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Walkthrough

Wenn Schulden ohne Sühne bleiben

von Lukas Sustala / 09.11.2015

In Europa bleiben Schulden ohne Sühne. Die UniCredit könnte 12.000 Jobs streichen. Österreich wird eher schwach wachsen. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Sparpläne made in Italy. Die Sparpläne der UniCredit werden in zwei Tagen offiziell bekannt gegeben. 12.000 Jobs könnten laut der Financial Times gestrichen werden und auch eine Reihe von Vermögenswerten verkauft. Damit will die italienische Großbank ihre Eigenkapitalquote und die Rendite steigern. Ob die österreichische Privatkundensparte der Bank Austria wirklich verkauft wird, ist aber fraglich, denn „an informal move to sell its lossmaking Austrian business over the summer sparked no interest“.

Schulden ohne Sühne. In unserem aktuellen Podcast haben wir uns der Frage gewidmet, wie es um die europäische Schuldenpolitik steht. Politisch wird daran gearbeitet, der EU-Kommission die undankbare Aufgabe des haushälterischen Haftlmachers abzunehmen. Ökonomisch aber ist die Budgetbegrenzung der europäischen Staaten in einem Umfeld extrem lockerer Geldpolitik wohl auch wenig zielführend.

Davon zeugen auch die Peripherieländer, von denen vor allem Portugal aktuell politisch besonders interessant ist. Aber an den Finanzmärkten ist die Lage ruhig, auch weil die EZB mit knapp 50 Milliarden Euro an Staatsanleihenkäufen pro Monat für ebendiese Ruhe sorgt.

Briefe an Frühpensionisten in spe. Die Pensionsversicherungsanstalt will, dass die Österreichischerinnen und Österreicher später in Pension gehen. Daher gehen dieser Tage tausende Briefe an Versicherte, die bald in Frühpension gehen könnten – das aber laut PVA besser nicht tun sollten. Denn ein früherer Antritt habe je nach Rechnung zwischen 20 und 25 Prozent Pensionsverlust zur Folge (Ö1). Allein, das gute Zureden und die Abschläge haben in den vergangenen Jahrzehnten kaum zum Anstieg des effektiven Pensionsantrittsalters geführt, wohl aber das Schließen von Frühpensionsmöglichkeiten. In der historischen Rückschau ist aber so gut wie gar nichts passiert.

OECD mit Wachstumsausblick. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat wieder einmal ihr D vermessen. Wie entwickelt sich denn aktuelle die Weltwirtschaft (OECD)? 2015 fällt dabei in die Kategorie Schwäche. Denn das weltweite Wachstum bleibt unter drei Prozent. 2016 wird ein etwas stärkeres Wachstum erwartet. In Österreich sei das Wachstum vor allem von der Export-Performance abhängig: „Das BIP-Wachstum wird unter dem Einfluss einer Belebung der Export- und Investitionstätigkeit allmählich anziehen, wobei der private Verbrauch für zusätzliche Impulse sorgen dürfte. Die Exportleistung könnte über Erwarten stark ausfallen, falls dank der moderaten Tarifabschlüsse der jüngsten Zeit verlorene Marktanteile zurückgewonnen werden. Sie könnte sich aber auch schwächer entwickeln, falls sich der Marktanteilsschwund wegen der beeinträchtigten Wettbewerbsfähigkeit und der Umstrukturierung der regionalen Wettschöpfungsketten fortsetzt.“ So oder so rechnen die Ökonomen der OECD zumindest 2016 noch mit einem klaren Wachstumsnachteil in Österreich im Vergleich zu den übrigen Industrienationen oder dem Euro-Zone-Schnitt.

Guter Finanzstabilitätsrat ist teuer. Die internationalen Bankenaufseher wollen das Finanzsystem besser vor gefährlichen Pleiten von Großbanken schützen (NZZ). Die 30 wichtigsten Geldhäuser der Welt müssen deshalb von 2019 an eine Haftungsmasse von mindestens 16 Prozent ihrer risikogewichteten Bilanzsumme (RWA) vorhalten, um Verluste abzufedern, wie der Finanzstabilitätsrat (FSB) der G-20-Staaten am Montag mitteilte. 1,1 Billionen Euro an neuartigen Schulden sollen Banken emittieren, um sich für den Ernstfall zu wappnen. Das klingt auf den ersten Blick wie ein wirklich dickes Sicherheitspolster. Das Problem ist nur, dass der Prozess der Risikogewichtung den Banken noch einiges an Spielraum ermöglicht, ihre Risiken zu messen und auszuweisen.

Der Ölpreis könnte noch länger unter Druck bleiben. Die Financial Times hat eine spannende Geschichte zum Wochenauftakt aus dem inneren Kreis der saudi-arabischen Ölzirkel. Demnach wird der wichtigste OPEC-Ölproduzent die Produktion auch weiter hoch halten, wie Khalid al-Falih, Chairman der staatlichen Saudi Arabian Oil Company betont: „There have been no conversations here that say we should cut production now that we’ve seen the pain.“ Andere saudische Offizielle hoffen, dass die niedrigen Ölpreise teurere Produzenten wie etwa die Schieferöl-Branche in den USA weiter unter Druck setzt.

Free Lunch – Food for Thought

Das Ende der Bankfiliale, wie wir sie kennen (Blicklog).

Brasilien spielt mit dem budgetären Feuer (Bruegel).

Der VW-Aufsichtsrat tagt heute – nachdem ein Whistleblower weitere Details aus dem Abgasskandal gemeldet hat (Bloomberg).

Diese Woche wird es – auch bei uns – stark um Energie gehen und auch da zeigt sich: Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.