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US-Ökonom John Taylor

Ziellose Geldpolitik ist kein Dauerzustand

von Peter A. Fischer / 23.05.2016

Der US-Ökonom John Taylor widerspricht an der Haberler-Konferenz monetären Krisenszenarien.

Jeder Zentralbanker kennt die Taylor-Rule, und John Taylor kennt die meisten wichtigen Zentralbanker. Der US-Ökonom ist zwar sehr besorgt über die gegenwärtige „strategiefreie“ Geldpolitik, hat aber für die US-Notenbank eine Lösung parat.

Schon Ludwig von Mises hat davor gewarnt. Der zusammen mit Friedrich A. von Hayek zu den Gründervätern der liberalen „österreichischen Schule“ zählende Ökonom schrieb 1923, Regierungen und Bürokratien wollten mehr ausgeben, als sie den Stimmbürgern über Steuern zumuteten. Deshalb überschuldeten sie sich und suchten dann ihren Schuldenberg über eine hohe Inflation oder durch finanzielle Repression wieder loszuwerden.

Angesichts der seit der Finanzkrise in vielen Staaten explodierenden Verschuldung, der präzedenzlos tiefen Zinsen und der enormen Geldflut dominierten an der diesjährigen, 12. Internationalen Gottfried-von-Haberler-Konferenz denn auch wohlbegründete Befürchtungen.

Gewarnt wurde an der vom liechtensteinischen Fürstenhaus unterstützten Konferenz davor, dass es plötzlich doch noch zu hoher Inflation kommen könnte, eine drohende Monetarisierung der Staatsschulden die Sparer enteignen und die Altersvorsorge vernichten würde und dass der technokratische Charakter der europäischen Integration zu Demokratieversagen führe.

Auf zwei Prozent in einem Jahr

Optimistischer gab sich in Vaduz der in Stanford lehrende John Taylor. Er hat 1993 die nach ihm benannte berühmte Verhaltensregel für die Geldpolitik entwickelt. Die Taylor-Rule definiert den „richtigen“ Zinssatz als gewichtete Summe des natürlichen realen (Gleichgewichts-)Zinses, der Abweichung der tatsächlichen Inflationsrate vom Zielwert und der Differenz zwischen Wirtschaftsleistung und Potenzialwachstum.

Taylor hat mit Kollegen über ein Vierteljahrhundert lang in dynamischen Modellen nach komplexen Regeln für die „optimale“ Geldpolitik gesucht. Doch seine relativ einfache und mechanistische Formel erwies sich als die robusteste. Demnach hat die US-Notenbank Fed schon auf den Zusammenbruch der Dotcom-Blase zu expansiv reagiert und so die Finanzkrise mitverursacht. Seit der Krise bewegt sich das Fed nun in „strategiefreiem Raum“.

Doch Taylor ist überzeugt, dass ein geordneter Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpolitik weltweit machbar ist, wenn das Fed mit gutem Beispiel vorangeht. Für angezeigt hält er einen Pfad, bei dem die US-Notenbank in Aussicht stellt, die Zinsen innerhalb eines Jahres auf zwei Prozent zu heben und dann weiterzuschauen. Das gegenwärtige Vorgehen des Fed hält Taylor für zu zögerlich und zu wenig vorhersehbar. Vielen Notenbankern fehle es nach der langen Zeit der Nullzinsen am Mut, mit einer beherzten Exit-Strategie kurzfristig unsichere Veränderungen auszulösen, um mittelfristig das Richtige zu tun.

Regeln für die Freiheit

Freiheit und eine solide Geldpolitik gehören für Taylor Hand in Hand. Er führt dies auf Hayek zurück und möchte in dem Sinne die Notenbanken darauf verpflichten, sich auf Verhaltensregeln festzulegen. Das schaffe Berechenbarkeit und verhindere so Marktturbulenzen und kompetitive (Abwertungs-)Wettläufe.

Taylor hält viel von Stetigkeit und wenig von sich dauernd ändernder „forward guidance“. Mit viel Praxiserfahrung gewappnet, sieht er durchaus Raum für unterschiedliche Interpretationen von Regeln und will diese auch nicht sklavisch angewendet wissen. Aber er wirbt dafür, dass sich die Fed auf ein Verhalten festlegen muss.

Ein entsprechender Vorstoß des US-Kongresses gehört zu den Gründen, wieso Taylor trotz aller Sorge über die herrschenden Zustände optimistisch in die Zukunft blickt.