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Neues Jugendbarometer

Was sich die Jungen von der Zukunft erhoffen

von Natalie Gratwohl / 04.10.2016

Die Jugendlichen wollen am liebsten gleich alles: Karriere machen, eine Familie gründen, ein Haus kaufen – und eine ausgewogene Work-Life-Balance pflegen. Gleichzeitig empfinden sie aber die finanziellen Verpflichtungen als eine immer grössere Belastung, wie eine neue Befragung zeigt.

Ein Leben ohne Smartphone und Internet kennen die heute 16- bis 25-Jährigen nicht. Wie das Handy-Spiel Pokémon Go verdeutlicht, ist für die junge Generation die analoge und digitale Welt schon längst verschmolzen. Besonders beliebt ist derzeit Snapchat. Laut dem Jugendbarometer 2016 der Credit Suisse benutzen in der Schweiz fast die Hälfte der Jungen den Instant-Messaging-Dienst.

Jugendliche hören weniger Radio

Befragt wurden von April bis Juni 2016 über 1000 Jugendliche im Alter von 16- bis 25 Jahren aus den USA, Brasilien, Singapur und der Schweiz. Freizeitbeschäftigungen wie Freunde treffen oder Ferien im Ausland zu verbringen sind für die Jungen zwar nach wie vor attraktiv, werden aber von digitalen Aktivitäten überholt. Angesagt sind das Smartphone generell, Whatsapp oder Youtube. Nicht „in“ sind dagegen Handys ohne Internetverbindung, Drogen, Religion, Skateboards oder Jugendorganisationen.

An Popularität büsst weiterhin das Fernsehen ein. Neuerdings verliert aber auch das Radio an Terrain, was mit der zunehmenden Verbreitung von Streaming-Diensten erklärt werden könnte. Immerhin hören in der Schweiz noch 42% der befragten Jugendlichen Radio. Gleichzeitig etabliert sich Facebook zunehmend zu einem News-Kanal. Bereits knapp die Hälfte der Befragten nutzt die Plattform, um sich zu informieren.

Startup-Gründer als Vorbilder

Gefragt, was sie im Leben anstreben, gaben die Jugendlichen eine lange Liste an. Mindestens die Hälfte der Befragten in allen Ländern wollen Freizeit und Beruf im Gleichgewicht halten, ihre Träume verfolgen, ein Eigenheim erwerben, den eigenen Talenten nachgehen, viele verschiedene Dinge ausprobieren, eine Karriere machen, eine Familie gründen sowie viele Länder und Kulturen kennenlernen. Dabei zeigen sich in allen Ländern gewisse Unterschiede nach Geschlechtern. Für junge Frauen hat ein Eigenheim einen höheren Stellenwert, während die Männer lieber „in den Kreis der VIP“ aufsteigen wollen.

Offenbar scheinen auch die Erfolge von Startup-Gründern wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Jugendlichen zu beeinflussen. Die Mehrheit will nämlich laut der Umfrage selbständig tätig sein. Eine Ausnahme bildet jedoch die Schweiz, was laut Credit Suisse daran liegen könnte, dass hierzulande in der Öffentlichkeit entsprechende Vorbilder noch weitgehend fehlen. Die Rangliste der attraktivsten Arbeitgeber wird hierzulande vom US-Technologiekonzern Google angeführt, gefolgt von der SBB und Novartis (siehe Grafik).

Mehr verschuldete Jugendliche

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit bestehen allerdings häufig Lücken. So hinterlässt das angespannte Wirtschaftsumfeld auch in der Schweiz Spuren. Gaben im vergangenen Jahr noch 3% der Jugendlichen an, gegenüber einem Mobilfunkbetreiber in Zahlungsrückstand zu sein, sind es heute bereits 7%.

Nicht nur das Schuldenniveau hat sich nahezu verdoppelt, sondern auch für rund ein Drittel der Befragten stellen die finanziellen Verpflichtungen eine grosse oder sehr grosse Belastung dar. Das Schuldenniveau in der Schweiz ist allerdings im Vergleich zu den anderen Ländern immer noch niedrig. In den USA sind es 20%, in Brasilien 28% und in Singapur 19%.

(Grafik:Credit Suisse)

Bei der Frage, ob sie die finanziellen Verpflichtungen als grosse oder recht grosse Belastung empfinden, fallen die Schweizer Jugendlichen im Vergleich mit den anderen Regionen ziemlich ab. Nur gerade ein Drittel bejaht dies, während der Wert anderswo zwischen 52 und 58% schwankt. Auf die Frage, welchen Anteil eines Geldgeschenks sie aufs Sparkonto einzahlen würden, liegen die Antworten in einem ähnlichen Bereich: zwischen etwa einem Viertel und einem Fünftel der Summe käme auf die Bank.

(Grafik: Credit Suisse)