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Walkthrough

Wie die aktivistische EZB die Sparer voll trifft

von Lukas Sustala / 04.12.2015

Negativzinsen und noch mehr Anleihenkäufe. Wie die neuen Waffen der EZB die Sparer, gerade auch in Österreich, noch einmal treffen. Warum der Ölpreis noch tiefer bleiben dürfte. Österreichs Unkultur der „Gratis“-Angebote. Und gute US-Jobdaten deuten auf die US-Zinswende hin. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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EZB packt die dicke Bertha wieder aus. Die Europäische Zentralbank will mit drastischen Maßnahmen die Inflation in der Euro-Zone anheizen (NZZ.at). Der Einlagenzins für die Geschäftsbanken wurde dabei gesenkt, um die Banken zur Kreditvergabe zu animieren.

Gleichzeitig wurden die Anleihenkäufe ausgeweitet. Statt bis September 2016 wird die EZB bis März 2017 die Anleihenmärkte abgrasen.

Das alles ist eigentlich schon ziemlich „aktionistisch“, dafür dass die Inflationsrate in der Euro-Zone – ohne die extrem niedrigen Ölpreise – eigentlich gar nicht so gering wäre (NZZ.at). Der blinde Aktionismus wird vor allem die Sparer in der Euro-Zone treffen, und hier werden die Österreicher wohl besonders leiden, weil sie deutlich konservativer veranlagen als andere (NZZ.at). Für die Finanzmärkte war der gestrige Tag trotz allem ein Schock. Mit dem Euro ist auch der Angstindex VIX nach oben geschossen. Die Aktienmärkte hatten am Donnerstag und Freitag eher einen unversöhnlichen Wochenausgang.

Jobs, Jobs, Jobs. Dabei fiel der US-Arbeitsmarktbericht besser aus als erwartet. 211.000 Jobs wurden in der US-Wirtschaft geschaffen, Ökonomen hatten mit 200.000 gerechnet. Der US-Arbeitsmarktbericht ist ein klares Signal für eine kommende Zinswende (NZZ). Wir werden damit wohl tatsächlich den Dezember 2015 rot in unserem Kalender markieren, wenn es wirklich der Monat ist, in dem die US-Notenbank erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise wieder die Zinsen erhöht.

Öl-Kartell pumpt weiter. Das Ölkartell OPEC hält Insidern zufolge an seiner Politik der Ölförderung fest (NZZ). Die Staaten des Kartells dürfen zukünftig täglich 31,5 Millionen Barrel (Fass zu je 159 Liter) Öl aus dem Boden pumpen, etwas mehr als aktuell. Ob die Produktion des zurückgekehrten OPEC-Mitglieds Indonesien in die neue Fördermenge eingerechnet ist, war zunächst nicht klar. Als Reaktion auf die womöglich steigende Fördermenge drehte der Ölpreis deutlich ins Minus.

Mit dem Gratis-Bus zu Louis Vuitton. Die absurde Forderung nach „Gratis“-Dienstleistungen und -Gütern vernachlässigt immer eines: Dass die angebotenen Wohltaten nicht gratis produziert werden. Agenda-Austria-Direktor Franz Schellhorn hat sich den aktuellen NEOS-Vorschlag zu den Gratis-Öffis in der City angesehen und findet (NZZ.at): „Es gibt keinen vernünftigen Grund, die anfallenden Kosten den Steuerzahlern umzuhängen.“ Vor allem, da es sich bei der Wiener Innenstadt schon gar nicht um einen subventionsbedürftigen Bezirk handelt.

Budgetloch, vorprogrammiert. Sorry, aber es wird sich mit dem Budget 2016 wohl nicht wirklich ausgehen. Der Fiskalrat ist jedenfalls mehr als nur skeptisch. Das Finanzministerium geht im nächsten Jahr zwar von einem Nulldefizit aus – „strukturell“ wohlgemerkt. Die Budgetwächter des Fiskalrates aber gehen davon aus, dass Österreich im nächsten Jahr die EU-Vorgaben verfehlen wird. Leopold Stefan hat vier Gründe zusammengetragen, warum Österreich wohl auf ein neues Sparpaket zusteuert (NZZ.at). Sie werden Ihnen nicht gefallen, aber sie sind leider sehr realistisch.

Free Lunch – Food for Thought

Live-Charting the Jobs Report (qz).

Fracking als Kohle-Ersatz (VoxEU).

Uber war der jüngsten Finanzierungsrunde 62,5 Milliarden Dollar wert (NY Times).

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