PD

Wechsel im Präsidium: Daniel Ek stärkt seinen Griff um Spotify

von Ingrid Meissl Årebo / 15.10.2016

Spotify-Mitgründer Martin Lorentzon hat sich vom Verwaltungsratspräsidium zurückgezogen. Dass CEO Daniel Ek neu auch die strategische Führung innehalt, könnte auf einen baldigen Börsengang deuten.

Der Börsengang von Spotify rückt näher. So jedenfalls lassen sich die jüngsten personellen Veränderungen beim schwedischen Musik-Streaming-Dienst interpretieren: Mitgründer Martin Lorentzon, der im Frühling als Präsident der Luxemburger Holding zurücktrat, amtiert seit Juli auch in der schwedischen Gesellschaft nur noch als gewöhnliches VR-Mitglied. Neuer Präsident ist Daniel Ek, der Spotify 2006 zusammen mit Lorentzon gegründet hat. Der Konzernchef hat damit ein Doppelmandat inne, wie es in den USA üblicher ist als in Europa.

Laut der Zeitschrift „Affärsvärlden“ haben US-Investoren auf den Rückzug Lorentzons gedrängt – eine Behauptung, die von der Pressestelle dementiert wird. Der quirlige Lorentzon ist bekannt dafür, viele Bälle in der Luft und noch mehr Ideen im Kopf zu haben. Unter anderem sitzt er im Vorstand von Telia.

Bekannt ist aber auch die Abneigung des 47-Jährigen gegenüber einer Publikumsöffnung von Spotify. Voriges Jahr beteuerte er in einem Interview mit der Zeitung „Svenska Dagbladet“, es werde keinen Exit und kein IPO geben. Seit dem Frühling mehren sich jedoch die Zeichen für einen Börsengang im kommenden Jahr. Im April emittierte Spotify eine Wandelanleihe über 1 Mrd. $. Kurz darauf stellte man einen Wall-Street-Veteranen als Verantwortlichen für Investor Relations an. Auch bei weiteren Neurekrutierungen waren Arbeitserfahrungen in kotierten Unternehmen sowie die Kenntnis von US-Börsenregeln eine Voraussetzung.

Der Streaming-Dienst ist indessen auch zehn Jahre nach seinem Bestehen nicht aus den roten Zahlen gekommen. Obwohl der Konzernumsatz voriges Jahr um 80% auf 1,9 Mrd. € hochschnellte, führten die kostspieligen Lizenzverträge mit den Musiklabels sowie hohe Investitionen zu einem Verlust von 185 Mio. €. Die Zahl der Nutzer überstieg im Mai die Schwelle von 10 Mio. in 59 Ländern; davon bezahlen rund 40% dafür, die Musik werbefrei hören zu können. Die via Gratisversion verströmte Reklame trug letztes Jahr ein Zehntel zum Umsatz bei. Um diese Einnahmen zu steigern, will das Unternehmen künftig zielgerichtete Inserate in das Ohr seiner Nutzer streamen.

Der Unternehmenswert von Spotify wird auf rund 8,5 Mrd. $ geschätzt.