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Walkthrough

Was Sir Isaac Newton zu Pokémon GO sagen würde

von Lukas Sustala / 25.07.2016

Der Brexit ist verdaut. In Sachen Bankomatgebühr werden die Menschen von Konsumentenschützern unterschätzt. Welche Lektion Sir Isaac Newton für Pokémon Go und die Börsenzukunft von Nintendo bereit hält. Und: Österreich liegt bei der Lebensqualität im Spitzenfeld. 

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Brexit: Die Frage der Perspektive. Die Aktienmärkte haben nun das Brexit-Votum verdaut. Auch die börsenotierten österreichischen Unternehmen werden von den Investoren wieder so hoch bewertet wie zuletzt vor der knappen Entscheidung der Briten, aus der EU auszutreten. Aber die Berichte über die Erholung der Aktienkurse sind freilich deutlich kleiner als die Berichte über die Verluste. Schließlich folgt auch der Finanzjournalismus gerne dem Credo „Only bad news are good news“. Vielleicht hat der Wirtschaftsphilosoph Nassim Taleb also recht, wenn er empfiehlt, Journalisten schlicht zu ignorieren.

Bankomatgebühren: Die inszenierte Hilflosigkeit. Schuster bleiben ja meist bei ihren Leisten: Ein Bankier überzeugt Kunden, Finanzprodukte zu erwerben, ein Sportartikelhersteller überzeugt Menschen, dass sie mit neuen Turnschuhen schneller fit werden, und ein Konsumentenschützer überzeugt Konsumenten, dass sie geschützt werden müssen. Und so forciert die SPÖ ein Gesetz zum Verbot von Bankomatgebühren, das unnötig ist (NZZ.at). Denn angesichts der „Größe“ des Problems ist an sich klar: Die Menschen werden sich dagegen wehren, bei Abhebungen Gebühren zu bezahlen, man muss sie nur auch einmal lassen.

Pokémon Go und Sir Isaac Newton. Ein Hype macht noch kein Sommermärchen. Der japanische Konzern Nintendo mag mit Pokémon GO! aktuell die SmombiesEin Smombie ist ein „Smartphone Zombie“, also ein Mensch, der durch den ständigen Blick auf sein Smartphone so stark abgelenkt ist, dass er seine Umgebung kaum noch wahrnimmt. unter seine Kontrolle gebracht haben. Doch von dem Hype könnte Nintendo wirtschaftlich gar nicht so eklatant profitieren, warnt das Unternehmen (NZZ.at). Für das Unternehmen, dessen Marktwert zwischenzeitlich immerhin von 15 auf über 32 Milliarden Euro stieg, bedeutete das an der Börse nun eben eine deutliche Korrektur.

Ob sich der Hype für Nintendo aber noch stärker lohnen könnte, wird sich erst weisen. Wenn die Smombies weiter gebannt Pokémons jagen und rundherum nicht nur Merchandise, sondern auch Werbung verkauft werden kann, könnte sich die Aufmerksamkeit auszahlen. Sonst aber dürfte es dem Nintendo-Hype an der Börse ganz ähnlich ergehen wie schon vielen Aktienblasen davor: Auf den Boom folgt der Bust. Wann es so weit sein könnte? Das lässt sich, wie schon der Physiker Isaac Newton wusste, der sein Vermögen bei der „Südseeblase“ verloren hat, nicht vorhersagen: Den „Wahnsinn der Leute“ könne man eben nicht so berechnen wie die Bewegung von Planeten.

I can calculate the motion of heavenly bodies, but not the madness of people.

Sir Isaac Newton

„Ich stelle nie wieder jemanden über 50 an.“ An sich ist es eine Erfolgsgeschichte: Der Unternehmer Kurt Spet expandiert mit seinem Geschäft und suchte explizit nach Mitarbeitern aus der Generation 50plus, die von Arbeitslosigkeit statistisch immer stärker betroffen sind. Doch am Ende bleiben der Ärger über wenig Motivation, eine mühselige Bürokratie und falsche Erwartungen (Die Presse).

–99,6 %: Es gibt nichts zu sehen! Während die Europäische Zentralbank (EZB) den Verkaufsplan für faule Kredite der italienischen Krisenbank Monte Paschi (MPS) prüft, sind die Aktien des toskanischen Geldhauses erneut von den Investoren fallen gelassen worden. Kaum eine Bank ist so eindeutig „nichts wert“ wie die italienische Monte Paschi. Zeit für die Regierung in Mailand und Investoren, den unangenehmen Wahrheiten auf dem italienischen Bankenplatz ins Auge zu sehen. Nur zur Erinnerung: Italiens Bankenproblem ist zwar ernst, aber nicht unlösbar (Bruegel).

120 Millionen? Wirklich? Bernhard Schinwald hat sich mit einer Frage beschäftigt, die in regelmäßigen Wellen immer wieder fasziniert: Was können Spitzenkräfte „wert“ sein? Das ist für den Spitzensport genauso wichtig wie für die Politik. Er kommt zu dem Schluss, dass der französische Fußballer Paul Pogba 120 Millionen Euro wert ist – und wohl noch wichtiger: Manchester United kommt zu demselben Schluss. (NZZ.at)

Inspirationen – Food for Thought

Österreich im Spitzenfeld. 

Der türkische Präsident wirft der Ratingagentur S&P „Türkenfeindlichkeit“ vor (FAZ). Wer sich mit den ökonomischen Implikationen des gescheiterten Coups beschäftigen will, ist bei diesem Money Talk richtig: