Wo Österreichs Gold lagert

von Georg Renner / 24.02.2015

Der Rechnungshof ist unzufrieden mit der Oesterreichischen Nationalbank: Fast 80 Prozent der Goldreserven lagern an derselben Stelle – und eine Gesamtstrategie für die Verwaltung des Bestandes fehle überhaupt.

Die zwischen den Jahren 2009 und 2013 geltenden Vereinbarungen mit ausländischen Lagerstellen über die Verwahrung der Goldbestände der OeNB im Hinblick auf Regelungen betreffend die Sicherstellung der Werthaltigkeit und Existenz der Goldbestände waren in wesentlichen Teilen mangelhaft und unzureichend.

Das ist ein ziemlich verheerendes Fazit, wenn man bedenkt, dass die OeNB mit Ende 2013 nicht weniger als 280 Tonnen Gold in ihrer Bilanz führte – zu diesem Zeitpunkt ein Marktwert von rund 7,84 Milliarden Euro. Bestand fünf Jahre vor der Prüfung der Großteil der Goldreserve – ihr Gesamtvolumen liegt beständig bei 280 Tonnen Feingold – noch aus nicht-physischen Beständen, also verliehenem Gold oder entsprechenden Zertifikaten, hat sich das Verhältnis in den vergangenen Jahren gedreht: Mit Ende 2013 waren 218 von 280 Tonnen physische Vorräte.

Mit 31. Dezember 2013 verfügte die OeNB über Goldreserven im Wert von 7,8 Milliarden Euro.

Allerdings ortet der Rechnungshof, der am Dienstag seinen Bericht zu den Goldbeständen – bzw., genauer gesagt, dem Umgang der Nationalbank damit – veröffentlicht hat, quasi „too many eggs in one basket“: 178 dieser 218 Tonnen lagern nämlich am selben Standort, der Bank of England.

Die OeNB setzte sich damit auch im Vergleich mit vier anderen europäischen Zentralbanken einem erhöhten Konzentrationsrisiko aus, heißt es in dem Bericht. Eine Strategie, dieses Risiko zu reduzieren, liege ebenfalls nicht vor.

Und überhaupt:

Für das Management der Goldreserven der OeNB lag keine Gesamtstrategie vor.

Die Geschäftspartner der OeNB übermittelten Bestandslisten von
Goldlagerstellen nicht routinemäßig an die OeNB.

Die OeNB hatte kein geeignetes Konzept zur Durchführung der Revision der Goldreserven.

Der Lokalaugenschein, den ein Direktoriumsmitglied und ein Hauptabteilungsleiter der OeNB im Jahr 2011 bei drei Goldlagerstellen in der Schweiz und in England vornahmen, war hinsichtlich der durchgeführten Prüfungshandlungen und Feststellungen unzureichend dokumentiert.

Und eine besondere Episode hat der Rechnungshof noch bezüglich eines kleineren („nur“ sieben Tonnen umfassenden Depots) zu bieten:

Eine Vor–Ort–Prüfung der OeNB bei der Lagerstelle C in der Schweiz und somit auch eine Inventurbeobachtung durch den RH waren aufgrund
von Umbauarbeiten in den Tresorräumen dieser Lagerstelle, die bis ins Jahr 2019 andauern sollen, nicht möglich.