Zehn Charts, eine Hoffnung und eine Sorge

von Lukas Sustala / 05.05.2015

Im April hat die Geldflut der EZB die Märkte angetrieben, es wurden Konfetti geworfen, China erlebte einen Boom, Raiffeisen profitierte indirekt vom Ölpreis, und die Anleihen erlebten einen Minicrash. Ein Chartbook.

Es ist gerade erst zwei Monate her, dass die Europäische Zentralbank damit angefangen hat, monatlich 60 Milliarden Euro in Anleihen zu investieren. An den Finanzmärkten ist man noch intensiv damit beschäftigt, zu verdauen, was das Ankaufprogramm bedeutet. Ende April hat es einen Mini-Crash an den Anleihenmärkten gegeben, nachdem die Zinsen zuvor auf absolute Allzeittiefs gefallen waren. In dem Mini-Crash steckt aber auch eine Hoffnung: Wenn die Zinsen steigen und die Anleihekurse fallen, könnte das bedeuten, dass sich Investoren mit höheren Inflations- und Wachstumsraten in der Zukunft anfreunden: Genau das, was die EZB ja will. Allein, bei gerade einmal 0,5 Prozent auf zehnjährige Anleihen bleibt die Hoffnung auf Wachstum ein sehr zartes Pflänzchen. Es ist daher wohl zu früh für Konfetti.
Hier finden Sie unser Video zu den extrem niedrigen Anleihenzinsen.

Die Geldflut der EZB soll ja schlussendlich bei den Haushalten, also Ihnen und mir, ankommen. Tatsächlich ist die breit definierte Geldmenge M3Je breiter die Geldmenge, desto mehr Finanzinstrumente werden gezählt. Bei der M3 zählen neben den Geldscheinen und Münzen im Umlauf auch die Sichteinlagen von Banken, längerfristige Einlagen oder Schuldscheine mit bis zu zwei Jahren Laufzeit dazu. im März bereits so stark gewachsen wie seit Jahren nicht, und die Banken in der Eurozone haben erstmals seit langem wieder getan, wofür sie da sind: privaten Haushalten und Unternehmen Kredit gegeben.

Besonders spürbar ist die EZB-Geldflut an den Aktienmärkten. Seit Jahresbeginn haben die wichtigsten Indizes in Europa durchwegs Gewinne erzielt. Ein Plus von über 20 Prozent schlägt etwa beim heimischen ATX zu Buche. Auch in Asien war die Entwicklung durchwegs positiv, die USA lassen nach bereits sehr guten Aktienjahren aus.

Allein, von dem Aktienboom haben Herr und Frau Österreicher denkbar wenig. Hierzulande fesselt eben das Sparbuch mit seinem fixen Zinsversprechen immer noch, auch wenn die Zinsen längst mit der Lupe zu suchen sind.

Anders, und wohl auch ungesund, verhält es sich in China. Hier steigen Private in Scharen in den bereits heißgelaufenen Aktienmarkt und investieren auf Pump, also mit geliehenem Geld, in Aktien. In Hongkong sind chinesische Unternehmen gerade auch wegen der großen Infrastukturprojekte gefragt:

Eine Trendumkehr hat seit einigen Wochen auf dem Ölmarkt stattgefunden. Nach dem absoluten Zerfall des wichtigsten Rohstoffmarktes hat sich das schwarze Gold stabilisiert, in den vergangenen vier Monaten gab es gar ein Plus von knapp 20 Dollar je Fass. Die Stabilisierung des Ölmarkts hilft besonders Ölunternehmen wie der heimischen OMV, die auf dem Aktienmarkt ihren Abwärtstrend hinter sich gelassen hat.

Indirekt hat auch die Raiffeisen Bank International von der Erholung des Ölmarkts profitiert. Denn der russische Rubel als Maßstab für die Probleme der russischen Wirtschaft hat dank des gestiegenen Ölpreises auch eine Erholung durchgemacht. Das ist für die relativ zu ihrer Größe am stärksten in Russland engagierten ausländischen Bank eine positive Entwicklung gewesen.

Innerhalb Europas gibt es einen Markt, der besonders heraussticht: und zwar negativ. In Griechenland sind die Zinsen stark gestiegen und die Aktienkurse gefallen und die aktuellen Gerüchte um eine mögliche Pleite Griechenlands auf seine Schulden beim Währungsfonds haben aus dem Athener Markt eine hellenische Hochschaubahn gemacht.

Kommen wir zu der größten Sorge, die sich im April aufgestaut hat: die USA. Die große und scheinbar stabile Volkswirtschaft hat mit sehr schwachen Zahlen von sich reden gemacht. Die folgenden Surprise-Indikatoren zeigen an, ob Wirtschaftszahlen die Erwartungen von Ökonomen über- oder unterschritten haben. In den USA ist der Saldo aktuell unangenehm negativ.

Wenn sich die US-Wirtschaft nicht bald wieder von dem Schwächeanfall der vergangenen Monate erholt, dürfte der Aktienmarkt als erster leiden. Aktien sind deutlich gestiegen, obwohl die langfristigen US-Anleihenzinsen als Maßzahl für langfristiges Wachstum eher gesunken sind. Die schwächeren Wirtschaftsdaten könnten ein jähes Ende der Entwicklung mit sich bringen, dass der US-Kapitalmarkt derzeit mit gespaltener Zunge spricht, weil Aktien eher von stärkerem und Anleihen eher von sinkendem Wachstum ausgehen.