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Walkthrough

Weniger Bankenabgabe, mehr Zukunft

von Lukas Sustala / 12.07.2016

Die „Stabilitätsabgabe“ wird drastisch gekürzt, gegen eine hohe Einmalzahlung. Niemand hat die Absicht, eine Bankomatgebühr einzuheben – außer Euronet. Niemals wieder soll der Steuerzahler Banken retten – außer in Italien. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Die Reform der Bankenabgabe ist da. Die Abgabe für die Banken wird nach einer großen Einmalzahlung von knapp einer Milliarde Euro drastisch gekürzt. Statt knapp 600 Millionen Euro sollen dann künftig nur noch 100 Millionen Euro fließen. Christian Kern wurde am Dienstag nach dem Ministerrat nicht müde, zu betonen wie er die Kürzung der Bankenabgabe gerne verkaufen will: „Die Banken finanzieren den Ausbau unseres Bildungsangebots.“ Auf Facebook klingt das dann noch größer: „Eine Milliarde von den Banken für Zukunft durch Bildung und Forschung, eine Milliarde für mehr Chancen.“ Wie genau dieses Geld aber verteilt wird, ist noch Verhandlungsmasse im neuen Finanzausgleich. Jedenfalls sollen die ganztägige Betreuung und die Fachhochschulen gefördert werden, ebenso die Nationalstiftung und die Stiftung für die Bildung.

Bankomaten, über Gebühr. Der Damm ist gebrochen. Der erste „Drittanbieter“ hat eine Bankomatgebühr eingeführt. Und die Aufregung ist dementsprechend groß, fordern doch die ersten Interessensvertreter gesetzliche Verbote (Aussendungen zur Bankenabgabe). Strukturell jedenfalls ist es ziemlich eindeutig, woher der Wind auf dem Markt für die Behebungen weht. Mehr Bankomaten, mehr Anbieter, aber kaum mehr Transaktionen sorgen für den Versuch von Anbietern zusätzliche Einnahmen zu lukrieren.

Der Währungsfonds warnt Italien. Wenig Wachstum, viele faule Kredite. Diese üble Mischung attestiert der Internationale Währungsfonds Italien in seinem aktuellen Länderbericht (NZZ.at). Die gerade erst in Kraft getretenen Regeln der europäischen Bankenunion dürften übrigens bei der Sanierung von Italiens Banken arg strapaziert werden (NZZ.at). Dass das langfristig nicht besonders positiv ist, zeigt Thomas Fuster in seinem Kommentar. Die ersten Konsequenzen der Unsicherheit lassen sich wohl am Aktienmarkt ablesen. Der Marktwert der größten europäischen Bankengruppen ist aktuell so niedrig wie seit der Staatsschuldenkrise nicht mehr – nicht gerade ein Vertrauensbeweis (NZZ.at).

TTIP, angstfrei. Viele Menschen fürchten sich vor Freihandel. Doch wirtschaftliche Abschottung ist die größere Gefahr (NZZ.at). Für Europa gilt dies heute mehr denn je. Deshalb ist das Freihandelsabkommen TTIP eine Chance. NZZ-Redakteurin Claudia Aebersold Szalay argumentiert in ihrem Leitartikel konsequent für den Freihandel, mit einem speziellen Fokus auf diejenigen, die kurzfristig zu den Verlierern der Offenheit zählen können.

Goldman Sachs ist überall. Die Besetzung von Chefposten bei Großbanken erregt selten öffentlichen Ärger. Aber Kollege Nikolaus Jilch fasst gut zusammen, wieso die Ernennung von Jose Manuel Barroso bei der globalen Investmentbank Goldman Sachs eine äußerst unpopuläre Postenbesetzung ist (Die Presse).

Der Brexit als Non-Event. Der mögliche Austritt Großbritanniens aus der EU als Risiko für die Weltwirtschaft? Als Tropfen, der das Schulden-Fass zum Überlaufen bringt und die Welt in neuen Problemen zu überschwemmen droht? Ja, vielleicht. Aber das sollte man den Börsianern wohl noch einmal sagen. In den USA jedenfalls hat der Leitindex S&P 500 ein neues Allzeithoch erreicht (NZZ.at). Wie passt das mit den Vorhersagen der Brexit-Apokalypse zusammen? Gar nicht.

Nintendo schreibt gerade das Sommermärchen an der Börse. Die Aktie ist dank des großen Erfolges von Pokemon Go bereits um mehr als 63 Prozent innerhalb von nur drei Tagen gestiegen (qz).

Food for thought – Inspirationen

Geldpolitik als Pyramidenspiel. „Die längst fällige Ehrenrettung des Charles Ponzi als frühen Visionär moderner Geldpolitik.“ (Ökonomenstimme)

So sieht tolles Wachstum aus.

London ist anders. „London is the richest city in Europe. Real output per person is central London is nearly four times the average in the European Union, and nearly twice that Europe’s other large, rich metropolitan areas, such as Amsterdam and Paris. Strikingly, London is more than twice as rich as the next richest region within Britain. However one slices it, the city is an extraordinary economic outlier. (via MarginalRevolution)

Rumäniens Ex-König hat Ärger: Majestät am Steuerpranger (NZZ.at).

Ein guter Gedanke von Wolf Lotter.