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Zentralbanken und ihre Kaufprogramme: Die Bonds werden knapp

von Werner Grundlehner / 26.08.2016

Die Notenbanken konkurrenzieren private Anleger auf den Obligationenmärkten. Erstaunlicherweise scheint das niemanden zu beunruhigen – zumindest vorerst.

Staatsanleihen haben lange als wichtiges, stabilisierendes Element im Depot gegolten. In einem traditionellen Schweizer Privatkunden-Portfolio haben festverzinsliche Werte einen Anteil von 40% bis 60%. Staatsanleihen erstklassiger Schuldner bildeten dabei die solide Basis dieses Bestandes. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken hat aber bewährte Anlagestrategien Makulatur werden lassen. Wer heute Staatsanleihen von qualitativ guten öffentlichen Schuldnern zeichnet, muss diesen Staaten jährlich Geld dafür zahlen, um deren Schulden decken zu dürfen. Vom hiesigen Primärmarkt für sichere Bonds haben sich Privatanleger wegen der negativen Zinsen vor längerer Zeit verabschiedet.

Doppelt verzerrt durch die Geldpolitik ist die Lage im Euro-Raum. Dort konkurrenziert die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem Quantitative Easing (QE) andere Käufer von festverzinslichen Anlagen. Die jüngste Meldung nach der Publikation des deutschen Haushaltsentwurfs macht die Lage für die EZB aber nicht gerade einfacher. Die Bundesrepublik will das Neu-Emissionsvolumen um 11% verringern. Ähnliche Probleme beschäftigen auch andere Notenbanken: In Japan, dem am höchsten verschuldeten Industrieland, hält die Bank of Japan bereits 40% der Staatsverschuldung und über die Hälfte des ETF-Markts. Der Bank of England standen jüngst nicht genügend Gilts zur Umsetzung des soeben ausgeweiteten QE zur Verfügung.

Ökonomen sind sich einig, dass ein leicht verfügbarer Pool an erwerbbaren Vermögenswerten zur Verfügung stehen muss, damit ein QE reibungslos funktioniert. Wenn die Zentralbanken zu einem immer wichtigeren Akteur an den globalen Finanzmärkten werden, kann die Liquidität austrocknen, was wiederum die Volatilität antreibt.

Die Knappheit an für das EZB-Kaufprogramm geeigneten Anleihen war einer der Faktoren, die die Bondkurse stützten und die Renditen auf Allzeittiefs drückten. Die Investoren sind mit der Knappheit bisher gut gefahren. Die Kurse von italienischen und spanischen Staatsanleihen sind gestiegen, obwohl die Länder mit politischen Unsicherheiten und Bankenkrisen zu kämpfen haben. Auch der Schweizer Markt bekommt diese Kauflust zu spüren, obwohl die Verzinsung hiesiger Bonds alles andere als attraktiv ist. Durch die Zeichnung von Bonds in Franken und einem Swap in Euro scheint sich jedoch Geld verdienen zu lassen.

Angesichts dieser von den Notenbanken verursachten Marktverzerrungen sollte den Investoren angst und bange werden. Denn irgendwann muss jede Fehlallokation korrigiert werden. Die Anleger lassen sich aber keine Angst machen. Es herrscht die Meinung vor, dass die Notenbanken ihren wahrscheinlich falschen Weg der langfristigen ultraexpansiven Geldpolitik nicht mehr verlassen können, da die Folgen für Finanzmärkte und Wirtschaft zu dramatisch wären.