David Ausserhofer

Wie bringt man Junge in Lohn und Brot?

von René Höltschi / 10.10.2016

2013 haben die EU-Staaten eine „Jugendgarantie“ abgegeben, um mehr Jugendlichen einen Job oder eine Ausbildung zu verschaffen. Hinzu kamen Fördergelder der EU. Nun zieht Brüssel eine Zwischenbilanz.

Im ersten Quartal 2013 hat die Jugendarbeitslosenquote in der EU im Gefolge der wirtschaftlichen Krisen einen traurigen Höchststand erreicht. Je mehr Jugendliche weder einen Job hatten noch eine Ausbildung absolvierten, desto mehr wurde dies vom wirtschaftlichen Problem zur gesellschaftlichen Zeitbombe. Darauf hat die europäische Politik damals mit der „Jugendgarantie“ und der „Beschäftigungsinitiative für junge Menschen“ reagiert. Am Dienstag hat die EU-Kommission eine vorsichtig positive Bilanz gezogen. Zu Recht?

Zähe Fortschritte

Die Daten haben sich tatsächlich verbessert, wenn auch nur zäh. Die Jugendarbeitslosenquote (unter 25-Jährige) ist EU-weit von 24,4% im ersten Quartal 2013 auf 18,9% im zweiten Quartal 2016 zurückgegangen. Der Anteil der Jugendlichen an der gesamten Altersklasse, die weder einen Job haben noch eine (Aus-)Bildung absolvieren, sank von 13,2% im Jahr 2012 auf 12% im letzten Jahr. Beide Werte liegen aber noch immer klar über dem kurz vor der Finanzkrise erreichten Niveau (vgl. Grafik). Die Jugendarbeitslosenquote ist selbst in Spanien und Griechenland stark gesunken, doch weist sie dort mit 47,7% (Griechenland, Juni) und 43,2% (Spanien, August) noch immer das EU-weit höchste Niveau aus. Am tiefsten ist sie derzeit in Deutschland mit 6,9%.

Sind die Verbesserungen auf die beiden EU-Massnahmen zurückzuführen, oder wären sie ohnehin erfolgt? Das ist naturgemäss schwer zu sagen, da sich in der Beobachtungsperiode auch die Wirtschaft etwas erholt hat. Der Kommissionsbericht macht geltend, dass von der Jugendgarantie unterstützte strukturelle Verbesserungen zur Aufhellung der Lage beigetragen haben. Dies zeige sich etwa darin, dass die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen EU-weit und in vielen Mitgliedstaaten stärker gesunken sei als jene der Erwachsenen.

Wie die EU-Arbeitskommissarin Marianne Thyssen vor den Medien ausführte, haben sich 2014 und 2015 rund 14 Mio. Jugendliche bei einem nationalen Jugendgarantie-Programm gemeldet. Davon haben etwa 9 Mio. dann auch ein Job- oder (Aus-)Bildungsangebot angenommen. 35,5% der jungen Menschen, die 2015 das Programm verliessen (ob mit oder ohne Angebot), hatten zudem sechs Monate danach eine Stelle angetreten oder die Ausbildung wiederaufgenommen. Der tatsächliche Anteil dürfte laut Kommission höher sein, da die Situation von 40% der Jugendlichen nicht bekannt war. Letzteres wirft aber auch die Frage auf, wie gut die Nachbetreuung und die Evaluation sind.

Unter Jugendgarantie versteht man die im April 2013 von allen Mitgliedstaaten geleistete politische Zusage, dafür zu sorgen, dass allen jungen Menschen innert vier Monaten nach Schulabgang oder dem Verlust des Arbeitsplatzes eine neue Stelle, eine Weiterbildung oder ein Ausbildungs- oder Praktikumsplatz angeboten werden. Die konkreten Massnahmen werden auf nationaler oder regionaler Ebene festgelegt. Im Rahmen der gleichzeitig initiierten Beschäftigungsinitiative stellte die EU für die Periode 2014 bis 2018 aus ihrem Haushalt 6,4 Mrd. € bereit für die Unterstützung solcher Massnahmen in Regionen mit einer Jugendarbeitslosenquote von über 25%. Kürzlich hat die Kommission vorgeschlagen, den Betrag um 2 Mrd. € aufzustocken und die Periode bis 2020 zu verlängern

Berufslehren in Spanien

Zu den Stärken der Vorhaben scheint zu gehören, dass es Abschottungen zwischen den beteiligten Ministerien und Politikbereichen aufgebrochen und Partnerschaften gefördert hat. Auch wurden die Jugendlichen zum Beispiel durch die Errichtung von „One stop shops“ besser erreicht. Zudem betont die Kommission, die beiden EU-Vorstösse hätten nicht nur Zuschüsse für Arbeitsplätze oder Startups junger Selbständiger mitfinanziert, sondern auch zu nationalen Strukturreformen beigetragen, darunter der „Jobs Act“ in Italien und Reformen der Berufsausbildung in Spanien. Die Zahl der spanischen Lehrlinge sei zwischen 2013 und 2016 von 4000 auf 15 000 gestiegen. Die vor allem im deutschsprachigen Raum verbreitete Berufslehre wecke angesichts der geringen Jugendarbeitslosigkeit dieser Staaten viel Interesse, sagt ein Kommissionsbeamter. In Ländern, in denen sie keine Tradition habe, sei es dennoch schwierig, Jugendliche, Eltern und Arbeitgeber von ihr zu überzeugen.

Verbesserungsbedarf sieht Brüssel unter anderem bei der Qualität der im Rahmen der Jugendgarantie aufgelegten Angebote. Zudem müsse mehr getan werden, um auch „schwer erreichbare“ Jugendliche anzusprechen, darunter solche, die bei keinem Arbeitsamt gemeldet sind, die Schule abgebrochen haben oder zusätzliche Handicaps wie Armut aufweisen.