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Randnotiz

Was wächst schneller: Unternehmensgewinne oder Gehälter?

von Georg Renner / 02.11.2015

Vor ein paar Tagen durfte ich auf Twitter Zeuge einer interessanten Unterhaltung werden:

Das wäre natürlich, vor dem Hintergrund einer erodierenden Sozialpartnerschaft, eine ziemlich taugliche Begründung dafür, dass sich immer mehr Menschen im herrschenden System zunehmend ungerecht behandelt fühlen. Nur hält die These, dass sich Unternehmensgewinne und Gehälter in Österreich drastisch auseinanderentwickelt hätten, einer statistischen Betrachtung nicht stand:

Wie die Grafik zeigt, haben sich Bruttogehälter einerseits und Gewinne andererseits im vergangenen Jahrzehnt ziemlich parallel entwickelt: Die bundesweit ausgezahlten Arbeitsentgelte (Eurostat-Datensatz) sind von 2002 bis 2013 um 44 Prozent gestiegen, die Überschüsse von Unternehmen bzw. Unternehmern um 42,6 Prozent (Eurostat-Datensatz).

Das sagt natürlich nichts über die Verteilung von Gewinnen oder Gehältern aus, ob von den gestiegenen Überschüssen also zum Beispiel wenige Großkonzerne oder viele kleine Betriebe profitiert haben – die Aussage, die Gewinne „der Unternehmen“ hätten sich pauschal von den Löhnen abgekoppelt, lässt sich aber jedenfalls nicht verifizieren.

Weswegen die Ursachen für die wachsende Unzufriedenheit mit der Verteilung des hiesigen Wohlstands wohl anderswo zu suchen sind: Zum Beispiel im in den letzten Jahren real deutlich gesunkenen Haushaltseinkommen in Österreich; → Kollege Sustala hat sich vor kurzem auf die Suche nach den Ursachen dafür gemacht.