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Walkthrough

Wenn eine „Mega-Abschreibung“ positiv überrascht

von Lukas Sustala / 05.11.2015

Die OMV überrascht positiv, weil es trotz niedriger Ölpreise operativ gut für sie läuft. Die Volkswagen-Vertrauenskrise in einem animierten Chart. Österreich hinkt Europa weiter hinterher. Und Facebook wächst und wächst. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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OMV mit „Mega-Abschreibung“, die positiv überraschte. Der österreichische Gas- und Ölkonzern OMV hat heute Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Auf den ersten Blick fallen sie dramatisch schlecht aus, wie die „Mega-Abschreibung“ nahelegt (NZZ.at). Doch die OMV reiht sich mit der Abschreibung in Höhe von knapp unter 1,1 Milliarden Euro in eine immer längere Liste von Öl- und Gaskonzernen, die wegen der dramatisch gesunkenen Ölpreise derartige Abschreibungen vornehmen (qz). Dabei lief es für die OMV operativ deutlich besser als erwartet. Der Überschuss ist in den ersten neun Monaten ohne die Sondereffekte um 23 Prozent auf 968 Millionen Euro gestiegen, und auch der Cash Flow entwickelte sich positiv. Das ist im aktuellen Umfeld eigentlich gut.

OMV-CEO Rainer Seele hat zudem den Push in Richtung Russland weiter konkretisiert (NZZ.at). Zum Asset-Tausch im Zusammenhang mit dem Engagement beim Gazprom-Projekt für die Entwicklung der Blöcke 4A und 5A der Achimov-Formation habe man eine „sehr vertrauliche“ Short-List erstellt, sagte OMV-Chef Rainer Seele. Auch das Gaspipelineprojekt Nord Stream 2 treibe man voran. Im ersten Halbjahr 2016 werden sich OMV und Gazprom weiter äußern.

Volkswagens Vertrauensverlust, redux. Der ausgeweitete Volkswagen-Skandal ruft auch die EU-Kommission auf den Plan. Wegen des VW-Skandals will die EU-Kommission die nationalen Behörden und ihre Kfz-Zulassungsstellen schärfer unter die Lupe nehmen. „Die Genehmigungssysteme der Mitgliedstaaten haben versagt“, sagte EU-Industriekommissarin Elżbieta Bieńkowska der Süddeutschen Zeitung. Dass nun neben Diesel- auch Benzinmotoren betroffen sind, und neben Stickstoff- auch Kohlendioxid-Werte manipuliert worden sein sollen, ist nur die letzte Wendung in einer Geschichte, die VW vor allem eines gekostet hat: Vertrauen.

Aufschwung in der Eurozone. Österreich bleibt leider ein Nachzügler in der aktuellen makroökonomischen Aufwärtsbewegung in der Eurozone. Die EU-Kommission hat heute ihre aktuelle Herbstprognose zu den Wirtschaftserwartungen präsentiert. Nun wissen wir ja, dass Prognosen mit Vorsicht zu genießen sind. Aber die Kommission zeigt eine klare Richtung. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum soll sich von 1,6 Prozent im Jahr 2015 auf 1,8 Prozent im Jahr 2016 beschleunigen (NZZ.at). Bremsend wirkt sich das ungünstigere weltwirtschaftliche Umfeld aus, wie etwa die spürbare Abkühlung in China. Österreich bleibt übrigens auch in den kommenden zwei Jahren wachstumsmäßiger Nachzügler. Das BIP dürfte hierzulande nicht über ein Plus von 1,5 Prozent hinauskommen, rechnet man in Brüssel.

Wie geht’s Österreich? Auch die Statistik Austria bestätigt in gewisser Weise die Erkenntnisse der EU-Kommission. Österreichs Wirtschaft stagniert, wenn auch auf hohem Niveau. Doch die Statistiker gehen für die Publikation „Wie geht’s Österreich“ auch anderen Faktoren des Wohlstandes nach, etwa ökologischen Kriterien oder der Lebenszufriedenheit (Statistik). Und in den anderen Bereichen lief es kurzfristig deutlich weniger schlecht als in der Wirtschaft.

Tauben in London. Die britische Notenbank hat heute eine „dovish“ anmutende Entscheidung getroffen. Die Tauben, also jene Geldpolitiker, die für eine lockere Geldpolitik plädieren, bleiben mit acht zu eins klar in der Mehrheit. Nicht nur, dass die Leitzinsen nahe null bleiben. Auch für 2016 könnte die erste Zinserhöhung auf sich warten lassen, denn ölpreisbedingt fehlt von der Inflation jede Spur, zeigt der Inflationsausblick der Bank of England.

Chinas Ambitionen. Noch sind viele Details zum nächsten Fünfjahresplan in China unbekannt. Aber NZZ-Wirtschaftskorrespondent Matthias Müller zeigt in seiner Analyse, dass China bis 2020 um 6,5 Prozent pro Jahr wachsen muss, um seine ambitionierten Ziele zu erreichen. Und dieser Wachstumspfad mutet angesichts der aktuellen Lage der Weltwirtschaft ziemlich ehrgeizig an.

Free Lunch – Food for Thought

Banken aufgepasst. Der Plan für den nächsten Stress(-Test) steht (Handelsblatt).

Facebook hat mittlerweile mehr als eine Milliarde tägliche Nutzer und verzeichnet daher auch kräftige Umsatzsteigerungen (NZZ).

Die Deutsche Bank zahlt erneut 235 Millionen Euro Strafe (FAZ).

So klingt nachhaltige Energiepolitik: Milliardenschwere Sterbehilfe für die Braunkohle (Zeit).