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Neue Konkurrenz

Wer braucht noch eine Bank?

von Lukas Sustala / 21.03.2016

Finanztechnologieunternehmen machen den Banken immer mehr Geschäft streitig. Dabei bekommen sie kräftig Unterstützung von Aufsichtsbehörden und Regulatoren. Investoren nehmen den Trend zum Anlass, dynamischen, jungen Fintechs den Vorzug zu geben.

Ab heute treten neue, strengere Regeln für Wohnbaukredite in Kraft. Es ist eine von hunderten Einzelmaßnahmen, die das Bankgeschäft sicherer machen sollen – und die ein Teil des folgenden Charts sind, das aktuell wohl so manchen Bank-CEO nachdenklich macht.

Alleine das US-amerikanische Finanztechnologieunternehmen Paypal ist mehr wert als alle deutschen börsennotierten Großbanken zusammen.

Nun mag der Vergleichszeitpunkt eine wesentliche Rolle spielen, denn der Marktwert der Deutschen Bank ist aktuell sehr schwankungsanfällig. Doch die dahinter liegende Kernaussage ist klar. Die kleinen, jungen Finanztechnologieunternehmen (kurz: Fintech) laufen den großen, schwerfälligen, regulierten Universalbanken den Rang ab. Die Fantasie für künftig sprudelnde Gewinne teilen Investoren eher bei Fintechs als bei „old banks“.

Wachsen vs. weichen

Die Zeit von weiten Angeboten kostenloser Kontoführung ist aus meiner Sicht vorbei.

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

Vergangene Woche sind auch in Österreich zwei Dinge passiert, die einen daran zweifeln lassen, dass man überhaupt noch von „der Finanzbranche“ sprechen kann. Die Raiffeisen Bank International hat Zahlen vorgelegt. Es hätte aber auch jede andere Bank sein können, denn der Grundtenor ist fast überall derselbe. Sie machen strukturell weniger Gewinn, und sie kommen bei Investoren kaum günstig zu Kapital. Und sie beklagen die gestiegenen regulatorischen Anforderungen. Das ist unter dem Giebelkreuz genauso wie bei Sparkassen oder Volksbanken, in Deutschland wie in Österreich. Kein Wunder also, dass in Österreich und Deutschland einst unpopuläre Maßnahmen wie Bankomatgebühren oder das Ende des kostenlosen Girokontos bei den deutschen Sparkassen aufs Tapet gebracht werden.

Gleichzeitig hat die wohl international am besten bekannte Bank, die in Österreich kaum einer kennt, große Wachstumspläne präsentiert. Number26, ein in Berlin ansässiges Fintech mit österreichischen Gründern, bemüht sich um die eigene Banklizenz und will sich für weiteres Wachstum 40 Millionen Euro von Investoren holen. Aus dem „europäischen Girokonto“ ist längst mehr geworden, bietet doch das unter anderem vom Verlag Axel Springer und Peter Thiel finanzierte Start-up auch schon einen Dispo-Kredit an. Mit der Finanzierungsrunde würde Number26 auch in die Riege der schnell wachsenden Fintechs aufsteigen.

Große Finanzierungsrunden für Fintech-Unternehmen
Große Finanzierungsrunden für Fintech-Unternehmen

Credits: CB Insights, The Pulse of FinTech, 2015 in Review

Im Kern geht es bei den Innovationen auf dem Finanzplatz um verschiedene Trends: Matching, also das Zusammenbringen von Kunden und Anbietern, die sonst wohl kaum zueinanderfinden würden. Das gilt nicht nur für die Bankberater, die man künftig vielleicht nicht mehr in der Filiale, sondern in einer App kennenlernt. Dazu kommt die „Crowd“ in allen ihren Ausformungen, ob nun als „Crowdinvesting“ oder „Crowdfunding“. Im Kern geht es hier um ein ähnliches Geschäftsmodell wie das traditionelle Bankgeschäft. Sparer stellen ihr Geld Investitionen zur Verfügung – allerdings diesmal ohne „Mittelsmann“ Bank.

Überzogene Regulierung, überzogene Hoffnung

Allerdings müssen auch die jüngsten Wachstumsmeldungen von der Neo-Bankenfront kritisch hinterfragt werden. 40 Millionen Euro für ein Start-up machen angesichts der deutlich höheren Technologiekosten der etablierten Großbanken noch keinen Wettbewerb auf Augenhöhe. Auch wenn die Daten dafür schwer zu schätzen sind, dürften die etablierten Geldhäuser wohl hunderte Milliarden Dollar in ihre IT-Systeme stecken. Und auch die etablierten Universalbanken investieren kräftig in Start-ups und eigene Technologie. Davon zeugt die jüngste Akquisition des Start-ups Holvi durch die spanische Großbank BBVA.

Es ist klar, wohin die Reise geht. Internationale Bemühungen nach der großen Finanzkrise 2008 fordern von den Banken, Risiken aus dem Bankgeschäft herauszunehmen. Das bedeutet mehr Regulierung und vor allem eine bessere Kapitalausstattung. Gleichzeitig wird die Euphorie für Start-ups und neue Technologien dazu führen, dass viel Geld in Fintechs gepumpt wird, die für die Geldinstitute in wichtigen Bereichen zu unangenehmen Konkurrenten werden. Das ist vor allem möglich, solange die neuen Mitbewerber von den Regulatoren relativ unbehelligt schalten und walten können.

Der neue Wettbewerb alleine wird wenige Großbanken wirklich „umhauen“, denn Fintechs bleiben angesichts der hohen Eintrittshürden in das Bankgeschäft eine deutlich kleinere Gefahr als in anderen Bereichen. Allerdings sorgt der Trend zu mehr Regulierung und Dokumentation gerade in Zeiten von Smartphones und immer neuen Methoden der digitalen Authentifizierung dafür, dass Banken ernste Konkurrenz bekommen.


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