Weniger Kunden, mehr Umsatz: UPC presst erfolgreich die Zitrone aus

von Jürg Müller / 05.08.2016

Zum wiederholten Mal in Folge konnte UPC seinen Umsatz steigern. Der Grund dafür liegt in teureren Produkten, denn die Kunden kehren dem grössten Kabelnetzbetreiber in der Schweiz weiterhin den Rücken.

Eric Tveter gelingt, wovon seine Gspänli bei Swisscom, Sunrise und Salt derzeit nur träumen können. Der Geschäftsführer von UPC hat in den vergangenen Quartalen wiederholt den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde gesteigert.

Die Strategie des grössten Kabelnetzbetreibers in der Schweiz ist ein Lehrstück in Ökonomie. Offenbar reagieren die Kunden so träge auf Preiserhöhungen (tiefe Preiselastizität), dass sich Preiserhöhungen weiterhin lohnen. Zwar verliert das Unternehmen Kunden, doch die bestehenden bezahlen derart mehr, dass sich der Kundenverlust am Ende nicht in einer Umsatzeinbusse niederschlägt.

Vor allem weniger Neukunden

Im vergangenen Quartal hat UPC rund 20 000 Vertragsbeziehungen („revenue generation units“) verloren. Die Entwicklung ist laut Pressemitteilung des britischen Mutterkonzerns Liberty Global auf geringere Verkäufe zurückzuführen. Das leuchtet ein: Während sich bestehende Kunden offenbar nicht um höhere Preise scheren, wird es trotzdem schwieriger, neue Kunden mit den teuren Produkten zu gewinnen.

Trotz des Kundenschwunds konnte der Kabelnetzbetreiber in der Schweiz den Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 1,1% auf 340 Mio. Fr. steigern. Das Wachstum verlangsamte sich aber, im Quartalsvergleich resultierte nunmehr eine Steigerung von 0,9%.

Hohe Profitabilität

Zahlen zu Betriebsgewinn oder Margen werden vom Tochterunternehmen des britischen Konzerns Liberty Global nicht veröffentlicht. Einen Hinweis auf die Profitabilität geben allerdings die Informationen zum operativen Cashflow. Dieser ist laut Medienmitteilung in der Ländereinheit Österreich/Schweiz, der auch UPC angehört, weiter gewachsen.

Im zweiten Quartal 2016 betrug die Marge beim operativen Cashflow knapp 60%. Hier schlägt sich neben der Umsatzsteigerung die Zusammenführung von UPC mit der Schwestergesellschaft in Österreich nieder. Daraus hätten sich Konsolidierungseffekte bei Netzwerk und Personal ergeben, schreibt das Unternehmen.

Sorgenkind Fernsehen

Bei der Entwicklung in den einzelnen Segmenten hält der bisherige Trend weiterhin an. So verliert UPC im TV-Bereich die meisten Kunden an die Konkurrenz. Weniger ausgeprägt ist der Trend beim Breitbandinternet und bei der Festnetztelefonie.

Auf dem Mobilfunkmarkt läuft es derweil für den Kabelnetzbetreiber besser als noch vor drei Monaten. Mittlerweile telefonieren rund 56 000 Personen mit UPC auf dem Netz von Salt. Das ist eine satte Steigerung von über 35% im Vergleich mit dem Vorquartal – was allerdings auch auf die geringe Basis zurückzuführen ist. UPC spielt auf dem Mobilfunkmarkt weiterhin eine marginale Rolle. So zählt Marktführer Swisscom derzeit über 6,6 Mio. Mobilfunkkunden.

Anschluss-Offensive auf Kurs

Beim dieses Jahr angekündigten Investitionsprogramm sieht sich das Unternehmen derzeit auf Kurs. Im ersten Halbjahr hätte man über 20 000 neue Haushalte in der Schweiz und Österreich neu erschlossen. Die Zahlen zum operativen Cashflow suggerieren, dass sich UPC die Investitionen derzeit locker leisten kann. Die Frage wird vielmehr sein, wie man mit den mittlerweile teuren Produkten die neu angeschlossenen Kunden überzeugen kann? Wenn man auf den bisherigen Leistungsausweis von Tveter blickt, ist man allerdings überzeugt, dass der Amerikaner bereits gute Antworten gefunden hat.