AP Photo/Paul Sakuma

Internetpionier in der Krise

Yahoo stellt ein Schild auf: Zu verkaufen

von Christiane Hanna Henkel / 03.02.2016

Der Internetkonzern steckt so tief in der Krise, dass er 15 Prozent der Stellen streicht und sich selbst zum Verkauf stellt. Der Umstrukturierungsplan von Chefin Marissa Mayer scheint gescheitert.

„Der Verwaltungsrat denkt, dass es im Interesse der Aktionäre ist, parallel zur Fortführung des Turnaround-Planes auch strategische Alternativen zu prüfen“. Das erklärte der Yahoo-Verwaltungsratsvorsitzende Maynard Webb am Dienstag nach New Yorker Börsenschluss in einer Medienmitteilung. Das war ein Schlüsselsatz: Zu den strategischen Alternativen dürfte also vornehmlich ein Verkauf des Kerngeschäftes von Yahoo, also vor allem der Suchmaschine, des E-Mail-Dienstes und der Medienaktivitäten, gehören; Yahoo verfügt überdies über einen Anteil am chinesischen Online-Händler Alibaba im Wert von rund 28 Milliarden Dollar, was in etwa dem Börsenwert von Yahoo entspricht.

Der ewige Turnaround

Einen Verkauf hatten sowohl der Verwaltungsrat als auch die Konzernchefin Marissa Mayer bisher nicht auf die Liste möglicher strategischer Alternativen gesetzt. Stattdessen hatten sie an dem von Mayer bei Amtsantritt im Jahr 2012 ausgearbeiteten Turnaround-Plan festgehalten. Der ist allerdings nicht sehr erfolgreich und verstärkt in die Kritik einiger ungeduldig werdender Aktionäre geraten, darunter auch Aktivisten-Investoren. Diese fordern seit ein paar Wochen offen den Verkauf des Unternehmens mit wechselvoller Geschichte.

Wie es nun aussieht, hat die Yahoo-Führung am Dienstag erstmals eingelenkt und stellt damit ein – wenn auch eher verstecktes – Verkaufsschild für Yahoo auf. Gleichzeitig hält Yahoo aber auch an Mayers Turnaround-Strategie fest – offiziell zumindest. Es wurden am Dienstag einige Maßnahmen bekanntgegeben, die sowohl dem Unternehmenswert im Falle eines Verkaufs zugute kämen als auch in Mayers Strategie passen. So will der Konzern vor allem die Kosten senken. Rund 15 Prozent der Stellen werden gestrichen. Ende des Jahres soll Yahoo nur noch 9.000 Mitarbeiter haben, was rund 40 Prozent unter der Anzahl der Angestellten im Jahr 2012 liegen würde. Auch sollen einige nicht-strategische Assets wie Patente und Liegenschaften verkauft und so bis Jahresende Einnahmen zwischen zwei und  drei Milliarden Dollar generiert werden. Zudem sollen die Geschäftsaktivitäten gestrafft werden.

Dass die von Mayer seit 2012 betriebene Umstrukturierung wichtige Fundamente gelegt hat – wie die Konzernchefin selbst behauptet und damit mehr Zeit für ihren Plan einfordert– lässt sich an den ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Jahres- und Quartalszahlen nicht ablesen. Der Umsatz stieg im Vergleich mit dem Marktwachstum um geringe acht Prozent auf 4,82 Milliarden Dollar; im Quartal stagnierte er bei 1,27 Milliarden Dollar. Hohe Abschreibungen, vor allem auf das im Mai 2013 für 1,1 Milliarden Dollar erworbene Tumblr, drückten Yahoo in die roten Zahlen: Der Konzern wies für das Geschäftsjahr einen Verlust von 4,36 Milliarden Dollar aus.

Die Jahres- und Quartalszahlen zeigen, dass Mayer es noch immer nicht geschafft hat, die doch noch immer hohen Nutzerzahlen Yahoos in Dollar umzumünzen. Aus der Perspektive eines Käufers, wie etwa eines Telekomkonzerns, könnte das Kerngeschäft Yahoos aber doch einen beachtlichen Wert haben. Und ein Verkauf sollte auch den Weg für die Aktionäre freimachen, um vom Wert, der in der Alibaba-Beteiligung steckt, endlich direkt zu profitieren zu können.

Absinkender Börsenwert

Was Anleger und Analytiker von Yahoos bisheriger Strategie halten, drückt sich seit Monaten im Aktienkurs aus. Dieser ist in den letzten zwölf Monaten um 34 Prozent eingebrochen. Die direkten Konkurrenten im Markt für digitale Werbung hingegen florierten: Die Aktien von Alphabet, dem Mutterkonzern der Suchmaschine Google, und jene des sozialen Netzwerkes Facebook legten in den letzten zwölf Monaten um 48 bzw. um 52 Prozent zu. Die Yahoo-Aktien verloren im nachbörslichen Handel am Dienstag knapp zwei Prozent.