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Wonach strebt der, der Streber mobbt?

Meinung / von Lukas Sustala / 19.11.2015

Die Leistungen der Herrschaften auf der Regierungsbank sprechen eher nicht dafür, früher Schluss zu machen. Es sieht im Gegenteil so aus, als wäre diese Woche öfter mal Nachsitzen angesagt.

Das österreichische Budget? Die EU-Kommission glaubt nicht daran, dass es für 2016 hält. Zurück an den Verhandlungstisch – könnte es daher bald lauten für einen weiteren Versuch, Einsparungspotenzial zu finden. Aber die Einschätzung der Kommission passt vielleicht ohnehin zum neu gepflegten Image Österreichs als fiskalpolitischer Bad Boy. Musterschüler? Das dürfen gerne andere sein.

Die Bildungsreform? Viele Schlagworte, kaum echte Reformen. Bildungsdirektionen machen noch keinen Schüler und keine Schülerin fit für die Arbeitswelt. Und eine echte Schulautonomie, die auch das Prinzip Wettbewerb stärker betonen könnte, ist immer noch in weiter Ferne.

Die Wettbewerbsfähigkeit? Auch hier macht die Regierung aktuell eher mit Zielformulierungen auf sich aufmerksam als mit Ergebnissen. Österreich wieder an die Spitze führen! Ja, eh. Gründerland werden! Sowieso. Doch einstweilen diagnostiziert das Lausanner IMD, dass Österreich für international händeringend gesuchte Fachkräfte immer uninteressanter wird. 2006 noch weltweit an erster Stelle, liegt Österreich mittlerweile auf Rang 19.

Das Gründerland? Der Entrepreneurship Spirit Index zeigt, was man allerorten hört. Mit dem Unternehmergeist ist es in Österreich nicht wirklich weit her. Die Ursachen dafür sind sicher vielfältig, aber die Sozialisierung im „Vollkasko-Staat“ (O-Ton Schelling) trägt wohl das ihre dazu bei, dass Risiko – vor allem auch unternehmerisches Risiko – sehr kritisch gesehen wird.

Das alles passt dann doch irgendwie zusammen. Eine Regierung, die in zentralen wirtschaftspolitischen Fragen die Parole ausgibt, dass man kein Vorzugsschüler sein wolle, nimmt es mit dem gesunden Wettbewerb offenbar nicht so ernst.

Diese erkennbare Leidenschaft für das Mittelmaß ist aber doch sehr irritierend. Denn eine kleine Volkswirtschaft wie Österreich ist immer darauf angewiesen, dass sie im internationalen Vergleich hervorsticht. Im Gegensatz zu Deutschland oder Frankreich kann es kein Unternehmen mit seinem Absatzmarkt anlocken, der Finanzmarkt ist auch nicht gerade eine Wettbewerbsstärke, also bleiben noch die Talente – wir alle also – und die Innovationskraft.

Und ja, hier müssen wir um die Streber und Musterschülerinnen kämpfen, um die wirklichen Fachkräfte, um die, die Innovationen vorantreiben und Österreich zum Exporteur von Ideen machen. Damit Österreich zum Gründerland wird, das international die klügsten Köpfe anlockt, in seinen Schulen die nächsten Generationen dieser klugen Köpfe fördert und damit langfristig seinen Sozialstaat sichert.