Wie der schwache Euro den Ölpreis-Turbo drosselt

von Lukas Sustala / 17.03.2015

Der drastische Ölpreisverfall wäre an sich ein großartiger Turbo für die Wirtschaftslage. Der Euro macht den Effekt teilweise zunichte.

Der Ölpreis ist auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen. So weit, so gut. Für Konsumenten, Europa, Autofahrer und damit die Konjunktur. Doch während sich die US-Autofahrer über neue Rekordtiefs freuen können, sieht die Sache in Europa etwas anders aus. Zwar sind auch hier die Preise gefallen und am Ende bleibt, wie die Europäische Zentralbank oder die Kommission betonen, ein kräftiger Rückenwind für die Konjunktur. Aber zwei Effekte halten den Preis für Rohöl in Europa relativ hoch – und nehmen so auch wieder Wind aus den Segeln:

1. Die für Europa wichtigere Nordseemarke Brent ist zuletzt weniger stark gefallen als Western Texas Intermediate (WTI), die wichtigste Maßzahl für den US-Markt. Ein Grund ist für Analysten, dass Fracking und Schieferöl zu einer regelrechten Öl-Schwemme auf dem US-Markt geführt haben. Dazu kommen die geopolitischen Risiken im arabischen Raum. Brent ist aktuell wieder um 12 Dollar teurer als WTI, mehr als doppelt so viel wie zum Jahreswechsel.

2. Dazu kommt aber noch der Euro. Er hat zuletzt deutlich gegen den US-Dollar abgewertet. Das knabbert an der Ersparnis. Ein Fass der Marke Brent in Euro ist seit Juni 2014 nur um 37 Prozent billiger geworden, in Dollar gerechnet waren es immerhin noch 51 Prozent. Für ein Fass der Marke WTI zahlt man in US-Dollar im selben Zeitraum um 58,6 Prozent weniger.

Der schwache Euro hat natürlich auch positive Effekte. Exporte aus der Eurozone werden wettbewerbsfähiger, was die Industrie beflügeln sollte. Aber das passiert eben nicht so rasch. Auch ein Blick in die aktuelle Prognose des Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo für Österreich zeigt, dass der schwache Euro zumindest kurzfristig eine Belastung ist, weil die Importe sofort teurer werden.