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Finanz-Startups

Wie krisenfest sind Fintechs?

von Krim Delko / 10.05.2016

Fintech-Unternehmen sind von mehreren Seiten unter Beschuss: Die Finanzaufsicht will sie mit Regulierungen gängeln, die Anleger trauen ihnen noch nicht, und die Konkurrenten schlafen auch nicht.

Kann das Silicon Valley auch im Finanzwesen Neuerungen schaffen? Die Frage sorgt seit Jahren für Aufsehen im Tal südlich von San Francisco. Mit dem Kollaps der Aktien von Lending Club ist über das Thema am Montagmorgen erneut heftig diskutiert worden. Lending Club galt zur Zeit des Börsenganges als Paradebeispiel für Innovation und Technologie im Bereich der Finanzdienstleistungen. Doch seither ist sein Aktienwert eingebrochen, und die Anleger kratzen sich zu Recht am Kopf. Was soll man von dieser Branche halten?

Nöte einer jungen Branche

Die Kombination von Technologie und Finanzwesen, in Finanzkreisen auch Fintech genannt, hat seit dem Aufschwung des Internets ein stetiges Auf und Ab erlebt. Paypal war der erste wirkliche Erfolg. Mit einer neuen Zahlungstechnologie wollten die Paypal-Gründer nicht nur das Zahlungswesen ändern, sondern den gesamten Finanz- und Kreditbereich neu definieren. Daraus wurde allerdings nichts.

Das Unternehmen ist im Sog des Crashs von 2001 fast bankrottgegangen und wurde von Ebay für rund 1,5 Milliarden Dollar gekauft. Heute steht Paypal wieder als eigenständiges Unternehmen an der Börse und geniesst trotz heftiger Konkurrenz unter Analysten einen guten Ruf.

Weniger gut steht es mit Square, einem Zahlungs- und Kreditunternehmen, das von Twitter-Gründer Jack Dorsey ins Leben gerufen wurde. Square hat den sogenannten Micro-Zahlungsverkehr revolutioniert. Wer in San Francisco oder New York an einem Stand etwas für einen Dollar kaufen will, kann das per Kreditkarte oder iPhone tun. Ermöglicht wird die Transaktion aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Technologie von Square.

Dorsey will laut eigenen Angaben mit Square nicht nur den Zahlungsverkehr vereinfachen, sondern auch für Probleme wie die Vergabe von Krediten an Kleinunternehmen bessere Lösungen finden. Square soll das Kleinunternehmertum nicht nur fördern, sondern in vielen Fällen gar erst ermöglichen.

Doch an der Wall Street ist das Unternehmen mit gemischten Gefühlen empfangen worden. Theoretisch hört sich die Mission von Square durchaus gut an. Doch in der Praxis sehen die Analytiker hohe Risiken, vor allem in der Vergabe von Krediten an Kleinunternehmen. Es sei davon auszugehen, dass Square in einer Rezession auf großen Kreditverlusten sitzenbleibe. Die Aktien sind seit dem Börsengang denn auch um 25 Prozent gefallen.

Erfolg abseits des Banken-Kerngeschäfts

Besser ergangen ist es den Aktionären von Zillow. Das Unternehmen ist im Immobilienbereich tätig. Zillow-Chef Spencer Rascoff will die Transparenz am Immobilienmarkt erhöhen und bietet einen digitalen Treffpunkt für Käufer und Verkäufer an. Zillow ist so beliebt am hiesigen Immobilienmarkt, dass sogar Ökonomen und Analysten die Daten benutzen, um Trends und Transaktionsvolumen zu studieren.

Die Firma ist zwar kein Finanzunternehmen, doch sie übernimmt ähnlich wie andere Fintech-Unternehmen einen Teil der Rolle, die typischerweise von Banken erfüllt wird. Insofern ist Zillow eine der wenigen Fintech-Firmen, bei der Anleger zumindest kein Geld verloren haben. Doch über den Rest der Branche gibt es derzeit nicht viel Gutes zu berichten, wie das jüngste Debakel von Lending Club schmerzhaft gezeigt hat.