REUTERS/Sergio Perez/Illustration/File Photo

Fahrdienst

Was ist das Geheimnis von Uber?

von Christiane Hanna Henkel / 04.06.2016

Der auf einer App basierende Fahrdienst aus den USA dringt in immer neue Länder und Branchen vor und schmiedet weltweit neue Allianzen.

Selten haben Investoren so große Hoffnungen in ein Jungunternehmen gelegt und sind dabei ein so hohes Risiko eingegangen wie im Fall Uber. Wie in dieser Woche bekannt wurde, hat der Staatsfonds Saudi-Arabiens in das amerikanische Transportunternehmen 3,5 Milliarden Dolalr investiert. Das ist mit Abstand die höchste Summe, die von einem Anleger je in ein privates, nicht börsenotiertes Start-up investiert wurde. Saudi-Arabien sichert sich mit dem Investment überdies einen Sitz im Verwaltungsrat. Für Uber dürfte diese Allianz von strategischer Bedeutung sein: Saudi-Arabien und der Nahe Osten generell stellen ein enormes Marktpotenzial dar, und da schadet es nichts, sich mit den Entscheidungsträgern gutzustellen.

Offenbar kommen weltweit viele wichtige Akteure und Investoren – darunter Goldman Sachs, die großen Risikokapitalgeber Benchmark und Kleiner Perkins, Microsoft, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Blackrock – nicht mehr darum herum, sich mit dem erst seit sechs Jahren operativ tätigen Start-up aus dem Silicon Valley auseinanderzusetzen. Auch die mit vielen Firmen aus dem Silicon Valley im Clinch liegende EU sieht sich genötigt, Richtlinien für den Umgang mit Firmen der Sharing-Economy zu erlassen.

In rund 70 Ländern und 462 Städten ist der Fahrdienst bereits aktiv. Gründer und Uber-Chef Travis Kalanick erklärte jüngst in einem Vortrag, dass allein in Los Angeles Uber pro Tag rund 157.000 Fahrten durchführe. Mittlerweile wird Uber mit 68 Milliarden Dollar bewertet und ist damit das wertvollste nicht-börsenotierte Jungunternehmen weltweit. Was steckt hinter diesem Erfolg am Markt für Fahrdienste und am Kapitalmarkt?

Vorwegzunehmen ist, dass es sich bei der Zahl 68 Milliarden Dollar um Ziffern auf Papier handelt. Solange Uber nicht an die Börse geht oder sich an ein anderes Unternehmen verkauft, bleibt der geschätzte Wert des Unternehmens das, was er ist: das Ergebnis einer Berechnung, die eine sehr kleine Gruppe von Investoren auf der Basis von unbekannten Fakten und Schätzungen aufgestellt hat. Dabei eingeflossen sein dürfte zunächst einmal der eigentliche Markterfolg. Offenbar gibt es in den USA, aber auch in anderen Ländern einen enormen Bedarf an individualisierten Transportdienstleistungen, die auf bestehenden Märkten wie dem Taxi-Markt oftmals wegen Verkrustungen, Monopolbildungen und Überregulierung nicht abgedeckt werden.

Diese Nachfrage kann Uber in der Regel zumindest anfänglich schnell befriedigen, da die Firma im Prinzip ohne eigene Assets arbeitet: Uber betreibt eine Software-gesteuerte Plattform, über die per App freiberuflich, mit ihren eigenen Autos fahrende Chauffeure mit den Kunden verbunden werden. Uber übernimmt dabei die gesamte Wertschöpfungskette (Marketing, Software usw.) – bis auf die Erbringung des eigentlichen Transports. In den USA erhält der Fahrer 80 Prozent des Fahrpreises, 20 Prozent gehen an Uber. Das nahezu weltweit übertragbare Geschäftsmodell hat Uber übrigens unter besonders günstigen Bedingungen ausarbeiten können: Als amerikanisches Unternehmen hatte der Fahrdienst von Beginn an Zugriff auf einen ausgebildeten Markt für Risikokapital und operierte in einem wenig regulierten Marktumfeld.

Um sich die Marktführerschaft möglichst schnell in möglich vielen und großen Ländern wie Indien zu sichern und gegen die wachsende Konkurrenz anzugehen, schmiedet Uber zudem derzeit fleißig Allianzen – wie auch mit dem Staatsfonds Saudi-Arabiens – und zeigt in den Ländern jeweils seine Muskeln bei der von Uber geradezu gesuchten Auseinandersetzung mit den nationalen Regulierungsbehörden. Auch wirbt das Unternehmen aggressiv Fahrer an; mit Toyota hat Uber jüngst ein Abkommen ausgehandelt, das Uber-Fahrern günstige Konditionen beim Kauf eines Fahrzeugs des weltgrößten Autokonzerns bietet.

In diversen Finanzierungsrunden hat Uber eine Kriegskasse von rund 11 Milliarden Dolalr aufgebaut. Diese Milliarden sind eine Art Wachstumsbeschleuniger. Ein Vergleich etwa mit Amazon zeigt die Dimensionen, in denen sich diese Finanzkraft bewegt: Der Online-Händler war zunächst mit wenigen Millionen von Risikokapitalgebern ausgekommen und nahm beim Börsengang 1997 lediglich 54 Millionen Dollar ein.

Geld hat Uber für seine Pläne also ausreichend. Und die sich derzeit rasant entwickelnden neuen Transportkonzepte wie selbstfahrende Autos und Car-Sharing eröffnen Uber neue, sicherlich auch die Investoren inspirierende Geschäftsmöglichkeiten.