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AK und Konsumentenschutz

Welcher Osterhasen-Typ sind Sie?

Gastkommentar / von Franz Schellhorn / 26.03.2016

Konsumentenschützer haben eine ganze Reihe von Schokoladen-Osterhasen einem eingehenden Test zugeführt. Dieser Vorgang und dessen Ergebnis sagt deutlich mehr über die Tester aus als über die kontrollierte Ware. 

Für die Wirtschaftsredaktionen des Landes sind christliche Festtage eine schwere Zeit. Die Meldungslage ist tendenziell dünn, die meisten Gesprächspartner sind längst auf Urlaub. Aber zum Glück gibt es aufmerksame Organisationen, die sich für die Tage der Stille etwas einfallen lassen. So wird vor Weihnachten verlässlich die Tannenbaum-Inflationsrate errechnet, schließlich gilt es alljährlich das Phänomen zu bestaunen, dass Christbäume so teuer sind wie nie zuvor. Ostern wiederum ist die perfekte Gelegenheit, das zu Schokolade gewordene Tier einmal genauer zu analysieren.

Die zahlreichen „Osterhasen-Tests“ sagen freilich mehr über die Tester aus als über die Qualität der verarbeiteten Schokolade. So kommt die Umweltschutzorganisation Global 2000 zum Schluss, dass jeder zweite Osterhase von Pestiziden befallen ist. Die gefundenen Pestizid-Rückstände sind für die Gesundheit des Menschen zwar völlig unbedenklich, wie Global 2000 selbst einräumt, aber das sollte den Skandal nicht schmälern. Ein „bitter-süßer Beigeschmack“ bleibt zurück.

Schrecklicher Verdacht: Ist Schokolade eine Kalorienbombe?

Das befürchtet auch die Arbeiterkammer, die ja zu den schärfsten Testern des Landes überhaupt zählt. Weshalb die AK Oberösterreich nun „Vollprofis“ als Tester engagiert hat, wie es in einer Aussendung augenzwinkernd heißt. Volksschulkinder der Linzer Karlhofschule wurden zum Test gebeten. Ergebnis: „Kinder lieben Schmunzelhasen.“ Der „lila Schmunzelhase“ von Milka sei bei den Kindern nämlich besonders gut angekommen.

Das ist erfreulich, wenngleich die Sache grundsätzlich sehr ernst zu nehmen sei. So warnen die Experten der AK vor den unterschätzten Gefahren des unkontrollierten Schokoladengenusses. Wer es nicht wissen sollte: Ein Osterhase hat auch Kalorien im Gepäck, und das nicht zu knapp: „Milchschokolade hat einen durchschnittlichen Kaloriengehalt von rund 550 kcal pro 100 Gramm. Damit kommen Naschkatzen, die einen großen Schokohasen verdrücken, gleich einmal auf 1000 kcal.“ Das ist, wie Sie vermutlich schon erraten haben, ziemlich viel. Genauer gesagt entspricht diese Menge zwei Tafeln Schokolade, was wiederum dem menschlichen Körper nicht besonders gut täte, wie die Konsumentenschützer der AK richtigerweise festhalten. Da schreit eigentlich schon die Forderung nach einer täglichen Höchstbezugsmenge aus dem Regal.

Achtung vor den Gefahren im Faschingskrapfen!

Wer sich nun fragen sollte, ob die Arbeitnehmer dieses Landes für bahnbrechende Ergebnisse dieser Art eine verfassungsrechtlich vorgeschriebene Zwangsinteressenvertretung brauchen, wird nicht wissen, dass die Konsumentenschützer der AK nicht nur zu Ostern unterwegs sind. Sie schützen uns ja quasi rund um die Uhr vor uns selbst. Erst im Juli 2014 wurde überraschend ein eingehender „Jausenbrot-Test“ abgehalten. Ergebnis: Die Brote waren zwar lebensmitteltechisch gesehen völlig in Ordnung, aber deutlich teurer als zu Hause gefertigte Jausenbrote. Wer hätte das gedacht? Aber: „Der schnelle Griff zum Fertigprodukt kommt Konsumenten teuer. Selbst gemachte Jausen hingegen entlasten die Geldbörse.“ Das ist mit Sicherheit nicht gelogen.

Gefahren birgt aber nicht nur der Biss in den Osterhasen oder in das Jausenbrot. Auch Faschingskrapfen haben es in sich, wie die jährlichen Faschingskrapfen-Tests eindrucksvoll zeigen. Und Bratwürste sind nicht gleich Bratwürste, weshalb die AK auch alljährlich zum „Bratwürstel-Test“ bittet. Das ist kein Witz, das alles gibt es wirklich. Im November 2015 wurde den Verbrauchern sogar ein Blick hinter die Kulissen gewährt: „Insgesamt wurden 14 Bratwurstproben, davon 5 Roh- und 9 Brühwürste nach dem Zufallsprinzip bei Einzelhandelsunternehmen und 4 Fleischereien gezogen.“ Das Ergebnis: Alle Würste konnten als essbar eingestuft werden.

Würstel in der Innenstadt teurer als an der Peripherie?

Aber das war vermutlich nur Zufall. Eine Ausnahme, die nur die Regel bestätigt. Immerhin wurden drei Proben als „wertgemindert“ eingestuft, weshalb es für die strengen Konsumentenschützer der AK auch keinen Grund gibt, sich auszuruhen. Zumal man ja nie wissen kann, ob die permanent in den Kühlhäusern der Metzgereien patroullierende Lebensmittelpolizei ihren Job auch wirklich gut macht. Und selbst wenn – das Problem der Preisunterschiede bleibt ungelöst. Weshalb die AK zu Preisvergleichen rät. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen Würstel in der Innenstadt zu höheren Preisen verkauft werden als in den Randbezirken. Das kann sich die AK nicht erklären, handelt es sich doch um Produkte ähnlicher Qualität.

Leider hatten die Konsumentenschützer der AK bei all den Faschingskrapfen-, Würstel- und Osterhasentests bis dato noch keine Zeit für einen umfassenden Arbeiterkammer-Test. Das ist schade. Immerhin haben die Arbeitnehmer im Jahr 2014 mit knapp 400 Millionen Euro um 45 Prozent mehr an die AK überwiesen als noch vor zehn Jahren. Damit sind die Einnahmen der AK doppelt so stark gestiegen wie die allgemeinen Preise und die Bruttolöhne – nur die Mieten in Wien haben sich noch etwas stärker verteuert.

Die Arbeitnehmer würden bestimmt gerne erfahren, ob diese Mehreinnahmen in der AK auch zu einer dementsprechenden Erhöhung der Dienstleistungsqualität im Sinne der Zwangsmitglieder geführt haben. Schließlich will die Organisation ja bestimmt den Verdacht ausräumen, dass die Mehreinnahmen für Tests ausgegeben werden, deren Ergebnisse von vergleichsweise überschaubarem Neuigkeitswert sind.

Die christlichen Festtage sind jedenfalls nicht nur für die Wirtschaftsjournalisten des Landes eine schwere Zeit.