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Update

Was Sie zum Milliardenverlust der OMV wissen müssen

von Lukas Sustala / 18.02.2016

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV hat den Ölpreisverfall an den Weltmärkten voll zu spüren bekommen. Ein Milliardenverlust steht unterm Strich. Das Management steuert strategisch gegen. Was Sie wissen müssen. Der Text wird am 18.2.2016 laufend aktualisiert. Letzter Stand: 16:30 

Der Verlust

Die OMV hat ein schweres Jahr hinter sich. Der Preis des zentralen Rohstoffs für die eigene Produktion ist regelrecht verfallen. Das hat milliardenschwere Abschreibungen zur Folge gehabt, die dem Unternehmen den größten Jahresverlust der Firmengeschichte beschert haben.

Die Grafik würde zwar inflationsbereinigt etwas anders aussehen. Aber der Verlust ist dennoch eine große Herausforderung. Zustande kam er, weil in Folge des Ölpreiszerfalls Abschreibungen und Sonderbelastungen von knapp drei Milliarden zu Buche standen.

Der Wert

Die Geschäftslage hat sich auch auf die Aktionäre ausgewirkt und damit auch auf die Republik Österreich, die 31,5 Prozent an dem Öl- und Gaskonzern hält. Die OMV wird aktuell deutlich günstiger bewertet als noch vor wenigen Jahren, ähnlich wie der Marktwert anderer Konzerne in der Branche ist auch die Einschätzung der OMV zurückgegangen.

Der österreichische Konzern wirkt aber relativ „billig“. Das Verhältnis von Kurswert an der Börse und Buchwert liegt niedriger als bei anderen vergleichbaren, europäischen Öl- und Gaskonglomeraten.

Die Strategie

Die Vorgabe von OMV-CEO Rainer Seele ist klar: Die Kosten sollen sinken.
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In den vergangenen Monaten hat der Öl- und Gaskonzern bereits mit der Umsetzung einer neuen Strategie begonnen. Diese sieht – was politisch besonders diskutiert wird – auch eine regionale Neu-Orientierung vor. „Mit dem geplanten Asset-Tausch mit Gazprom und dem dadurch ermöglichten Einstieg in die Produktion im kostengünstigen Urengoy Feld, soll Russland bis 2020 zu einer weiteren Kernregion aufgebaut werden.“ So steht es in der neuen Strategie. Dabei gibt es mehrere Gründe dafür, wieso der Russland-Experte an der Spitze der OMV nach Russland schielt. Die aktuellen Kernmärkte sind übrigens Österreich und Rumänien, die Nordsee, der Mittlere Osten und Afrika. Aus der türkischen Tochter OMV Petrol Ofisi will man sich hingegen zurückziehen. Es sei seit 2006 nicht gelungen, ein integriertes Geschäft in der Türkei aufzubauen.

Die Einsparungen

Nicht nur regional will der OMV-Chef den Konzern neu aufstellen. Auch bei den Kosten drückt Seele auf die Bremse. Seele betont: „Angesetzt wird überall, bei Investitionen, Explorationsausgaben und operativen Kosten.“ Bereits 2015 sind die Investitionen um 28 Prozent zurückgegangen. Auch die Dividende wurde gesenkt, von 1,25 Euro auf einen Euro je Aktie. Einsparungen dürften daher 2016 auf der Tagesordnung stehen. Die Investitionen sollen bei 2,4 Milliarden Euro zu liegen kommen, 2015 waren es noch 2,8, 2014 noch 3,8 Milliarden Euro. 24.124 Mitarbeiter beschäftigte die OMV im Jahr 2015, ob es hier zu Einsparungen komme, könne Seele „nicht ausschließen“, sagte er am Donnerstag, aber es gebe „keine Zielsetzung hinsichtlich Personalanpassungen“.

Die Geschichte

Es ist dies freilich nicht der erste Verlust in der Geschichte des Unternehmens. Den letzten Jahresverlust vor 2015 hat man 1993 erlitten. Damals schrieb die Austria Presse Agentur: „Der Öl- und Chemiekonzern OMV ist 1993 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Bei einem kaum veränderten konsolidierten Umsatz von 81,93 (1992: 82,79) Mrd. S in der Gruppe ist das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 1993 von minus 264,5 auf minus 924 Mill. S geradezu explodiert.“ Im Jahr 1994 wurde die damalige OMV teilweise privatisiert, International Petroleum Investment Company als Investmentarm der Arabischen Emirate stieg ein. Der Rest ist eine ziemliche Erfolgsgeschichte, denn in den 15 Jahren von 2000 bis 2014 wurden kumuliert 13 Milliarden Euro Gewinn erwirtschaftet.

Die Politik

Auch wenn die Republik mit einem Anteil von 31,5 Prozent beileibe nicht der einzige Aktionär ist, löst die Zukunft des umsatzstarken Unternehmens politisch viele Reaktionen aus. Seeles Schwenk nach Russland ist dabei bereits von verschiedenen Personen kritisiert worden. Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske stößt sich etwa am Verkauf des Gasnetzbetreibers Gas Connect. „Für welche Entwicklungen auch immer die OMV Geld braucht, es ist Sache der Eigentümervertreter und des Vorstands hier taugliche Strategien zu entwickeln.“ Wobei klar dazugesagt werden muss, dass der OMV-CEO das Vertrauen der Eigentümer für die Umsetzung einer neuen Strategie ja genießt. Politische Zwischenrufe wie dieser werden vor allem dann wieder zu hören sein, wenn der Deal der OMV mit der Gazprom fixiert wird.