Neil Hall / Reuters

Walkthrough

Wenn die Briten gehen, nehmen sie dann den Aufschwung mit?

von Lukas Sustala / 30.06.2016

Von den Folgekosten ineffizienter Förderungen, den Konjunktureffekten des Brexit, fallenden Bankaktien und der Zukunft der Arbeit angesichts künstlicher Intelligenz. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Staatsausgabenfolgenforschung. Seit einigen Jahren müssen die erwarteten Folgekosten neuer Gesetze ausgewiesen werden. Wie viele Beispiele zeigen, hat das weder die Gesetzesflut noch die Kreativität der Politiker bei neuen Sozialleistungen, Förderungen oder angeblichen „Leuchtturm-Projekten“ gebremst. Leider, wie es Matthäus Kattinger sehr treffend beschreibt (NZZ.at). „Wie aber bremst man Politiker, deren oberstes Ziel darin besteht, sich mit Steuergeldern ein Denkmal zu setzen – ob als Sozialpolitiker, als Big Spender (Förderungen) für die Wirtschaft oder Lokalkaiser?“ Aktuell kaum jemand, wie es auch der scheidende Rechnungshofpräsident Josef Moser immer wieder angeprangert hat (NZZ.at).

Wie wirkt der Brexit. Die Überraschung des Tages mag sein, dass Boris Johnson nun doch nicht Parteichef der Konservativen und damit Premierminister werden möchte (NZZ.at). Die große Überraschung aber wird wohl noch kommen, wenn klar ist, wie sich der Brexit auf die Wirtschaft der Eurozone und Österreichs auswirkt (NZZ.at). Je nachdem wie eng ein neues Handelsabkommen sein wird, dürfte die Wirtschaft in der Eurozone und Österreich besser oder schlechter durch den Brexit kommen.

Klar ist jedenfalls, dass Österreich angesichts des relativ geringen Wachstums schwerer mit einem neuen Wachstumsschock umgehen kann. Der positive Konjunktureffekt der Steuerreform (0,4 Prozent) sollte jedenfalls halten, erwarten die meisten Ökonomen, denn der Brexit dürfte 2016 zwischen 0,1 und 0,3 Prozentpunkte Wachstum in der Eurozone kosten, wenn man ersten Schätzungen glauben darf.

In jedem Fall hat die britische Notenbank bereits angedeutet, im Sommer die Geldpolitik angesichts der Herausforderungen durch den Brexit zu lockern.

Doch nicht alles nach dem Brexit muss schlecht sein. Längst hat schon ein Ringen um mögliche Chancen des EU-Austritts der Briten begonnen. Frankfurt hat sich für Finanzinstitute ins Rennen geworfen, Österreich könnte von der Verlagerung von Fertigungsstätten des Fiat-Konzerns profitieren. Aus London will man aber auch abwandernde Behörden und NGOs anlocken (Der Standard). Die EU-Bankenaufsicht EBA und die EU-Arzneimittelagentur EMA sollen nach Wien geholt werden, sagten Finanzminister Hans Jörg Schelling und Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP) am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Wobei sich der Bankenstandort Österreich angesichts des Hypo-Desasters vielleicht symbolisch weniger für die EBA-Zentrale eignet als andere.

Außer Spesen nichts gewesen? In sozialen und gemeinnützigen Wohnhäusern werden Mieterinnen und Mieter besonders häufig zur Kassa gebeten, wenn ihre Bauten saniert werden. Kollegin Julia Herrnböck hat sich in einer intensiven Recherche zusammen mit Dossier unter anderem damit beschäftigt, wie es kommt, dass sich gerade soziale und gemeinnützige Hausverwaltungen wie Wiener Wohnen auch noch so oft zu ihren eigenen Gunsten verrechnen. Die gesamte Recherche finden Sie hier (NZZ.at).

„Früher hieß es, Gold zahlt keine Zinsen.“ Der Brexit hat einen Trend, der am Laufen war, nur verstärkt. Die Notierung des Edelmetalls dürfte nach Ansicht von „Goldbugs“ vor einem neuen Höhenflug stehen (NZZ.at). Ein vielfach genannter Grund für die These sind die extrem niedrigen Zinsen. „Früher hieß es, Gold zahlt keine Zinsen. Heute muss man sagen: Gold kostet keine Zinsen“, formulierte es der Goldanalyst Ronald Stöferle jüngst bei der Präsentation des viel zitierten „In Gold we trust“-Reports.

Banken im Fokus. Nach einigen Rückfragen zu Bankaktien noch ein letztes Chart. Das Brexit-Votum hat die Papiere vieler Banken noch einmal getroffen, gestern etwa war die Deutsche Bank hier schon Thema. In Italien geht zudem aktuell die Sorge um, dass schwächere Banken nach einem Stresstest eine Kapitalspritze brauchen, was auch die Aktie der UniCredit belastet (Reuters). Zudem sind die US-Sparten von Deutsche Bank und Banco Santander beim jüngsten Stresstest der US-Notenbank durchgefallen, was einer ziemlichen Ohrfeige der Regulatoren gleichkommt (Bloomberg, NZZ.at). Alles in allem hat es in der jüngsten Vergangenheit genug Gründe gegeben, Bankaktien abzustoßen.

Food for Thought – Inspirationen

Die Zukunft der Arbeit: Droht der Takeover der Mikrochips? (NZZ.at)

Das Volumen an Anleihen, die nur noch eine negative Rendite versprechen, ist um weitere 1,3 Billionen Dollar angewachsen (FT).

Staatsanleihen weltweit mit negativer Umlaufrendite
Staatsanleihen weltweit mit negativer Umlaufrendite

Credits: FT

Ein paar Literaturempfehlungen:

Facebook: Schlechte Nachrichten für Medienmacher (NZZ.at)