Oregon Department of Transport / Flickr.com

Walkthrough

Winter is coming

von Lukas Sustala / 02.11.2015

Zwei Mal Saisonalität: Am Arbeitsmarkt steigt nun die Arbeitslosigkeit. An den Aktienmärkten setzen die Bullen auf steigende Kurse. In der Türkei feiern die Finanzmärkte den Sieg der AKP. Ein Walkthrough im Phänomen Geld.

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Winter is coming. Die Arbeitslosigkeit ist im Oktober wieder gestiegen. Inklusive Schulungsteilnehmer sind bereits 410.854 Menschen ohne Job, 339.412 sind vorgemerkte Arbeitslose. In den Wintermonaten kommt jetzt die Saisonalität in den Arbeitsmarktdaten voll zum Tragen. Weil in Branchen wie dem Bau viel weniger Arbeiter benötigt werden steigt die Arbeitslosigkeit jedes Jahr zwischen September und Jänner kräftig. Seit 2006 stieg die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen im Schnitt um 102.000 zwischen September und Jänner, zeigt eine Analyse der Zahlen des Arbeitsmarktservice. Demnach könnte ihre Zahl bis Jänner 2016 auf rund 420.000 steigen. Wenn die Zahl der Schulungsteilnehmer konstant bleibt, könnte die Arbeitslosigkeit also an der 500.000er-Marke kratzen. Auf NZZ.at hatten wir bereits vergangene Woche einen Schwerpunkt zu den größten Baustellen auf dem Arbeitsmarkt (NZZ.at). Dabei ist relativ klar, dass der Mini-Kompromiss des Arbeitsmarktgipfels nicht ausreichen wird, um den Arbeitsmarkt zu entlasten (NZZ.at).

Athener Bankprobleme. Am Wochenende hat die Europäische Zentralbank das Ergebnis ihrer griechischen Bankvermessung bekannt gegeben. Im Fall einer weiteren wirtschaftlichen Eintrübung fehlen den griechischen Banken demnach 14,4 Milliarden Euro an Eigenkapital (NZZ.at). Bis Jahresende muss das Kapital aufgestellt sein, ob nun in Form von Aktien oder CoCos, Schuldscheinen, die im Falle einer Krise automatisch in Eigenkapital umgewandelt werden. Doch man kann zurecht kritisieren, dass es wieder einmal die Steuerzahler sein werden, die in Sachen Griechenland aushelfen müssen (NZZ.at).

Der türkische Aktienmarkt im Aufwind
Der türkische Aktienmarkt im Aufwind

Credits: Factset

Party am Bosporus. Die Finanzmärkte haben sich am Montag weitgehend über das Wahlergebnis in der Türkei gefreut. Das Plus an den Aktien- und den Devisenmärkten war schwer zu übersehen. 5,6 Prozent ist es für den Leitindex (ISE 100) nach oben gegangen. Die türkische Lira legte gegen den US-Dollar um mehr als 3,5 Prozent zu. Die Investoren scheinen damit eher ein kurzes Gedächtnis zu haben. Denn auch die heute grassierenden Probleme der türkischen Wirtschaft, allen voran der nichtnachhaltige, kreditfinanzierte Konsumboom, sind in die Phase der Alleinherrschaft der von Präsident Recep Erdoğan dominierten Partei AKP gefallen.

Traurige Sparefrohs und untote Banken. Der Weltspartag am Freitag bot für die meisten österreichischen Sparer wenig Grund zur Freude (NZZ.at). Klar ist, dass die meisten konservativen Sparformen aktuell kaum Zinsen bringen, wie wir in unserem Podcast aufgezeigt haben.

Das wird auf absehbare Zeit so bleiben, denn die Zentralbanken bleiben bei ihrer Politik des billigen Geldes und helfen damit verschuldeten Staaten, Banken und Unternehmen. Das führt auch zu anhaltenden Problemen mit Zombiebanken (NZZ.at). Und so ist die Politik des billigen Geldes, die den Gang der Wirtschaft beschleunigen soll, dafür mitverantwortlich, dass so wenig weitergeht.

Frohe Börsianer. Der Oktober war ein guter, ja ein sehr guter Monat für die Aktienmärkte. Und Europa – auch dank der sehr aktiven Europäischen Zentralbank – verbrachte den Monat im Börsenhimmel. Tim Edwards, Senior Director, Index Investment Strategy at S&P Dow Jones Indices: „October was a superb month for European equity investors. The S&P Europe 350 recorded its best performance since July 2009, with a total return of 8.5%.“ Der österreichische Aktienmarkt etwa legte um 8,6 Prozent im Oktober zu. Der starke Oktober ist für manche Beobachter Teil eines saisonalen Trends: „Sell in May and Go Away. But remember to come back in September“, heißt es ja gerne an der Börse (NZZ.at).

Fusionsfieber, Fast and Furious. Hohe Aktienkurse und niedrige Zinsen sind die perfekten Zutaten für Fusionen und Übernahmen. Wir hatten schon eine Bierübernahme, eine Pharmafusion, nun kommt auch in den Kreditkartenmarkt Bewegung:

Free Lunch – Food for Thought

Europas KMUs haben Probleme, an Eigenkapital zu kommen (VoxEU).

Warum sind die Zinsen so konsequent negativ dieser Tage? „Low productivity will get rates low but not consistently negative.“ (MarginalRevolution)

Die Goldgrube: So lässt sich mit Flüchtlingsunterkünften Geld verdienen (Zeit).

Sorgen Staatsanleihenkäufe der Zentralbank für mehr Investitionen? (Bruegel)