APA/GEORG HOCHMUTH

Walkthrough

Wenn jeder dritte Bankmitarbeiter unkündbar ist und trotzdem jeder dritte Job wackelt

von Lukas Sustala / 22.10.2015

Analysten erwarten von der EZB bald mehr Anleihenkäufe, obwohl die niedrige Inflation vor allem ölpreisbedingt ist. Die Probleme der Bank Austria und die Macht ihrer Mitarbeiter. Und bei der Hypo ist wieder was passiert in Bella Italia. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Monetary Malta. Die Europäische Zentralbank tagt heute in Malta – und sie sollte es wohl dabei belassen. Denn die Eurozone braucht trotz niedriger Teuerung aktuell nicht noch mehr Anleihenankäufe (NZZ.at). Dabei haben immer mehr Bankökonomen schon für die Sitzung in Malta neue „Action“ von der EZB gefordert, so rechnen einige etwa bei dieser oder einer der nächsten Sitzungen mit einer weiteren Senkung der Einlagenzinsen für Geschäftsbanken. Daraus ist heute aber nichts geworden (EZB).

Jeder dritte Bank-Austria-Mitarbeiter… . Die Gerüchte um die BA-Teilung durch die Konzernmutter UniCredit lassen weiter die Wogen hochgehen. Die Gewerkschaft hat sich in Figur von Wolfgang Katzian schon in Stellung gebracht („So einfach, wie sich das vielleicht manche Manager in der Konzernzentrale vorstellen, wird eine völlige Zerschlagung bzw. Verkauf der Bank nicht möglich sein.“) Bei der Bank Austria bahnt sich ein massiver Konflikt an: Einerseits ist jeder dritte Arbeitnehmer unkündbar (Die Presse). Andererseits müsste jeder dritte gefeuert werden, um die Profitabilität in der Branche wieder anzuheben, schätzt Wifo-Ökonom Franz Hahn. Da könnte man fast argumentieren, dass im marxistischen Verteilungskampf zwischen Bankaktionären und Bankmitarbeitern letztere die Nase vorn haben (NZZ.at).

Abgasskandal, ausgeweitet. Der Volkswagen-Skandal könnte mehr Autos betreffen als zuletzt erwartet. Auch frühe Versionen vom Nachfolger des VW-Skandalmotors EA189 sind möglicherweise von der Abgas-Affäre betroffen (NZZ). Derzeit untersuche Europas größter Autobauer auch die anfängliche Variante des ab 2012 eingesetzten EA288 mit Euro-5-Norm, sagte ein Konzernsprecher der Deutsche Presse-Agentur.Damit sieht es aktuell so aus, als würde der Skandal, der dringend nach Aufklärung verlangt, eher eine Ausweitung bekommen.

Darf’s ein bisserl weniger sein? Die Heta übt Verzicht bei der Hypo Italien, der verlustbringenden Tochterbank der Hypo Alpe Adria, schreibt der Standard. Insgesamt hat sich die Heta gegenüber der früheren Tochter und der italienischen Aufsicht zu einem Nachlass von bis zu 630 Millionen Euro verpflichtet (Der Standard). Dafür sei bereits ausreichend bilanziell vorgesorgt worden. Auch der Italien-Verzicht zeigt, dass die Heta 2015 recht teuer geworden ist.

Investorenschutz, explosiv. In Miami verhandeln die EU-Kommission und das Weiße Haus das Freihandelsabkommen TTIP. Auch wenn es diese Woche nicht um die Schiedsgerichte gehen soll, an die sich möglicherweise diskriminierte Investoren richten können sollen, der Investorenschutz hängt über den Verhandlungen wie ein Damoklesschwert (NZZ.at). Worum es dabei geht, wem die Schiedsgerichte nützen und warum sie teils so heftig kritisiert werden, hat Leopold Stefan analysiert.

Ölpreis niedrig, Risiko hoch. Der französische Kreditversicherungsriese Coface ortet deutlich gestiegene Risiken im Energiesektor. Wegen des erneuten Preisrückgangs für Öl hat Coface die Energiebranche in Asien, Westeuropa und Nordamerika auf „hohes Risiko“ herabgestuft, teilte die Wiener Niederlassung der Franzosen am Donnerstag mit. In den vergangenen Wochen sind auch die allgemeinen Risikoaufschläge auf den Markt für Ramschanleihen (High Yield) gestiegen – ein untrügliches Signal für gestiegene Kreditrisiken.

Die rote Linie zwischen Weißem Ritter und Rouge Trader. Kweku Adoboli, der Mann, der der Schweizer Großbank UBS 2,3 Milliarden Dollar gekostet hat, hat der Financial Times ein Interview gegeben. Ein spannender, langer Text.

Free Lunch – Food for Thought

Nach VW der Staubsaugerskandal? Dyson verklagt Bosch wegen Energieeffizienzwerten (Handelsblatt).

Ein Buch von Garry Kasparov namens „Winter is coming“, handelt aber nicht von Game of Thrones, sondern von Vladimir Putin (Marginal Revolution).

EuGH: Bitcoins gelten als echtes Geld (SZ).

Flüchtlinge nutzen mehr als sie kosten (Zeit).