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Raiffeisensektor

Wertberichtigungen unter dem Giebelkreuz

von Lukas Sustala / 31.08.2016

Die Landesbanken mussten als Eigentümerinnen der Raiffeisen Zentralbank empfindliche Abwertungen vornehmen. Die im Vergleich niedrige Eigenkapitalausstattung fordert ihren Tribut und erhöht den Druck für den Umbau des Bankensektors.

Austria’s RZB at Risk of Regulatory Intervention, Owners Say

Steht die Raiffeisengruppe kurz vor einem Eingriff der Aufsicht? Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg hat sich jüngst ausgiebig dem Raiffeisen-Sektor gewidmet und mit genau diesem Szenario getitelt.

Grund dafür ist der folgende Satz aus den Halbjahresberichten der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und der Raiffeisenlandesbank Steiermark, beide Eigentümerinnen der Raiffeisen Zentralbank: „Aufgrund der bekanntgewordenen geplanten UNIQA-Transaktion und weiterer negativer Faktoren (insbesondere der Information über die im internationalen Vergleich niedrigen Kapitalquoten nahe der aufsichtsrechtlichen Interventionsschwelle) wurde die Beteiligung an der RZB per 30.06.2016 einem Impairment-Test unterzogen.

Das Ergebnis dieses Tests: Die oberösterreichische Landesbank wertete die RZB-Beteiligung um 39 Millionen Euro ab, die steirische um 41 Millionen.

Nach dem Bloomberg-Bericht rückte RLB OÖ-Chef Heinrich Schaller aus, um die Abwertung kleinzureden. Es gebe bei der Raiffeisen Zentralbank (RZB) kein Risiko eines „regulatorischen Eingriffs“. „Die RZB ist auf einem guten Weg, die gesetzten Ziele zu erreichen“, betonte der Generaldirektor der Landesbank.

Doch es ist definitiv nicht wirklich neu, dass die Kapitalquoten der RZB im internationalen Vergleich niedrig sind. Das haben bereits verschiedene Aufseher und Analysten in regelmäßigen Abständen in den vergangenen Jahren festgestellt. Mehr noch: Es lässt sich – wohl zusammen mit den Problemen im wichtigen russischen Markt – auch an der Aktien-Performance der Raiffeisen Bank International (RBI) ablesen.

Fast zwei Jahre ist es nun her, dass ein JPMorgan-Bankenanalyst die Raiffeisen-Gruppe mit einem  Bericht scharf kritisiert hat. Die Gruppe habe eine viel zu komplexe Struktur, die angesichts des Kapitalbedarfs zu Problemen führen könne. Daran arbeiten die verschiedenen Ebenen unter dem Giebelkreuz (die Landesbanken, die Eigentümerinnen der Raiffeisen Zentralbank sind, die wiederum Eigentümerin der Raiffeisen Bank International ist) auf Hochdruck. In den kommenden Monaten soll der Umbau des Raiffeisensektors beschlossen werden. Er soll gerade auch die Eigenkapitalquote stärken. Raiffeisen hat beim jüngsten Stresstest der Europäischen Zentralbank auf den hinteren Rängen abgeschnitten.

In jedem Fall heißt die Priorität weiterhin: Schlanker werden, Kapital stärken. Um der Aufsicht besser zu gefallen.


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