Im Hintergrund ragt das neue EZB-Gebäude zwischen zwei Rauchsäulen empor.

Zentralbanken: Von Wortklauberei und brennenden Autos

von Lukas Sustala / 18.03.2015

Investoren konzentrieren sich bei der Sitzung der US-Notenbank heute auf ein einziges Wort, um die absehbare US-Zinswende einzuschätzen. Die Europäische Zentralbank hat gänzlich andere Sorgen als Geldpolitik. In Frankfurt brennen rund um die Blockupy-Proteste zum Umzug der EZB Polizeiautos. Ein Walkthrough durch die wichtigsten Themen im Phänomen Geld.

Frankfurt brennt. Die Einweihung des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank wird von schweren Ausschreitungen überschattet. Bereits in der Früh brannten Polizeiautos, und gewaltbereite Aktivisten lieferten sich in der Nähe der EZB Auseinandersetzungen mit der Polizei. Bei den offiziell angemeldeten Demonstrationen von Blockupy geht es um Proteste gegen die Sparprogramme in Griechenland.

EZB entscheidet über ELA. Auch hinter den verschlossenen Türen der Zentralbank ist Griechenland Thema. Heute berät der EZB-Rat über eine Ausweitung der Notkredite (Emergency Liquidity Assistance) für Griechenland. Griechische Banken benötigen angesichts der Milliardenabflüsse von Spareinlagen Nothilfe, um liquid zu bleiben.

Wortklauberei. Heute Abend steht die US-Notenbank Fed im Fokus. Um 19 Uhr wird die Zentralbank ihre Zinsentscheidung verkünden, und auch wenn klar ist, dass sie heute keine Zinserhöhung vornehmen wird, erwarten Analysten doch eine Richtungsentscheidung. Es geht dabei um ein Wort: Bis dato hat sich die Fed als „patient“ bezeichnet, als geduldig, wenn es um die kommende Zinserhöhung geht. Solange sich die US-Zentralbanker als geduldig bezeichnen, werden die Zinsen für zwei Monate nicht angerührt.

Die Erwartungen sind klar umrissen: In den kommenden Monaten kommt die erste Zinserhöhung, vielleicht im Juni, vielleicht erst im Herbst. Fed-Chefin Janet Yellen soll jedenfalls Auskunft geben, wann die Fed die Zinsen von derzeit 0 bis 0,25 Prozent anheben wird.

Investoren wetten auf höhere US-Zinsen
Investoren wetten auf höhere US-Zinsen

Die Euro-Dollar-Achterbahn. Was die EZB heute verkündet, wird kurzfristig vor allem für eines wichtig sein: den Euro-Dollar-Wechselkurs. Der Euro ist auf ein 12-Jahres-Tief gegen die US-Währung gefallen, und Analysten fragen sich, ob es noch weiter hinuntergehen kann. Steigende Zinsen in den USA, die den Dollar attraktiver machen, wären jedenfalls nötig für einen steigenden Dollar.

Hedgefonds-Guru schlägt Alarm. Der Hedgefondsmanager Ray Dalio warnt vor den Folgen einer strafferen Geldpolitik. Der Manager des größten Hedgefonds der Welt – Bridgewater Associates verwaltet rund 170 Milliarden Dollar – schreckt derzeit vor Wetten auf steigende Aktienkurse zurück. Denn es sei möglich, dass steigende Zinsen wie auch einige Jahre nach der Großen Depression in den 1930ern auch heute wieder zu drastisch fallenden Aktienkursen führen können. Dalios Warnung in einem Brief an Kunden war heute prominent auf der Titelseite der Financial Times abgedruckt (Paywall, der Dalio-Brief ist unten als PDF angehängt).

Facebook steigt in den Ring. Das soziale Netzwerk bietet künftig Überweisungen über seine App Messenger an. Wie eine Nachricht versenden kann man so an „Freunde“ Geld überweisen. Das Service wird vorerst nur in den USA angeboten. Aber in jedem Fall übt sich Facebook bereits in der Konkurrenz zu Anbietern wie PayPal, aber auch zu klassischen Banken.