragi. Im Unterschied zu diesen lassen sich die AirPods mit Siri steuern und mit der Apple Watch paaren. Im Inneren steckt Apples neuer Chip W1. Es sind auch Sensoren integriert, die etwa sicherstellen, dass Musik nur abgespielt wird, wenn man die AirPods in den Ohren hat. Die AirPods kommen Ende Oktober für 180 Franken auf den Markt.

Das iPhone ist seit Jahren mit mindestens 50 Prozent des Erlöses Apples wichtigstes Produkt, durchläuft aber eine Schwächephase. Der Absatz fiel im abgelaufenen Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 40,4 Millionen Geräte. Wirtschaftliche Unsicherheiten in China sind eine Ursache. Hinzu kommt, dass in urbanen Regionen im Reich der Mitte der Smartphone-Anteil bereits bei 75 Prozent liegt, wie Marktforscher von Kantar errechnet haben. Vor zwei Jahren waren es noch 51 Prozent. Tatsache ist aber auch, dass in Wachstumsregionen wie Indien günstigere Geräte gefragt sind. Apple-Boss Tim Cook hat aber immer wieder betont, man werde sich nicht am Preiskampf beteiligen und setzte darauf, dass sich auch in Schwellenländern mehr Konsumenten Apple-Produkte leisten könnten und wollten.

Zur Weihnachtszeit macht Apple traditionell dank neuer Modelle die besten Geschäfte. Branchenbeobachter rechnen aber damit, dass der Vorjahresrekord, 74,8 Millionen verkauften iPhones und 18,4 Milliarden Dollar Quartalsgewinn sich nicht wiederholen wird. Gut für Apple: Samsung hat jüngst ein Austauschprogramm fürs Galaxy Note 7 gestartet, weil rund 35 Akkus explodiert sind. Das Android-Gerät erhielt in vielen in Tests Bestnoten.

Das Marktforschungsunternehmen IDC hat unlängst vorausgesagt, dass der globale Smartphone-Absatz in diesem Jahr nur noch um 1,6 Prozent auf 1,46 Milliarden Geräte wachsen wird. 2015 betrug das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr noch 10,6 Prozent.

Als Hauptgrund für diese Entwicklung nennen die Analysten, dass viele Kunden mit ihren Geräten nach wie vor zufrieden sind. Auch deshalb versuchen Hersteller wie Apple und Samsung Nutzern etwa mit dem iPhone Upgrade Programm jährlich neue Geräte anzudrehen. Für das Gros der Kunden lohnen sich diese Angebote allerdings nicht. Ihr ausbaubarer Erfolg lässt sich auch daran ablesen, dass diese Programme bisher nur in wenigen Ländern verfügbar sind. Passenderweise gab Apple nun bekannt, das Angebot in China und Grossbritannien an den Start zu bringen. Zahlen, bitteApple verrät an seinen Keynotes traditionell auch immer ein paar aktuelle Zahlen. So zählt der vor einem Jahr lancierte Streamingdienst Apple Music mittlerweile 17 Millionen zahlende Kunden. Marktführer Spotify zählte im Juni 30 Millionen Bezahlkunden. Apples App Store verzeichnete mittlerweile 140 Milliarden Downloads. 500’000 Games sind mittlerweile im Angebot. Shigeru Miyamoto, Erfinder von Super Mario, gab bekannt, dass Nintendo das Game «Super Mario Run» bald in den App Store bringen wird. Es wird nicht kostenlos sein, In-App-Käufe wird es aber nicht geben. Die Japaner haben auf Smartphones jahrelang durch Abwesenheit geglänzt. Dazu passt, dass «Pokémon Go» Ende September auf die Apple Watch kommen wird. Das Game hat seit dem Launch Anfang Juli 500 Millionen Downloads verzeichnet, wie John Hanke, CEO Niantic Labs, auf der Bühne sagte. Ab Herbst werden über 100 Schulen Kindern mittels Swift Playgrounds Apples Programmiersprache Swift näher bringen.

Shigeru Miyamoto präsentierte Super Mario Run für iOS. (Bild: Keystone)

Wie erwartet, hatte Apples COO Jeff Williams die Apple Watch Series 2 im Gepäck. Im Unterschied zu ersten Version kann man mit ihr nun auch beim Schwimmen verbrannte Kalorien zählen. Sie hält den Wasserdruck in 50 Metern Tiefe stand. Der neue S2-Prozessor soll bis zu 50 Prozent schneller sein, der Grafikprozessor gar doppelt so schnell. Der Bildschirm ist doppelt so hell. Die zweite Apple Watch hat ein GPS-Modul, damit man auch ohne gekoppeltes iPhone Ortsdaten aufzeichnen und navigieren kann. Das nutzen etwa Wander-Apps wie Viewranger. Auch Samsungs jüngst präsentierte Smartwatch Gear S3 bietet übrigens GPS und Wassergeschütztheit.

Neu wird es auch eine Keramikversion der Apple Watch Series 2 (1400 Franken) sowie eine Apple Watch Nike+ geben. Letztgenannte ist ganz auf den Fitnessdienst beziehungsweise die App des Sportartikelherstellers ausgerichtet und bringt eigene Sportarmbänder mit. Die Uhren gibt es ab 400 Franken. Die erste Apple Watch nennt sich nun Series 1 und bekommt den Zweikernprozessor der zweiten. Sie gibt es ab 300 Franken. Die beiden klassischen Apple Watches kommen am 16. September auf den Markt, die Apple Watch Nike+ im Oktober (ab 420 Franken), watchOS 3 wird ab 13. September für Endnutzer zum Download verfügbar sein. Randnotiz: Die über 10’000 Franken kostende Apple Watch Edition ist offenbar am Ende. Denn sie wurde in aller Stille von Apples Website entfernt.

COO Jeff Williams mit der Apple Watch Series 2 (Bild: Keystone)

Die im April 2015 lancierte Apple Watch ist zwar Marktführerin. Apple veröffentlichte aber noch nie Verkaufszahlen. Laut IDC sollen im zweiten Quartal 1,6 Millionen Exemplare abgesetzt worden sein. Ein Jahr zuvor sollen noch 3,6 Millionen Smartwatches mit Apfel-Logo verkauft worden sein. Auch hier kann Apple sich dem Markttrend nicht entziehen: Der Absatz von Highend-Wearables, also solchen mit Apps, brach gemäss IDC um 27,2 Prozent ein, simple Fitnessbänder ohne Apps konnten hingegen um 48 Prozent zulegen.

COO Jeff Williams vor der Apple Watch Nike+ (Bild: Keystone)

Am Rande der Keynote wurde übrigens auch verraten, dass macOS Sierra am 20. September erscheint und iOS 10 bereits am 13. September kommt. Und weil iPhone 7, iPhone 7 Plus sowie Apple Watch Series 2 die NFC-Technologie FeliCa Type-F unterstützen, kann der Bezahldienst Apple Pay im Oktober in Japan starten. Und noch eine kleine Neuigkeit: Jedes iPad hat nun mindestens 32 GByte Speicher. Zudem wurden die Preise des iPad Pro gesenkt.

Ausserdem wurde bekanntgegeben, dass iWork bald Echtzeit-Zusammenarbeit an Text-Dokumenten, Präsentationen und Tabellen unterstützen wird, und zwar auf iPhone, iPad, Macs und im Browser. Beispielsweise von Microsofts Office kennt man das schon länger, es war also eine weitere Neuerung, die manchem Nutzer von Konkurrenzprodukten bekannt vorkam.

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