Wenig Andrang in Farnborough: Flugzeughersteller im Gegenwind

von Dominik Feldges / 15.07.2016

Jahrelang haben Airbus und Boeing von boomenden Bestellungen profitiert. Nun scheint sich aber eine Abschwächung anzubahnen. An der Luftfahrtausstellung in Farnborough haben sich Käufer rar gemacht.

Die beiden weltgrössten Flugzeughersteller, Airbus und Boeing, konnten sich in den vergangenen sechs Jahren nicht beklagen: Sie verbuchten vor allem dank dem regen Interesse von Airlines aus der Golfregion und dem Fernen Osten rekordhohe Bestellungen. Inzwischen scheint die Nachfrage nach neuen Passagierflugzeugen aber nachzulassen.

An der Luftfahrtausstellung in Farnborough, dem wichtigsten Branchenanlass neben der ebenfalls alle zwei Jahre durchgeführten Messe in Paris, haben sich diese Woche jedenfalls weniger Fachbesucher getummelt als auch schon. Analytiker bezeichnen den Andrang als «durchschnittlich bis schwach». Die Messe steht seit Montag dieser Woche Fachleuten offen. Von Freitag bis Sonntag ist auch das breite Publikum zutrittsberechtigt.

Laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat sich Airbus bis Donnerstag 197 feste Aufträge gesichert. 2014 waren es, ebenfalls auf Stückzahlbasis, noch 283 gewesen. In der ersten Hälfte dieses Jahres konnten dann noch Aufträge für weitere 183 Maschinen hereingeholt werden. Daraus ergibt sich ein Total von 380 Flugzeugen.

Bisher hat das Unternehmen die Erwartung vertreten, 2016 ungefähr gleich viele Bestellungen zu akquirieren, wie 2015 neue Passagierflugzeuge an Kunden ausgeliefert worden waren. Im vergangenen Jahr waren es 636 Stück. Zwar bleiben Airbus bis Jahresende noch fünfeinhalb Monate, doch werden traditionell besonders viele Kaufverträge an den grossen Luftfahrtausstellungen abgeschlossen.

Marktbeobachter fragen sich vor diesem Hintergrund bereits bange, ob 2016 die Anzahl der Neubestellungen jene der Auslieferungen unterschreiten wird und dadurch eine Trendwende im bis anhin boomenden Luftfahrtgeschäft eintritt. Letztmals hatte eine derartige Konstellation über einen längeren Zeitraum von 2001 bis 2003 bestanden.

Für eine gewisse Unruhe in der Branche sorgen auch Aussagen der International Air Transport Association (Iata). Die Lobbyorganisation der Fluggesellschaften hatte im Mai die Einschätzung geäussert, dass sich die Nachfrage nach Passagierflügen wegen der schwachen Weltkonjunktur reduzieren könnte. Zudem seien die Anreize, die sich durch sinkende Kerosinpreise und damit verbunden niedrigere Flugtarife ergeben hätten, mit zunehmender Dauer weniger wirksam.

Noch sind die Auftragsbücher von Airbus und Boeing proppenvoll. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Auslieferungen in den kommenden Jahren tatsächlich im erwarteten Ausmass auf weitere Rekordhöhen klettern. Airlines, die weniger Nachfrage nach Passagier- und Frachtflügen verspüren, könnten versucht sein, Bestellungen zu verschieben oder gar zu annullieren. Bereits mit starkem Gegenwind kämpft das Grossraumflugzeug A380. Der Hersteller Airbus kündigte in Farnborough an, die Produktion ab 2018 auf eine Maschine pro Monat zu drosseln – verglichen mit bisher 2,5.