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Wirtschaftsstandort: Und täglich schrillt die Alarmglocke

von Lukas Sustala / 10.02.2016

Die Beratungsgesellschaft pwc hat für ihren „Annual Global CEO Survey“ erstmals auch österreichische Vorstandsvorsitzende befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein alarmierendes Bild, warnt pwc-Partner Aslan Milla. 

Die Stimmung ist evident schlecht. In den vergangenen fünf Jahren hat sich Österreich bei verschiedenen Standort-Rankings verschlechtert. Erstmals hat nun die Beratungsgesellschaft pwc im Rahmen ihrer globalen CEO-Umfrage auch 32 österreichische Firmenchefs befragt. Die äußerten sich ziemlich negativ zum Wirtschaftsstandort, vor allem in Sachen Steuerbelastung, Regulierung und Staatsschulden. „80 Prozent sehen in der Überregulierung und im Steuersystem ein wesentliches Hemmnis für das Wachstum in ihrer Umgebung“, sagte Aslan Milla, Partner bei pwc in Österreich, zu den Ergebnissen der Studie.

Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung und selbst CEO der Kapsch AG, bezeichnete den Befund bei der Präsentation als „horribel“. Österreichische CEOs seien im internationalen Vergleich deutlich pessimistischer, was die Wachstumsaussichten betrifft. Und damit würden sie sich wohl auch weiter mit Investitionen zurückhalten. Denn Standortrankings hätten gezeigt: „Österreich wird schlechter, schlechter, schlechter.“

Allein, die von der Industriellenvereinigung immer wieder geläutete Alarmglocke hat bis dato wenig geändert. Die meisten Maßnahmen der Bundesregierung gegen die schwache Wirtschaftsentwicklung würden nur kurzfristig bis mittelfristig wirken, etwa das Wohnbaupaket zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit, kritisiert Kapsch. Langfristige Änderungen gebe es aber nicht. „Wir stehen hinter dem Standort Österreich, aber wir können uns nicht an Rahmenbedingungen der 1970er und 1980er Jahren orientieren“, warnte Kapsch und kritisierte Arbeiterkammer und Gewerkschaft scharf. Die Sozialpartner würden bei wichtigen Reformen zu Arbeitszeit und Pensionen auf der Bremse stehen, die Länder zudem beim Föderalismus. Dabei gebe es „nichts mehr zu verschenken“. So brauche es etwa eine echte Steuerreform statt einer bloßen Tarifreform.

Ob sich aber in der laufenden Legislaturperiode noch wesentlich etwas ändern werde? Hier reiht sich Kapsch nahtlos in den Pessimismus der von pwc befragten Unternehmensführer. Die großen Reformthemen wie Föderalismus, Sozialpartnerschaft, Sozialversicherung, Gesundheitswesen werde man vorerst aber „nicht angreifen“, fürchtet er. „Mir fehlt die Hoffnung.“