EPA/MICHAEL REYNOLDS

Walkthrough

Willkommen im Zeitalter des Protektionismus

von Lukas Sustala / 20.03.2017

Es fühlt sich wie eine Trendwende an. Die G-20, das internationale Gremium der führenden Industrie- und Schwellenländer, können sich nicht auf harte Worte gegen den Protektionismus verständigen. Zu unterschiedlich sind die Interessen von Berlin und Washington. Für kleine, offene Volkswirtschaften wie Österreich ist die Absage an Offenheit eine Gefahr für den Wohlstand – auch wenn die Sorge aktuell noch nicht von allen geteilt wird.

Was versteht man unter freiem Handel? Darüber haben die Finanzminister der G-20-Länder gestritten (NZZ.at). Und herausgekommen ist beim G-20-Treffen in Baden-Baden ein Kommuniqué, das Protekionismus nicht mehr kategorisch ablehnt, schließlich fahren die USA unter ihrem neuen Präsidenten einen anderen, strikteren Handelskurs (NZZ.at). Was durchaus signifikanter ist als ein verweigerter Handschlag im Oval Office. Denn damit hat der Stresstest für den Welthandel offiziell begonnen. Schließlich ist die größte Volkswirtschaft der Welt offiziell nicht mehr bereit, sich ausdrücklich vom Protektionismus zu distanzieren. Stattdessen verschanzen sich sich die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer hinter dem Begriff des „fairen Handels“. Und das, obwohl die Bemühungen zum globalen Freihandel viele Früchte getragen haben (NZZ.at). Und sich nur freier Handel als fairer Handel herausgestellt hat: „Freier Handel ist fairer Handel, weil er die Vorlieben der Menschen respektiert.“ (NZZ.at.)

Risiken in der Eurozone. Auch wenn gerade das „Ende des Populismus“ gefeiert wird (WSJ): Die Gefahr, dass auch nach der niederländischen Wahl politische Kräfte an die Macht kommen, die zentrale Teile des europäischen Projekts aufknüpfen wollen, bleibt in einigen Ländern der Eurozone bestehen. Und so sind auch Investoren nach wie vor unsicher, wie es denn künftig mit dem Euro weitergeht (NZZ.at). Ein Blick auf einen Datensatz, den viele Anleger und Analysten nun schon seit einigen Jahren eigentlich nicht mehr ansehen mussten, zeigt, dass zuletzt die Sorge um den Fortbestand des Euro wieder gestiegen ist. Was sich an den Risikoaufschlägen an den Kapitalmärkten ablesen lässt, also dem Mehr an Rendite auf französische, italienische, spanische oder portugiesische zehnjährige Anleihenrenditen gegenüber den deutschen, ist, dass sich zuletzt wieder Spreu von Weizen bei Staatsanleihen ein wenig trennte. Wobei ja vorerst nicht ein Zerfall der Eurozone, sondern ein Schrumpfen der EU auf der Agenda steht (Bloomberg).

Für das Leben lernen wir, nicht für die Gewerkschaft. Langfristig, so werden es Ihnen viele Ökonomen und Sonntagsredner bestätigen, sind die Kinder unsere Zukunft. Und die Schule ist der Ort, an dem diese Zukunft in Arbeit ist. Mit dem Endergebnis allerdings sind immer mehr Unternehmen, Lehrer und Politiker unzufrieden. Also werden Bildungsreformen angestoßen. Die jüngste soll die Autonomie der Schulen stärken. Schade nur, dass in Österreich Gesetze nicht von der Zustimmung der Bevölkerung, sondern von jener der Gewerkschaft abhängen, schreibt Agenda-Austria-Direktor Franz Schellhorn in seiner aktuellen Kolumne (NZZ.at). Dabei wäre mehr Schulautonomie eine gute Idee, meint die Denkfabrik, schließlich sind die Schulen in Österreich so wenig autonom wie sonst nur in Deutschland, Italien und Griechenland (Agenda Austria).

Volkswagen, verfahren. Bis vor zwei Jahren war Ferdinand Piëch die zentrale Figur im Volkswagen-Konzern, anerkannt und gefürchtet zugleich. Sein Wort war Gesetz im weltumspannenden Zwölf-Marken-Reich – bis er über den Versuch stolperte, Konzernchef Martin Winterkorn im Alleingang zu entthronen (NZZ.at). Mit seiner umstrittenen Aussage im Betrugsverfahren wegen des Dieselskandals hat sich Piëch isoliert. Nun wird er sich zurückziehen und seine Aktienanteile, die auf etwa eine Milliarde Euro taxiert werden, an andere Familienmitglieder verkaufen (NZZ.at). Ganz abgesehen davon, dass sich der Konzern von der Affäre noch immer nicht erholt hat und die langfristige Frage ist, ob die Wolfsburger auch die „Liebe zum E-Automobil“ finden werden.

Inspirationen – Food for thought

Wirtschaftsweise erhöhen die Konjunkturprognose für 2017. (ZEIT Online)

Die Strategien des neuen RBI-Chefs. (Ö1)

Heute dominieren nicht die reichsten Länder, sondern die glücklichsten die Schlagzeilen.