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ORF-Wahl

Wer für dieses ORF-Programm die Gebühren anheben will, hat nichts verstanden

Meinung / von Lukas Sustala / 08.08.2016

Zum Glück läuft gerade Rio. Denn ohne die Olympischen Spiele böte der heutige Tag, an dem sich die beiden Anwärter auf den ORF-Generaldirektorsposten mit ihren Konzepten für Österreichs größtes Medienunternehmen auf ORF III präsentieren, viele Beweise für so manches Problem des Hauses.

Denn Österreichs Gebührenmonopolist kämpft an allen Fronten um seine Bedeutung. Das ist besonders augenscheinlich auf ORF 1, dem Fernsehkanal, dem die Reichweiten seit Jahren wegbrechen, oder dem „Hitradio“ Ö3, das mit Spotify, Deezer, Apple Music und anderen um die Gunst der Zuhörer im „non-linearen“ Medienzeitalter kämpfen muss.

Extrem flaches Programm

Die Probleme bei ORF 1 sind symptomatisch. Verwechselbar ist das Programm an vielen Stellen, bis auf einige wenige Leuchttürme, die aus der flachen Programmierung emporragen. Stundenlang laufen dort allerdings How I met your mother, Scrubs, Big Bang Theory oder Malcolm Mittendrin. Die Quoten liegen dabei ebenso wie die Abwechslung unter der Wahrnehmungsschwelle.

Und dennoch zeichnet sich ab, dass die Gebühren für den ORF steigen könnten. Denn beide Konzepte, jenes von Alexander Wrabetz und das von Richard Grasl, versprechen eine Ausweitung des Programms, mehr Qualität, mehr Eigenproduktionen. Höher, weiter, größer. Dass da auch so mancher Flop dabei sein wird, liegt in der Natur der Medienbranche. Schließlich lautet das viel zitierte „Hollywood-Prinzip“ auch Nobody knows anything.

Mit Gebühren zu mehr Relevanz?

Der ORF hat ein Problem, das der neue Generaldirektor, egal wie er heißen sollte, anpacken muss. Es geht alleine um Relevanz. Von „öffentlich-rechtlichen“ Inhalten ist dabei noch keine Rede. Im Zeitalter von Streaming, Video-on-demand und anderen non-linearen Mediengewohnheiten hat sich die Aufgabe des ORF verschoben. Nicht Informationsknappheit, sondern Informationsüberflutung ist das Problem der Stunde. Und da stellt sich schon die Frage, wie viel Staatsintervention es braucht, um das vermeintliche Marktversagen zu bereinigen. Im Zweifel weniger.

Zaghaft geht es ja in die richtige Richtung. Immerhin versprechen beide Kandidaten, die Programmierung von US-Serien herunterzufahren und österreichische Produktionen und hochwertige Angebote zu stärken.

Gut so. Dass aber für den Ausbau von Qualitätsprogrammen bereits von einer Gebührenerhöhung gesprochen wird, kann nur an einem Empfangsfehler auf dem Küniglberg liegen. In einer Zeit, da die Nachrichten- und Unterhaltungsbranche durch Streaming, Plattform-Ökonomie und Digitalisierung umgekrempelt wird und die meisten Dienstleistungen immer günstiger angeboten werden können, ist eine Gebührenerhöhung das Allerletzte, woran ein amtierender ORF-General denken sollte.

Weniger ist mehr

Es ist nämlich nicht so, dass der ORF im internationalen Vergleich aktuell besonders billig wäre. Knapp 280 Euro pro Haushalt sind gelinde gesagt bereits jetzt hochpreisig, mit dem relevanten Unterschied, dass andere Kanäle weniger US-amerikanische Serien eingekauft haben und gegen die private Konkurrenz programmieren – aber auch, dass bei den GIS-Gebühren die Länder wie so oft gehörig mitschneiden.

Der ORF hat es geschafft, erst vor wenigen Jahren Mehreinnahmen zu nutzen, um im zweifelsohne öffentlich-rechtlichen Bereich zu wachsen: Randsportarten, große Produktionen, Informationen und Hintergrund auf ORF III. Lauter lobenswerte Aktionen, die sich allerdings um eine ganz zentrale Frage herumlavieren: Was soll dort passieren, wo man sich in der Vergangenheit um den öffentlich-rechtlichen Auftrag gar nicht gekümmert hat? Die weiten Programmstrecken auf ORF 1 etwa.

Die aktuelle ausgegebene Politik-Empfehlung „nobel zu schweigen“ bietet sich für den ORF nicht an, schließlich geht es um die Frage, was mit 600 Millionen Euro an Programmentgelten jährlich passieren soll.

Keine Gebührenerhöhung wird dazu führen, dass die Gebührenzahler, die im Stiftungsrat tendenziell nicht überrepräsentiert sind, den ORF wieder mehr einschalten. Der ORF muss mehr überzeugen, ehe die Gebühren wieder angehoben werden können. Im Zweifel muss es inzwischen eben auch mit weniger Programm gehen.


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