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Clubabend

Wie und wo geht es weiter für die OMV?

von Lukas Sustala / 29.02.2016

Die OMV steht angesichts des Ölpreiszerfalls unter Druck. Wohin der umsatzstärkste Konzern Österreichs steuert und welche Pläne politisch besonders umstritten sind. Ein kurzes Briefing für den heutigen Clubabend.

„Wohin geht die OMV?“, fragen wir heute bei unserem NZZ.at-Clubabend den CEO von Österreichs umsatzstärkstem Unternehmen, Rainer Seele. Es mag zwar untypisch sein zu fragen, wohin sich ein Unternehmen denn aufmacht. Doch in der Öl- und Gasbranche ist die Frage zutreffender als in den meisten anderen. Öl- und Gasfelder werden regelmäßig ausgebeutet oder zwischen verschiedenen Konzernen abgetauscht, und ein relativ kleiner Anbieter wie die OMV muss ins Ausland gehen, um Projekten nachzugehen.

Die vier Kernregionen der OMV
Die vier Kernregionen der OMV
1. Zentral- und Osteuropa. 2. Nordsee. 3. Mittlerer Osten / Afrika. 4. Entwicklungsgebiete (Russland, Vereinigte Arabische Emirate, Iran).
Credits: OMV

Rainer Seele, seit 1. Juli OMV-General, plant tatsächlich, geografisch zu diversifizieren. Russland und der Iran sollen an Prominenz gewinnen, „Problemländer“ wie der Jemen und Libyen in den Hintergrund treten. Politisch umstritten ist dabei die engere Kooperation mit Russlands Gasriesen Gazprom, mit dem die OMV aktuell einen Asset-Tausch verhandelt. Gleichzeitig arbeitet man zusammen am Pipeline-Projekt North Stream 2.

Ziel: Weniger kapitalintensiv werden

Die neuen Upstream-Projekte haben vor allem einen wesentlichen Vorteil, den Seele nicht müde wird zu betonen: Die Förderkosten in Russland und dem Mittleren Osten seien deutlich günstiger als anderswo.

Denn die Vorgabe für den Öl- und Gasgiganten bleibt klar: Kosten senken. Alleine bei den Investitionen will Seele in den kommenden Jahren deutlich weniger investieren als noch vor dem Verfall des Ölpreises.

Im Vergleich zu 2013 ergibt sich so eine deutlich kleinere Kostenbasis. Und die ist auch nötig, um Investoren nach dem Annus horribilis für die gesamte Branche zu besänftigen. 2015 hat die OMV einen Milliardenverlust geschrieben, das Betriebsergebnis rutschte auf ein Minus von mehr als zwei Milliarden Euro, der Nettoverlust hat 1,1 Milliarden Euro betragen.

Der Vergleich macht Sie sicher?

Die OMV laboriert freilich – so wie die meisten anderen Öl- und Gaskonzerne – am schlechten Umfeld. Wenn der Ölpreis, der selbst wiederum ein Anker für viele Energie- und Rohstoff-Kontrakte ist, seit Juni 2014 von knapp 115 auf zuletzt 35 Dollar je Fass Brent gesunken ist, trifft das die gesamte Branche, die mit Förderung, Veredelung oder Verkauf von Öl und Gas ihr Geld verdient.

Wie steht die OMV im Gegensatz zur Konkurrenz da? Für die Aktieninvestoren hat sich sicherlich gezeigt, dass der österreichische Konzern stärker unter dem Ölpreisverfall leidet als andere. In den vergangenen drei Jahren ging es für die OMV an der Börse um knapp 30 Prozent nach unten, für europäische Öl- und Gasaktien im Schnitt „nur“ um knapp 20 Prozent.

Zur Beantwortung der Frage eignet sich ansonsten auch ein Blick auf das Verhältnis des Marktwerts des Unternehmens zum Buchwert. Wenn die Investoren dem Wert des Unternehmens eine Prämie einräumen, deutet das eher auf Vertrauen hin, bei einem Abschlag erwarten Börsianer offenbar noch Wertberichtigungen. Hier ist die OMV aber im europäischen Schnitt. Der Abschlag zum Buchwert ist ungefähr so hoch wie für den gesamten Sektor – Investoren und Analysten sagen also noch weiteres Ungemach durch niedrige Preise voraus.

Die Bewertungen russischer Assets sind nicht zuletzt sanktionsbedingt deutlich geringer geworden. Das zeigt schon das bereits angesprochene Verhältnis von Aktienkurs und Buchwert. Beim Gaskonzern Gazprom liegt der nur halb so hoch wie im europäischen Schnitt. Hier schwingt das Misstrauen mit, ob die russische Politik die Gewinne aus der Öl- und Gasförderung wirklich auch mit Privaten teilen.

Kosten senken und weiterhoffen

Und so bleibt die oberste Priorität des OMV-CEO, den Cashflow zu sichern. Wenn schon das Öl zu immer günstigeren Preisen – aber hohen Kosten – aus dem Boden fließt, sollen wenigstens die liquiden Mittel stabil fließen. Die OMV braucht dafür aber auch in den kommenden Jahren einen höheren Ölpreis als den aktuellen.

Ob ein solcher realistisch ist angesichts der aktuellen Überkapazitäten, des Konflikts um Marktanteile und des Unwillens der OPEC-Länder, die Ölförderung zu drosseln, ist eine Frage, die sich wohl auch Rainer Seele stellt – und die wir beim NZZ.at-Clubabend beantworten wollen.